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Verbündete.

Sie brauchten Verbündete.

Gul’dan fragte sich, wie Kil’jaeden das übersehen konnte. Die Orcs waren tatsächlich mächtig, speziell, wenn sie kontrolliert und richtig geführt wurden. Die langen Monate, über ein Jahr bereits, die sich dieser Krieg schon hinzog, hatten das gezeigt. Ihre besten Denker verstanden inzwischen einen Teil der Draenei-Technologie, soweit das eben möglich war. Eine zentrale Festung wurde gebaut, die Gul’dan Zitadelle nannte. Dort konnte bequem ein stehendes Heer untergebracht und ausgebildet werden. Die Orcs hatten so etwas noch nie zuvor versucht, und Gul’dan war stolz darauf, dass er die Idee dazu gehabt hatte.

Auf der einen Seite gab es Krieger, auf der anderen Schamanen – die natürlich Hexenmeister hießen –, hier waren Heiler, dort Handwerker.

Die ersten drei Gruppen hatten klare Vorgaben und keinen Mangel an Gelegenheiten, ihre Aufgaben auszuführen. Die Handwerker arbeiteten auf einer anderen Ebene, schufen Rüstungen und Waffen und errichteten Gebäude, um diejenigen zu unterstützen, die die Ehre hatten, die Draenei zu töten, bis ihre Körper klebrig vom vergossenen Blut waren.

Manch einer würde diese Arbeiter eine niedrigere Klasse von Orcs nennen. Im Stillen dachte Gul’dan auch so. Aber er wusste, dass ihre Arbeit, obwohl wenig glamourös, so notwendig war wie eines Kriegers Wille zu Töten oder die magischen Fähigkeiten eines Hexenmeisters. Ohne diejenigen, die für Nahrung, Unterkunft und Waffen sorgten, würden die Krieger und Hexenmeister nicht weit kommen. Deshalb hatte Gul’dan eine Leistungsschau der Handwerker aus der Taufe gehoben, mit dem schönen Ergebnis, dass sie dadurch noch härter arbeiteten und sich stetig verbesserten.

Aber obwohl jedes Mitglied von jedem Clan so hart arbeitete, wie es konnte Gul’dan hatte in jedem Clan Spione, um auch in dieser Hinsicht sicher zu sein –, war es nicht genug. Die Eroberung von Telmor war ihnen überraschend leicht gefallen, und der Moralschub war enorm gewesen. Aber Gul’dan wusste, dass der Sieg der Horde größtenteils auf Glück basierte. Niemand in der geschützten Stadt hatte einen Moment lang geglaubt, dass sie entdeckt und binnen weniger Stunden überrannt werden könnten. Sie hatten sich völlig sicher gefühlt, beschützt von der Magie des grünen Steins, den Gul’dan Laubschatten nannte. Der hatte die Draenei zuerst vor den Augen der Oger und dann vor denen der Orcs geschützt. So leicht würde der nächste Sieg nicht werden. Wie sollte...

„Oger“, sagte er laut. Er tippte sich mit einem krallenbewehrten Finger gegen das hervorstehende Kinn. „Oger...“

„Niemals!“ schrie Schwarzfaust. Er überwand den Abstand zwischen sich und Gul’dan mit zwei Schritten und ragte bedrohlich vor dem kleineren Orc auf. Gul’dan musste seine ganze Tapferkeit aufbringen, um nicht vor dem furchteinflößenden Gesicht zurückzuweichen, das nur einen Zentimeter von dem seinen verharrte, als der Kriegshäuptling ihm den Kopf entgegensenkte.

„Immer mit der Ruhe, Schwarzfaust“, versuchte ihn Gul’dan zu beschwichtigen. „Höre erst, was ich zu sagen habe. Du bist derjenige, der davon am meisten profitieren wird.“

Damit hatte er ihn. Schwarzfaust grunzte. „Sie sind seit langem Feinde der Orcs. Länger als die Draenei. Wie soll ich einen Vorteil aus diesem Bündnis ziehen?“

Er kommt direkt zum Punkt, dachte Gul’dan mit Befriedigung. Er hatte Schwarzfaust richtig eingeschätzt.

„Es gibt immer noch einige, die erzählen, bei deiner Wahl wäre es nicht mit rechten Dingen zugegangen“, sagte er. „Wenn du mit diesem Bündnis Erfolg hast, wird es deinem Namen zu ewigem Ruhm verhelfen.“

Schwarzfausts Augen schmälerten sich. „Vielleicht“, murmelte er. „Aber werden die Oger da auch mitmachen?“

Gul’dan erlaubte sich ein Lächeln. „Sie werden, wenn wir es von ihnen verlangen“, antwortete er.

Schwarzfaust warf den Kopf in den Nacken und brüllte vor Lachen.

