Выбрать главу

»Kommen Sie schon, Danny Boy! Ich kann auch auf einem Nagelbett schlafen, wenn's sein muss. Wann kann ich kommen?«

»Geben Sie mir einen Tag, um etwas Ordnung zu schaffen. Vierundzwanzig Stunden. Ich werde Sie von einem Raumboot abholen lassen.«

»Wunderbar«, sagte Pancho und wurde sich bewusst, dass vierundzwanzig Stunden ihm Zeit geben würden, sich mit seinen Vorgesetzten kurzzuschließen und zu entscheiden, wie man diesen unerwarteten Besuch handhaben sollte.

»Übrigens«, fügte sie hinzu, »seid ihr Leute noch immer an einer strategischen Partnerschaft mit der Astro Corporation interessiert?«

Nun wurde seine Miene fast völlig reglos. Pokerface, sagte Pancho sich.

»Ja«, sagte er schließlich. »Natürlich. Obwohl ich Sie darauf hinweisen muss, dass angesichts dieses Kriegs die finanzielle Situation sich erheblich geändert hat.«

»Was Sie nicht sagen!«

Er lächelte wieder.

»Gut, dann werden wir darüber sprechen, wenn ich zu Ihrer Basis komme.«

»Fein«, sagte Daniel Jorno Tsavo.

Datenbank: Sonnensturm

Der kleine Stern, den die Menschen Sonne nennen, ist ein ultraheißer, rastloser thermonuklearer Reaktor mit einem Durchmesser von einer Million Kilometern. Tief in seinem Kern, wo die Temperatur 30 Millionen Grad überschreitet, vermögen Atome nicht zu bestehen. Die Elektronen werden von den Kernen getrennt; sie werden ionisiert. Bei diesen enormen Temperaturen und Drücken werden Wasserstoffkerne — nackte Protonen — verschmolzen und bilden Heliumkerne. Bei dieser Verschmelzung werden Partikel elektromagnetischer Energie — Photonen genannt — freigesetzt, die sich mühsam einen Weg durch eine halbe Million Kilometer unglaublich dichten, ionisierten Gases — Plasma genannt — zur hellen Oberfläche der Sonne bahnen.

Brodelnde, gigantische Blasen aus Plasma steigen in einem endlosen Zyklus der Konvektion auf und sinken wieder ab, kühlen sich ab und werden wieder erhitzt. Große Magnetfelder durchdringen das Plasma, verzerren und zerreißen es in dünne glühende Fasern, die länger sind als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Gewaltige Bögen eine Million Grad heißen Plasmas spannen sich über die Sonnenoberfläche, verlängern sich, katapultieren sich in den Raum oder strömen in gewaltigen Kaskaden in die Sonne zurück.

In Zyklen von ungefähr elf Jahren schwankt das heftige Toben der Sonne. In den Perioden maximaler Sonnenaktivität ist das leuchtende Antlitz der Sonne mit Sonnenflecken übersät — etwas kältere Gebiete, die dunkel erscheinen im Vergleich zu der umgebenden Chromosphäre. Protuberanzen lodern auf, plötzliche Ausbrüche von Energie, die in ein paar Sekunden das Äquivalent von hundert Billiarden Tonnen TNT freizusetzen vermögen: mehr Energie, als die ganze menschliche Zivilisation in fünfzigtausend Jahren verbraucht.

Die elektromagnetische Strahlung solcher Protuberanzen — sichtbares Licht, Funkwellen, ultraviolette und Röntgen-Strahlen — erreicht in ungefähr acht Minuten den erdnahen Raum. Dies ist die ›Vorwarnzeit‹. In geringem zeitlichem Abstand, ein paar Minuten bis ein paar Stunden, folgt dann die erste Welle extrem energiereicher Protonen und Elektronen mit einer Geschwindigkeit unterhalb der des Lichts.

Die Energie in diesen Partikeln wird in Elektronvolt gemessen. Ein Elektronvolt ist eine sehr kleine Energiemenge. Es brauchte fünf Millionen Elektronvolt, um eine Fünfzig-Watt-Lampe zum Leuchten zu bringen. Protonen mit einer Energie von vierzig bis fünfzig Millionen Elektronvolt schaffen es, sechs Millimeter dicke Bleiabschirmungen zu durchdringen, und zuweilen haben Partikel von Protuberanzen mit einer Energie von mehr als fünfzehn Billionen Elektronvolt die Erde erreicht.

Und das waren noch nicht einmal die stärksten Auswirkungen der Protuberanzen.

Die Protuberanzen schleudern große Wolken hochenergetischen Plasmas in den interplanetaren Raum. Die Wolke breitet sich mit zunehmender Entfernung von der Sonne aus und übertrifft in ihren Ausmaßen bald die Erde. Wenn eine solche Wolke auf die Magnetosphäre der Erde trifft, verwirbelt sie das Erdmagnetfeld und verursacht einen magnetischen Sturm.

