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»FEUER«, ertönte die synthetische Computerstimme aus den Lautsprechern am Eingang des Pubs. »FEUER IN ABSCHNITT VIER-CE.«

»Das ist mein Lagerhaus!«, platzte Fuchs heraus.

Die Menge rannte durch die Türen in den Tunnel. Fuchs sprang von der Bar herunter, packte Amanda bei der Hand und rannte hinter den anderen her.

Alle Sektoren der unterirdischen Siedlung waren durch Tunnel miteinander verbunden. Etwa alle hundert Meter wurden die Tunnel durch luftdichte Schleusen unterbrochen, die darauf programmiert waren, sich bei einem Druckabfall oder einer anderen Abweichung von den Normalbedingungen selbsttätig zu schließen. Als Fuchs den Eingang zu seinem Lagerhaus erreichte — er hatte Amanda noch immer an der Hand —, hatte das Schott, das die Höhle abdichtete, sich längst geschlossen. Er bahnte sich einen Weg durch die Menge aus dem Pub, wobei er im aufgewirbelten Staub hustete und berührte die Metalloberfläche der Luke. Sie war heiß.

»Die Kameras im Lagerhaus sind ausgefallen«, sagte einer der Techniker. »Muss ein ziemlich starkes Feuer sein.«

Fuchs nickte mit grimmigem Blick. »Wir können nur warten, bis es den ganzen Sauerstoff verzehrt hat und erstickt.«

»War irgendjemand dort drin?«, fragte Amanda.

»Ich glaube nicht«, sagte Fuchs. »Jedenfalls keiner von unseren Leuten; sie waren alle auf der Versammlung.«

»Dann warten wir«, sagte der Techniker. Er kramte in der Tasche seines Overalls, zog eine Atemschutzmaske heraus und setzte sie auf.

Ein paar Leute in der Menge taten murmelnd ihr Mitgefühl kund. Die meisten gingen in leise Unterhaltungen vertieft davon. Hier und da hustete jemand oder nieste wegen des Staubs.

»Er hat das getan«, murmelte Fuchs.

»Wer?«, fragte Amanda.

»Humphries. Einer von seinen Leuten.«

»Nein! Was hätte er …«

»Er will uns auffordern, Ceres zu verlassen. Das Geld, das er uns angeboten hat, war eine List. Wir haben ihm unseren Entschluss, sein Angebot anzunehmen, noch nicht mitgeteilt, und nun wendet er Gewalt an.«

»Lars, ich glaube einfach nicht, dass er so etwas tun würde.«

»Ich schon.«

Amanda schaute auf die paar Leute, die sich noch im Tunnel aufhielten sagte zu ihrem Mann: »Wir können hier nichts mehr tun. Wir sollten nach Hause gehen; wir können später zurückkommen, wenn das Feuer sich selbst verzehrt hat.«

»Nein«, sagte Fuchs. »Ich werde hier warten.«

»Aber du hast doch nicht einmal eine Atemschutzmaske und …«

»Du gehst. Ich werde hier warten.«

Amandas Versuch eines Lächelns scheiterte. »Dann werde ich mit dir warten.«

»Es besteht keine Notwendigkeit …«

»Ich wäre aber lieber bei dir«, sagte Amanda und nahm seine große Hand in ihre.

Wo Fuchs nichts anders zu tun vermochte, außer zu warten und im körnigem Staub zu husten, spürte er heißen Zorn in sich aufsteigen — einen brennenden Hass auf den Mann, der skrupellos genug war, um so etwas zu befehlen und auf seine Handlanger, die diesen Befehl ausgeführt hatten.

Dieses Schwein, sagte er sich. Dieses dreckige, fiese, mörderische Schwein. Ein Feuer! In einer geschlossenen Gemeinschaft wie dieser. Wenn die Sicherheitsschleusen nicht funktioniert hätten, hätten wir alle drauf gehen können! Das Feuer hätte den ganzen Sauerstoff verzehrt und jeden von uns erstickt!

Mörder, sagte er sich. Ich habe es hier mit Leuten zu tun, die einen Mord begehen würden, um das zu bekommen, was sie wollen. Ich werde Humphries’ Geld nehmen und von diesem Ort verschwinden wie ein Lakai, der vom Hausherrn ausbezahlt wird.

»Lars, was ist mit dir?«, fragte Amanda.

»Nichts.«

Sie schien ernsthaft besorgt. »Aber du hast gezittert. Dein Blick — ich habe noch nie einen solchen Ausdruck in deinem Gesicht gesehen.«

Er versuchte, den in ihm lodernden Zorn unter Kontrolle zu bringen, versuchte ihn zu verbergen, versuchte ihn unter Verschluss zu halten, sodass niemand ihn zu sehen vermochte — nicht einmal seine Frau.

