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Bach seufzte. »John, John, John«, sagte er kopfschüttelnd. »Ihr Vertrauen in die Macht des Kongresses ist ... rührend, wissen Sie das?« Er trat auf mich zu, sah mich fest an - und griff in die Innentasche meines Mantels; dorthin, wohin ich gerade gedeutet hatte. Mit spitzen Fingern zog er einen zusammengefalteten Zettel heraus.

»Eine Vollmacht des Senats?« fragte er. »Also, für mich sieht das eher aus wie der Abholschein einer chinesischen Wäscherei. Sie bluffen, Mister Loengard.«

»Genau wie Sie«, antwortete ich trotzig. »Das Lügen habe ich von Ihnen gelernt.«

»Lügen?«

»Ich kann es noch nicht beweisen«, antwortete ich, »aber ich denke, ich weiß, was hier wirklich gespielt wird.«

»Und was ... wäre das, Ihrer Meinung nach?« fragte Bach in interessiertem, zugleich aber auch leicht amüsiertem Tonfall.

»Ihre fliegenden Untertassen. Die UFOs. Sie kommen nicht aus dem Weltraum, nicht wahr? Es ist ein geheimes Forschungsprojekt. Irgendeine ... Superwaffe, die Sie in einem geheimen Laboratorium entwickelt haben, mit Geldern, die Sie illegal abzweigen. Sie sind nicht der große Geheimnisvolle, als der Sie sich ausgeben, Bach. Sie und Ihre Leute sind nichts als Betrüger.«

»Eine interessante Theorie«, sagte Bach. »Und wie wollen Sie sie beweisen?« Er wartete meine Antwort nicht ab, sondern drehte sich herum und ging langsam auf die Lifttüren am Ende des Flures zu, so dass ich ihm folgen musste, wenn ich nicht schreien wollte.

»Das weiß ich noch nicht«, sagte ich. »Aber ich werde die Wahrheit herausfinden.«

Bach drückte den Knopf. Die Aufzugtüren glitten auseinander. Bach trat in die Kabine, aber als er sich herumdrehte, hielt er seinen Mantel so, dass der Stoff die Lichtschranke unterbrach und sich die Türen nicht schlossen.

»Schon wieder dieses Wort, John«, sagte er. »Ihnen scheint wirklich viel an der Wahrheit gelegen zu sein. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie sie erfahren wollen?«

»Hundertprozentig«, antwortete ich mit einer Überzeugung, die ich tief in mir nicht wirklich empfand. Die Wahrheit in diesem Moment war, dass Bach mir schon wieder Angst machte. Möglicherweise hatte er recht. Vielleicht wollte ich das, wonach ich suchte, in Wirklichkeit gar nicht wissen.

»Diese Wahrheit hat einen Preis, Mister Loengard«, sagte Bach. »Sind Sie bereit, ihn zu bezahlen?«

Ich schwieg. Ich war nicht sicher, ob ich wirklich verstand, was er sagte. Bach blickte mich fünf Sekunden lang aus seinen durchdringenden Augen an, dann zehn, und dann machte er einen halben Schritt in die Aufzugkabine zurück. Sein Mantel gab die Lichtschranke frei. Die Türen begannen sich langsam zu schließen.

Und ich trat mit einem raschen Schritt hindurch und neben ihn.

Die Union Station war voller Menschen, und trotzdem fühlte ich mich unendlich einsam und auf eine Weise verloren, die ich bis zu diesem Moment noch nicht kennen gelernt hatte. Bach hatte weder im Lift noch auf dem gesamten Weg hierher ein einziges Wort gesagt, ja, mich nicht einmal angesehen, aber er musste meine Nervosität spüren. Vorhin, als ich zu ihm in den Aufzug getreten war, war mir mein Entschluss richtig erschienen. Die einzige Wahl, die ich hatte treffen können. Es gab Momente, in denen die Furcht nicht zählte, nicht einmal das eigene Leben.

Aber das waren nur Worte, und vielleicht waren es wirklich nicht mehr als nur Worte. Möglicherweise war ich in diesem Moment, der vielleicht über den Fortgang meines gesamten Lebens entscheiden mochte, nur in meinen eigenen Mut verliebt gewesen. Oder das, was ich dafür hielt.