Die Auroras am Nord- und Südpol der Erde verstärken sich dramatisch, und das ›Nordlicht‹ (und ›Südlicht‹) werden auch fernab ihrer üblichen Schauplätze gesehen. Die Ionosphäre — der Gürtel ionisierter Partikel, der die Erdoberfläche in etwa achtzig Kilometern Höhe umspannt — gerät in Turbulenzen und macht Langwellen-Übertragungen unmöglich, die normalerweise von den ionisierten Schichten reflektiert werden.

Auf dem Mond und im Asteroidengürtel kommen alle Aktivitäten außerhalb von Schutzräumen zum Erliegen, wenn Protuberanzen die Oberflächen mit tödlicher Strahlung baden. Alle Raumschiffe, die jenseits des Mondes operieren, verfügen über einen elektromagnetischen Schutzschirm, um die energiereichen Partikel der Protuberanzen-Wolke abzulenken. Sonst würden die Menschen in diesen Raumschiffen schnell sterben, getötet durch den unsichtbaren Kugelhagel der ionisierten Partikel.

Innerhalb von ein paar Tagen lichten die tödlichen Wolken sich wieder und lösen sich im interplanetaren Raum auf. Die Ionosphäre der Erde beruhigt sich wieder. Die Auroras hören auf zu lodern. Arbeiter in Raumanzügen können wieder an die Oberfläche des Mondes und der Asteroiden zurückkehren. Der Alltag kehrt wieder ins Sonnensystem zurück. Bis zum nächsten Sonnensturm.

Wettervorhersage

Trikot Zorach war ein griesgrämiger Astrophysiker, der das Wetter im Weltall studierte. Obwohl er schon in der dritten Generation Amerikaner und in Chicago geboren und aufgewachsen war, war er seinem lettischen Erbe nie entwachsen, mit einer Vorahnung dräuenden Unheils belastet zu sein.

Er saß in seinem unordentlichen Büroverschlag — ein stämmiger, ungepflegter Mann mit der Statur eines Hydranten und mit einem dicken widerborstigen, vorzeitig ergrauten Haarschopf, der ihm in die Stirn fiel. Er wurde von Bildschirmen, Bücherstapeln, Berichten, Videochips und den verstreuten Resten vieler Mahlzeiten umzingelt, die er am Schreibtisch eingenommen hatte.

Weil der interplanetare Raum ein fast vollkommenes Vakuum ist, lächelten die meisten Menschen oder lachten sogar, wenn Zorach ihnen von seinem Beruf erzählte und auf einen ›Knalleffekt‹ warteten, der nie eintrat. Es gab weder Regen noch Schnee im Weltraum, wohl wahr. Zorach wusste aber, dass es einen Wind aus geisterhaften mikroskopischen Partikeln gab, der in Böen von der Sonne wehte: ein Sonnenwind, der manchmal Orkanstärke und mehr erreichte. Außerdem gab es einen ständigen Nieselregen kosmischer Partikel von den entfernten Sternen.

Und es gab Wolken — manchmal. Unsichtbare, aber durchaus tödliche Wolken.

Seit Jahren hatte er schon daran gearbeitet, exakte Vorhersagen für Sonnenstürme zu treffen. Er studierte die Sonne, bis die Augen vom Starren auf ihr feurig loderndes Bild brannten. Er türmte Berge aus statistischen Analysen auf und versuchte eine Methodik für die Vorhersage von Sonnenstürmen zu finden, indem er die aktuellen Daten mit denen früherer Protuberanzen verglich und auf ihrer Grundlage ›Zurücksagen‹ traf. Er erstellte holografische Karten des interplanetaren Magnetfeldes, wohl wissend, dass jene unsichtbaren Fäden aus Energie die Strahlenwolken lenkten, die durch Protuberanzen ausgeworfen wurden.

Ohne Erfolg. Seine Vorhersagen waren im besten Fall Schätzungen. Jeder lobte ihn zwar und die Ergebnisse, die er erzielte, doch Zorach wusste, dass er einen Sonnensturm erst noch vorhersagen musste. Das war ihm in all den Jahren, die er schon daran gearbeitet hatte, noch nicht gelungen.

Also war er auch nicht sonderlich überrascht, als von einem der Monitore im überfüllten Büro plötzlich ein Signal ertönte. Er drehte sich zu ihm um, nahm mit bloßem Auge jedoch nichts Ungewöhnliches wahr. Die alphanumerischen Zeichenketten am unteren Bildschirmrand sagten ihm aber deutlich, dass soeben ein neuer Sonnensturm ausgebrochen war.