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Er nahm sich eine Mossberg, ging mit Einstein um das Haus herum und machte an jedem der kleinen Infrarotsensoren Halt, die so unauffällig wie möglich vor Felsbrocken oder Pflanzen angebracht waren, an Baumstämmen, an den Hausecken und neben einem alten, verfaulten Föhrenstumpf am Rand der Einfahrt. Er hatte die Bauteile legal bei einem Elektronikhändler in San Francisco erworben. Das Zeug war etwas überholt, entsprach nicht dem letzten Stand der Sicherheitstechnik; aber er hatte sich dennoch dafür entschieden, weil er aus seiner Zeit bei Delta Force mit den Dingen vertraut war und sie für seine Zwecke ausreichten. Drähte führten unter der Erde von den Sensoren zu einer Alarmzentrale in einem der Küchenschränke. Wenn das System nachts eingeschaltet wurde, konnte nichts, das größer als ein Waschbär war, sich dem Haus auf mehr als zehn Meter nähern - oder die Scheune am hinteren Ende seines Grundstücks betreten -, ohne den Alarm auszulösen. Dann schlugen freilich keine Glocken an, heulten auch keine Sirenen, weil das den Outsider alarmieren und dazu führen würde, daß er wegrannte. Sie wollten ihn nicht verjagen - sie wollten ihn töten. Deshalb schaltete das System im Alarmfall in jedem Zimmer des Hauses Uhrenradios ein, die alle auf geringe Lautstärke eingestellt waren, um einen Eindringling nicht zu verscheuchen, aber laut genug, um Travis und Nora zu warnen.

Sämtliche Sensoren waren, wie gewöhnlich, an Ort und Stelle. Er brauchte nur die dünne Staubschicht abzuwischen, die die Linsen bedeckte.

»Der Burggraben ist in gutem Zustand, Mylord«, sagte Travis.

Einstein wuffte zustimmend.

In der rostroten Scheune überprüfte Travis die Anlage, von der er hoffte, daß sie dem Outsider eine unangenehme Überraschung bereiten würde.

In der Nordwestecke des düsteren Raumes, links von der großen auf Rollen laufenden Schiebetür, war an einem Wandgestell ein unter Druck stehender Stahltank befestigt. In der diagonal gegenüberliegenden Südostecke, an der Hinterwand der Scheune, hinter dem Pick-up und dem Toyota, war ein identischer Behälter an einer identischen Halterung verschraubt. Sie sahen wie große Propantanks aus, wie man sie häufig in Berghütten einsetzte, um mit Gas kochen zu können, aber sie enthielten kein Propan; sie waren mit Distickstoffmonoxyd gefüllt, das manchmal nicht ganz korrekt als >Lach-gas< bezeichnet wurde. Der erste Hauch, den man davon einatmete, erheiterte einen tatsächlich, aber der zweite schlug einen k.o., ehe einem das Lachen über die Lippen kam. Zahnärzte und Chirurgen benutzten Lachgas häufig für die Anästhesie. Travis hatte es von einem Spezialhaus für Krankenhausbedarf in San Francisco gekauft.

Nachdem er die Beleuchtung in der Scheune eingeschaltet hatte, überprüfte Travis die Ventile beider Tanks. Voll unter Druck.

Außer der großen Schiebetür an der Vorderseite gab es an der Hinterseite noch eine kleinere, etwa mannshohe Tür; diese beiden waren die einzigen Zugänge. Die zwei Fenster oben auf dem Heuboden hatte Travis mit Brettern zugenagelt. Wenn nachts das Alarmsystem eingeschaltet wurde, blieb die kleine Hintertür unversperrt, denn sie hofften, der Outsider werde in der Absicht, das Haus aus dem Schutz der Scheune auszuspähen, in die Falle gehen. Wenn er die Tür öffnete und sich in die Scheune schlich, löste das einen Mechanismus aus, der die Tür hinter ihm zuschlug und versperrte. Die von außen verschlossene vordere Tür würde verhindern, daß er dort entkam. Gleichzeitig mit dem Zuschnappen der Falle würden die großen Tanks mit Distickstoffmonoxyd ihren Inhalt in weniger als einer Minute abgeben, weil Travis sie mit Hochdruckventilen ausgestattet hatte, die in das Alarmsystem eingebunden waren. Er hatte sämtliche Ritzen in den Scheunenwänden abgedichtet und den ganzen Bau so gründlich wie möglich isoliert, um sicherzustellen, daß das Distickstoffmonoxid in dem Bau blieb, bis eine der Türen von außen geöffnet wurde, um das Gas entweichen zu lassen.