Ich hätte noch zurück gekonnt. Bach und ich waren allein. Keiner seiner Leute war in der Nähe, und selbst wenn es anders gewesen wäre, so hätte mich die Menschenmenge auf dem Bahnhof geschützt. Aber es war, als wäre ich unfähig, mein eigenes Tun weiter zu bestimmen. Ich bewegte mich wie in Trance, während Bach mich quer durch die Bahnhofshalle führte, dann in die breite Treppe nach unten, die zur U-Bahn hinabführte; schnell, und mit sicheren, fast federnden Schritten, aber trotzdem fast ohne mein Zutun. Ich hatte keine Ahnung, was das Schicksal für mich bereithielt. Nach Monaten, in denen ich wie besessen nach der Wahrheit gesucht hatte, die irgendwo dort unten auf mich wartete, hatte ich plötzlich Angst, den letzten Schritt zu tun. Aber ich konnte auch nicht mehr zurück. Die Verlockung war zu gewaltig. Im Grunde hatte ich keine Wahl.

Wir gingen nicht bis zum Bahnsteig hinunter. Bach blieb auf halbem Weg stehen, zog einen kleinen Schlüssel aus der Tasche und öffnete damit die Tür eines Geräteraumes, in dem sich Eimer, Besen, Kanister mit Putzmitteln und andere Utensilien stapelten. Unter der Decke brannte nur eine trübe Glühbirne, die beinahe mehr Schatten als Licht verbreitete. Aber sie hatte ja auch nicht viel zu beleuchten. Der Raum schien kaum groß genug, um uns beiden zusammen Platz zu bieten; einen zweiten Ausgang besaß er natürlich erst recht nicht. Fragend sah ich Bach an.

»Es ist Ihre Entscheidung, John.« Er machte eine einladende Handbewegung.

Ich zögerte ein allerletztes Mal, aber dann trat ich mit einem entschlossenen Schritt ein. Bach folgte mir, schloss pedantisch die Tür und trat dann an eine unauffällige Metallklappe an der gegenüberliegenden Wand, die ich für die Tür eines Sicherungskastens hielt.

Es war ein Sicherungskasten, und die Schalter dahinter waren auch echte, durchaus funktionsfähige Sicherungsautomaten. Aber sie waren auch noch mehr. Bach legte vier oder fünf Schalter in einer bestimmten Reihenfolge um und kippte sie dann alle wieder in die Ausgangsstellung zurück. Zwei Sekunden lang geschah nichts, dann schloss Bach die Klappe, und die Hälfte der Wand, in die der Sicherungskasten eingebaut war, bewegte sich summend nach außen. Dahinter kam eine zweite, aus massivem Metall bestehende Wand zum Vorschein, die sich nach einem kurzen Augenblick beinahe lautlos zur Seite schob.

Es war eine Liftkabine. Fassungslos vor Staunen trat ich hinter Bach ein und sah mich um. Die Kabine war kahl; nackte Metallwände ohne die geringste Unterbrechung, abgesehen von einem einzigen Knopf, auf den Bach nun drückte, und einem darüber angebrachten Telefon ohne Wählscheibe oder Tasten.

Die Tür schloss sich ebenso leise, wie sie sich geöffnet hatte, und die Kabine setzte sich fast ohne spürbare Erschütterung in Bewegung. Allein diese beiden Details verrieten mir mehr über das, was mich möglicherweise erwartete, als Bach vielleicht ahnte. Was ich beobachtete, war das Wirken hochmoderner, sehr teurer Technik.

Da ich die Bewegung der Kabine kaum spürte, konnte ich nicht abschätzen, wie weit wir nach unten fuhren. Aber es war weit. Wir mussten uns tief unter dem Niveau der U-Bahn-Station befinden, als der Lift anhielt und die Tür wieder aufglitt.

Der Anblick verschlug mir die Sprache. Ich hatte viel erwartet, aber nicht das. Vor uns lag ein schier endlos langer Gang, der von Dutzenden großer Neonröhren in taghelles Licht getaucht wurde. Decke, Boden und eine der Seitenwände bestanden aus nacktem, unverkleidetem Beton, während sich an der gegenüberliegenden Seite Fenster an Fenster reihte. Dahinter sah ich hektische Betriebsamkeit und das Blinken zahlloser Lichter, aber Bach gab mir keine Gelegenheit, mehr zu erkennen.

Direkt neben der Fahrstuhltür stand ein niedriger Tisch aus feuerrot lackiertem Kunststoff, hinter dem ein Soldat in einem kurzärmeligen Sommerhemd und weißem Helm saß. Seine Uniform gehörte keiner der mir bekannten Waffengattungen - Army, Air Force oder Navy - an, und die Rangabzeichen auf seinen Schultern hatte ich noch nie gesehen. Ein zweiter, identisch gekleideter Soldat stand mit hinter dem Rücken verschränkten Händen neben dem Schreibtisch. Beide Männer waren mit Maschinenpistolen bewaffnet, und sie sahen nicht so aus, als hätten sie große Hemmungen, von ihnen Gebrauch zu machen.