Orgrim rutschte unbehaglich in seinem Sattel hin und her, während er seinen Anführer ansah. Schwarzfaust hatte ihm erklärt, was er beabsichtigte, und Orgrim hatte protestiert. Er war über die Jahre an zahllosen Jagdgruppen beteiligt gewesen, um der Bedrohung durch die Oger entgegenzutreten. Mehr als allen anderen Orcs war es ihm ein persönliches Anliegen. Er hasste sich immer noch dafür, dass er vor Jahren vor einer der riesigen plumpen, dickschädeligen Kreaturen davongelaufen war.

Und plötzlich schlug Schwarzfaust so etwas vor!

Aber Orgrim wusste, dass, wenngleich sein Anführer einige Fehler hatte, er doch ein guter Stratege war. Der Plan war schlüssig, man musste ihn nur frei von Emotionen betrachten. Deshalb hatte er seine Unterstützung angeboten.

Trickreich hatten sie sich die notwendigen Informationen beschafft. Die Schwarzfels-Orcs hatten drei Oger gefangen genommen und eine lange Nacht damit verbracht, mit ihnen in einfachen Worten zu reden, bis diese trügerisch plumpen Dinger verstanden, was sie wollten und sie zu kooperieren begannen. Jetzt stand jeder Krieger, Hexenmeister und Heiler des Clans bereit zum Kampf.

Die Oger hatten ihnen erzählt, wo sich ihre Meister versteckt hielten, und hatten sie zu diesem Ort geführt, eine Lichtung am Fuße der Bergkette namens Blake’s Edge. Die Gronn gaben sich nicht die Mühe, ihre Anwesenheit zu verbergen. Abfall lag überall in der Gegend herum, und zahlreiche Abdrücke von Ogerfüßen waren am Boden zu erkennen. Orgrim beobachtete, wie eine kleine Gruppe Oger von den Bergen ins Land zog. Kein Zweifel, sie fühlten sich in Sicherheit, so wie die Draenei sich in Telmor sicher gefühlt hatten, und vor einem Jahr hätte das auch gestimmt. Aber vieles hatte sich seitdem geändert. Die Orcs waren nicht länger kleine Gruppen, sondern eine geschlossene Macht und gewillt, einen alten Groll gegen neuen Hass zu tauschen.

Schwarzfaust ritt voran, begleitet von drei Ogern. Hinter ihm kamen seine Söhne Rend und Maim, die sich miteinander leise unterhielten und ab und an rau glucksten. Orgrim war zuerst dagegen gewesen, den Jungen das Kämpfen zu erlauben. Aber sie hatten bewiesen, dass sie stärker waren, als man hätte annehmen können. Ihnen fehlte zwar die Durchtriebenheit ihres Vaters, aber sie hatten seine Brutalität geerbt. Griselda war ebenfalls zum Kämpfen ausgebildet worden, aber sie war nicht so begabt wie die beiden Jungen. Ihr Vater warf ihnen einen zornigen Blick zu, und sie verstummten sofort.

Orgrim fragte sich, ob Schwarzfaust eine Rede halten würde. Er hoffte nicht. Mit Worten hatte Schwarzfaust es nicht so, und sein Clan war ohnehin schon bereit, ihm zu folgen. Zu Orgrims Erleichterung sah Schwarzfaust über das Meer der Krieger, nickte einmal und gab dann den Befehl zum Angriff.

Die erste Welle brüllte wild und rannte die Hügel hinab. Der Anblick von drei der ihren, die gemeinsam mit den Orcs kämpften, verwirrte die Oger zunächst derart, dass sie einfach stehen blieben, um sich töten zu lassen. Dann, als ihre langsam arbeitenden Gehirne begriffen, dass sie angegriffen wurden, zogen sie sich zurück. Und sie attackierten noch immer nicht ihre Artgenossen, die durch ihre Reihen stapften, um mit dem Anführer zu sprechen, der irgendwo in den Höhlen zu finden war.

Orgrim war derjenige, der den letzten Oger zu Fall brachte. Er wirbelte seinen Schicksalshammer und empfand dabei so etwas wie Freude. Sein Wolf war schnell und schoss leichtfüßig zwischen den baumdicken Beinen des Ogers hindurch, der tobte und mit seinem Knüppel verbissen zuschlug. Orgrim erinnerte sich daran, wie groß ihm diese Kreaturen als Kind vorgekommen waren. Sie waren immer noch groß, doch das war er inzwischen auch, und er beherrschte seine legendäre Waffe vorzüglich. Er zertrümmerte das Schienbein des Ogers, der vor Schmerz brüllte. Orgrims Wolf tanzte zur Seite, als das große Ding fiel und die Erde bebte, als es aufschlug. Es versuchte aufzustehen, versuchte seinen Körper mit seinen großen fetten Händen hochzudrücken. Aber da waren schon andere Schwarzfels-Orcs heran. Schneller als selbst Orgrim schauen konnte, war der Oger tot und blutete aus über einem Dutzend Wunden.