Im Pick-up oder im Toyota konnte der Outsider keine Zuflucht finden. Beide würden versperrt sein. Kein Winkel der Scheune würde frei sein von dem Gas. Die Kreatur würde in weniger als einer Minute zusammenbrechen. Travis hatte erwogen, irgendein giftiges Gas einzusetzen, das er sich wahrscheinlich über seine Verbindungen in San Francisco ebenfalls hätte besorgen können, hatte sich aber am Ende dagegen entschieden, weil die Gefahr für ihn, Nora und Einstein zu groß war, falls irgend etwas schiefging.

Sobald das Gas ausgeströmt und der Outsider ihm zum Opfer gefallen war, konnte Travis einfach eine der Türen öffnen, die Scheune lüften, sie mit dem Uzi-Karabiner betreten und die besinnungslose Bestie dort, wo sie hingefallen war, töten. Im schlimmsten Fall, selbst wenn die Zeit, die zum Lüften der Scheune benötigt wurde, dem Outsider eine Chance gab, wieder zu sich zu kommen, würde er immer noch benommen und desorientiert sein und somit ein leichter Gegner.

Als sie sich vergewissert hatten, daß alles in der Scheune so war, wie es sein sollte, kehrten Travis und Einstein zum Hof hinter dem Haus zurück. Der Dezembertag war kühl, aber es wehte kein Wind. Der Wald, der ihr Anwesen umgab, war von unnatürlicher Stille. Die Bäume standen reglos unter einem von tiefhängenden schieferfarbener Wolken bedeckten Himmel.

»Ist der Outsider immer noch zu uns unterwegs?« fragte Travis.

Mit einem schnellen Schweifwedeln erklärte Einstein: JA.

»Ist er nahe?«

Einstein hob schnüffelnd die Nase in die klare Winterluft. Er trottete über den Hof an den nördlichen Waldrand und schnüffelte wieder, legte den Kopf schief und spähte aufmerksam in das Dunkel zwischen den Bäumen. Dann wiederholte er sein Ritual am südlichen Ende des Grundstücks.

Travis hatte das Gefühl, daß Einstein nicht wirklich seine Augen, Ohren und Nase für die Suche nach dem Outsider einsetzte. Er hatte irgendeine Methode, den Outsider wahrzunehmen, die von völlig anderer Art war als die einen Puma oder ein Eichhörnchen aufzuspüren. Travis wurde klar, daß der Hund einen unerklärlichen sechsten Sinn besaß - ob nun psychisch oder zumindest quasi-psychisch -, und wenn er seine gewöhnlichen Sinne benutzte, war das wahrscheinlich entweder der Auslöser für diese psychische Fähigkeit - oder bloße Gewohnheit.

Schließlich kehrte Einstein zu ihm zurück und winselte eigenartig.

»Ist er nahe?« fragte Travis.

Einstein schnüffelte und schaute dann wieder in das Dunkel des sie umgebenden Waldes, als könnte er sich nicht zu einer Antwort entscheiden.

»Einstein - stimmt was nicht?«

Schließlich bellte der Retriever einmaclass="underline" NEIN.

»Rückt der Outsider uns näher?«

Ein Zögern. Dann: NEIN.

»Bist du sicher?«

JA.

»Wirklich sicher?«

JA.

Als Travis, beim Haus angekommen, die Tür öffnete, wandte Einstein sich von ihm ab, trottete über die hintere Terrasse, blieb bei den Holzstufen stehen, blickte ein letztes Mal über den Hof und auf den friedlichen, lautlos im Schatten daliegenden Wald. Dann folgte er Travis leicht fröstelnd ins Haus. Während der Inspektion ihrer Verteidigungseinrichtungen war Einstein zutraulicher als gewöhnlich gewesen, hatte sich immer wieder an Travis' Beinen gerieben, sich an ihn gedrückt und ihn auf die eine oder andere Art aufgefordert, ihn zu streicheln oder hinter den Ohren zu kraulen. Als sie dann am Abend vor dem Fernseher saßen und später auf dem Wohnzimmerboden Scrabble spielten, fuhr der Hund fort, ihre Aufmerksamkeit zu suchen. Er legte immer wieder Nora oder Travis den Kopf in den Schoß, und es schien gerade so, als wäre er es zufrieden, bis zum nächsten Sommer gestreichelt und hinter den Ohren gekrault zu werden.

Nora und Travis entschieden, den Abend mit etwas Lektüre ausklingen zu lassen - Detektivgeschichten -, aber Einstein verzichtete darauf, daß sie ein Buch in seine Umblättermaschine legten. Statt dessen lag er vor Noras Sessel auf dem Boden und schlief sofort ein.