»Komm«, sagte er mit rauer Stimme. »Du hattest Recht. Wir können hier nichts ausrichten, bis wir die Luke öffnen und sehen, wie groß der Schaden ist.«

Als sie wieder in ihrem Apartment waren, stocherte er lustlos im Essen herum, das Amanda ihm vorsetzte. Er fand auch keinen Schlaf. Als er und zwei Techniker am nächsten Morgen zum Lagerhaus zurückgingen, war die luftdichte Schleuse mit dem Rahmen verschmolzen. Sie mussten sie mit einem von Astros Bergbaulasern aufschweißen und dann ein paar Minuten warten, bis die große ausgebrannte Kammer sich mit Luft gefüllt hatte.

Das Lagerhaus war eine geschwärzte Ruine. Die Techniker, beide junge Männer und neu in Ceres, starrten mit großen Augen auf die Trümmer.

»Mein Gott«, murmelte der Mann zu Fuchs’ Rechten, als die Lichtkegel ihrer Taschenlampen über die noch immer heißen Trümmer wanderten.

Fuchs erkannte den Ort kaum wieder. Die Gestelle waren zusammengebrochen, und die Metallstreben waren in der Hitze des Feuers geschmolzen. Tonnen von Ausrüstung waren zu Schlacke verbrannt.

»Was hat bloß so ein heißes Feuer verursacht?«, fragte sich der Junge zu Fuchs’ Linken.

»Nicht was«, murmelte Fuchs. »Wer.«

Kapitel 12

Es hat schon etwas für sich, dass die Kommunikation in beiden Richtungen so lang dauert, sagte Amanda sich. Sonst würde Lars die Frau wohl schon anschreien.

Sie hatte beobachtet, wie ihr Mann mit von der Asche des Lagerhauses verschmutztem Gesicht und noch düsterer Stimmung ihre Versicherungsgesellschaft angerufen hatte, um sie über das Feuer zu informieren. Dann hatte er Diane Verwoerd in den Räumlichkeiten von Humphries Space Systems in Selene angerufen.

Obwohl die Funksprüche sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzten, dauerte es über eine Stunde, bis Ms. Verwoerd antwortete. Bei der Entfernung zwischen ihnen war eine echte Unterhaltung zwischen Ceres und dem Mond nicht möglich. Die Kommunikation glich eher dem gegenseitigen Zuschicken von E-Mails als einer Zweiwege-Verbindung.

»Mr. Fuchs«, leitete Verwoerd ihre Botschaft ein, »ich weiß es zu schätzen, dass Sie uns über den Brand in Ihrem Lagerhaus informieren. Ich hoffe, dass niemand verletzt wurde.«

Fuchs setzte automatisch zur einer Antwort an und hielt erst inne, als Verwoerd ungerührt fortfuhr: »Wir müssen erst über das ganze Ausmaß des Schadens Bescheid wissen, bevor wir in Verhandlungen über die Übernahme der Helvetia GmbH eintreten. Soweit ich weiß, bestanden die Aktiva Ihrer Gesellschaft zum größten Teil aus dem Bestand in Ihrem Lagerhaus. Ich weiß, dass dieses Inventar versichert war, aber ich bin mir sicher, dass die Versicherung nicht viel mehr als die Hälfte des Vermögensschadens ersetzen wird. Bitte informieren Sie mich baldmöglichst. Ich werde mich zwischenzeitlich mit Ihrer Versicherungsgesellschaft in Verbindung setzen. Vielen Dank.« Ihr Bild verblasste und wurde durch das stilisierte Logo von Humphries Space Systems ersetzt.

Fuchs’ Gesicht glich einer dunklen, dräuenden Gewitterwolke. Er saß am Computertisch ihres Ein-Raum-Apartments und schaute stumm auf den Wandbildschirm. Amanda saß auf dem Bett und wusste auch nicht, wie sie ihn trösten sollte.

»Wir werden keine zehn Millionen bekommen«, murmelte er und wandte sich zu ihr um. »Nicht einmal die Hälfte, glaube ich.«

»Das ist schon in Ordnung, Lars. Drei oder vier Millionen würden uns auch reichen, um …«

»Um mit eingekniffenem Schwanz davonzulaufen«, sagte er unwirsch.

»Was sollen wir denn sonst tun?«, hörte Amanda sich antworten.

Fuchs ließ den Kopf hängen. »Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Wir sind erledigt. Das Lagerhaus ist völlig ausgebrannt. Wer auch immer das Feuer gelegt hat, er hat ganze Arbeit geleistet.«