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«Auf keinen Fall, Sir.«

«Und dann rechnen Sie mit McLaren aus, was die Atommaschinen hergeben, um in schnellster Fahrt die Position zu erreichen, in der wir sein müßten, wenn die Verhöre beendet sind. Ich rechne damit, daß wir drei Tage aufholen müssen.«

«Das ist ein Problem, Sir.«

«Das ist ein Teil der Wiedergutmachung, Chief! Klagen Sie Ihren Unterleib an, nicht mich! Danke.«

Collins grüßte stramm und verließ den Raum. In Tauchfahrt mit voller Kraft drei Tage nachholen, dachte er draußen. Bei diesen Wetterverhältnissen, bei diesem verworrenen Meeresboden. Auf so etwas kann auch nur ein Kerl wie Nicholson kommen.

Dr. Blandy wartete, bis die Tür zugefallen war. Dann holte er aus einem Wandschrank eine Flasche Kognak und goß Nicholson ein Glas ein. Der Commander lächelte. An Bord war strengstes Alkoholverbot. Die Alkoholvorräte waren unter Verschluß wie Diamanten, und nur an Feiertagen gab Nicholson eine Ration frei.

«Woher weißt du, daß ich da etwas versteckt habe?«fragte er.

«Eine Eingebung, Jack. Wenn er was hat, muß es da sein, dachte ich.«

«Hast du noch mehr Eingebungen, Paul?«

«Ja. Zum Beispiel das Gefühl, daß man uns nach Beendigung der

Fahrt den Arsch bis zum Nackenwirbel aufreißt. Uns allen! Und Papa Adam tut's persönlich!«

«Das weiß ich. Das ist keine Eingebung, sondern eine Tatsache.«

«Eingebung Nummer zwei: Du bist in diese Monika Herrmann verliebt wie ein College-Boy! Wenn du könntest, liefest du ohne Hose herum.«

«Du bist ein Ferkel, Paul!«

«Aber ein ehrliches! Wie du aufgeatmet hast, als sie nicht wie die anderen auf Katzentour war! Dieser Luftzug! Man hätte das Boot damit versenken können.«

«Blödsinn!«

«Jack, du bist genauso verrückt nach ihr wie die Boys nach den Puppen. Aber du hast deine Bremse fest angezogen — so fest, daß sie jetzt qualmt. Wenn ihr beide jetzt an Land wäret — «

«Aber wir sind nicht an Land!«schrie Nicholson und sprang auf.»Wir sind auf einem getauchten Atom-U-Boot, dem modernsten und gefährlichsten, das je konstruiert wurde! Eine gewollte oder ungewollte Katastrophe auf diesem Boot kann einen dritten Weltkrieg entfesseln, kann Millionen vernichten, kann Länder und Völker radioaktiv verseuchen! Und nun dieser Wahnsinn! Unser Überleben hängt von fünf mannstollen Mädchen ab… von vier. «Nicholson verbesserte sich sofort und kaute an der Unterlippe.»Paul, wir müssen alles tun, um das Boot sicher an die Basis zurückzubringen. Es muß uns gelingen!«

«Und wenn die Mannschaft durchdreht? Belucci war nur ein Anfang, das ist dir doch klar?«

«Dann versenke ich mich selbst!«Nicholson starrte Dr. Blandy an. Und Blandy wußte, daß das kein billiger Scherz war oder nur ein emotioneller Panzer.»Aber dann werde ich ersaufen mit Monika im Arm!«

«Bravo!«Dr. Blandy klatschte in die ungeheuer großen Hände.»Wenigstens beim Abkratzen bist du ein Mann, und nicht bloß eine hochdekorierte Uniform!«

Das Boot lag wie gelähmt auf der Stelle. Die Positionsmeldung, die Collins an die Basis nach Norfolk gab, direkt zu Admiral Adam, versetzte es allerdings weiter nach Norden, über Island hinaus, im Anmarsch auf den Packeisriegel des Nordpols.

Der Suchtrupp unter Leutnant Curtis war seit vier Stunden im Boot unterwegs, ohne bisher die Leiche Beluccis gefunden zu haben. Einen ausgewachsenen Menschen in einem geschlossenen Stahlkasten, wie es die POSEIDON I war, verschwinden zu lassen, ist ein Kunststück, und der Mörder schien es fertigbekommen zu haben. Was an Verstecken in der Größenordnung eines Mannes möglich war, hatte man mit starken Handscheinwerfern durchleuchtet mit dem Ergebnis, daß man vierzehn Flaschen Whisky und neun Flaschen Gin hervorholte, die trotz aller Kontrollen auf das Boot geschmuggelt worden waren. Soldaten entwickeln da geniale Einfälle. Die Flaschen wurden beschlagnahmt, natürlich ohne Protest, denn die heimlichen Besitzer meldeten sich aus verständlichen Gründen nicht. Nur die Leiche wurde nicht gefunden.

Leutnant Curtis studierte noch einmal den Grundrißplan des Bootes, den McLaren aus dem Stahlschrank herausgegeben hatte — sonst eines der Geheimnisse, das nur ein paar Leute kannten. Und so erfuhr der erstaunte Curtis, daß es auf der POSEIDON einige Winkel und Nischen gab, zu denen versteckte Türen führten und in denen geheime Meßinstrumente noch geheimnisvollere Striche und Kurven auf ein Millimeterpapier zeichneten, was wiederum nur McLa-ren entziffern konnte.

Aber auch hier fand man den toten Belucci nicht, denn wäre er hier gewesen, hätte McLaren selbst als Mörder gelten müssen.

«Gehen wir jetzt davon aus, daß der Mörder den Körper Beluccis zerstückelt hat, um ihn besser verschwinden zu lassen«, sagte Curtis heiser zu seinem Suchtrupp.»Bei Überwasserfahrt hätte er die Teile durchs WC einzeln wegspülen können in die See… aber wir sind unter Wasser, Boys. Hat er Belucci im Lokus verschwinden lassen, muß er sich jetzt in den WC-Tanks befinden, die erst wieder bei Überwasserfahrt ausgepumpt werden. Mit anderen Worten: Wir müssen die Scheißtanks kontrollieren! Wir müssen sie umpumpen und jeden Liter untersuchen. Das aber heißt auftauchen!«

In der Offiziersmesse war unterdessen eine Art Gerichtssaal aufgebaut worden. Hinter einem langen Tisch, bedeckt mit der amerikanischen Fahne, saßen Commander Nicholson, Oberleutnant Cornell, Oberleutnant Hynes, Leutnant Surakki und Leutnant Presslow. Dieser ließ einen Matrosen nach dem anderen zum Verhör vorführen. Eine dicke Bibel lag mitten auf dem Tisch, und jeder, der hereinkam, mußte zuerst die rechte Hand auf die Bibel legen und ein gläubiges Gesicht machen, ehe er reden durfte.

Es stellte sich heraus, daß alle sehr wenig zu sagen wußten. Belucci kannten sie alle, natürlich. wer kannte den netten Jungen aus Sizilien nicht, der so gern von seiner fernen Heimat sang, die er nie gesehen hatte, denn schon sein Großvater war nach den USA ausgewandert. Als er noch lebte, sorgte er für Stimmung im Boot. Jetzt umgab seinen Namen ein tiefes verlegenes Schweigen. Wer gesagt habe, daß er ermordet worden sei? Keiner… das war plötzlich im Boot bekannt, so wie man den Sauerstoff aus den Klimaanlagen einatmete. Niemand hatte es herumgetragen, es flog auf einmal von Mund zu Mund, und es war keiner da, der bestimmen konnte: Er hat's zuerst gesagt. Oder wollte es keiner wissen?

Nicholsons Zorn entlud sich ausgerechnet über den Matrosen Tami Tamaroo, dem freundlichen Hawaiianer, dessen ganze Sehnsucht es war, nach Ende dieses geheimen Auftrages ein Vierteljahr Urlaub in seinem Dorf zu machen.

«Sie haben die Hand auf die Bibel gelegt!«donnerte Nicholson. Tamaroo nickte und schwieg.»Sie haben bei Gott geschworen, die Wahrheit zu sagen! Was wissen Sie? Machen Sie das Maul auf!«

«Ich bin kein Christ, Sir«, antwortete Tamaroo höflich.

«Und wenn Sie Feuerfresser sind. Sie wissen — wie die anderen auch —, warum Belucci ermordet wurde!«

«Nein, Sir.«

Nicholson starrte Tamaroo an. Er hatte diese dumme Frage bewußt gestellt, denn jeder im Boot wußte, warum Belucci ein Messer in den

Rücken bekommen hatte. Als einzigem der Mannschaft war es ihm gelungen, das rothaarige Biest Evelyn Darring den Offizieren wegzuschnappen und unter sich zu ziehen. Wie ihm das Kunststück von der Hand gegangen war, blieb sein Geheimnis. oder wußte es der Mörder? War der Mörder Zeuge? War der Mörder ein Rivale? War der kleine Italiener schneller am Rock der Rothaarigen als der Mörder, der sich ein Anrecht auf diesen weiblichen Körper ausgerechnet hatte? Wenn es so war, dann stand der Täter nicht vor dem Tisch, sondern er saß hinter dem Tisch oder in den einzelnen Befehlsstationen und war — Offizier!