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»Ihr habt Euch Eure Entscheidung nicht noch einmal überlegt, mein König?«, fragte er.

Oro unterdrückte im letzten Moment eine scharfe Entgegcknung. Resnec wusste so gut wie er, wie seine Antwort ausfallen musste. »Nein«, sagte er. »Ihr wisst es, Resnec, und Ihr kennt auch die Gründe für meine Ablehnung.«

»Und Ihr die für meinen Wunsch«, entgegnete Resnec. Jede Spur von Freundlichkeit war aus seiner Stimme verschwunden, sie klang jetzt kalt, hart und beinahe drohend. Aber eben nur beinahe.

»Vielleicht überlegt Ihr es Euch doch noch einmal«, fuhr der schwarzhaarige Händler nach einer genau bemessenen Pause fort. »Mein Herr wäre sicher bereit sein Angebot zu erhöhen, obwohl es schon jetzt mehr als großzügig ist.«

»Das ist es fürwahr«, bestätigte Oro. »Es liegt nicht am Geld, Resnec, richtet das Eurem Herrn aus. Ich weiß die Großzügigkeit seines Angebotes sehr wohl zu schätzen, aber nicht einmal für die zehnfache Summe …«

»Überlegt es Euch gut, mein König«, unterbrach ihn Resnec. Der drohende Klang in seiner Stimme war jetzt nicht mehr zu überhören. »Mein Herr ist mächtig, mit dem Schwert und mit anderen Waffen. Wir brauchen diesen Wald.«

Oro wusste, dass es besser gewesen wäre, jetzt zu schweigen, aber Resnecs Worte ließen eine Welle heißer, unbezwingbarer Wut in ihm aufsteigen. Wenn er doch nur jünger wäre, nur zwanzig Jahre jünger, um diesem Kerl die Antwort zu geben, die seine Unverschämtheit verlangte: »Um Schiffe daraus zu bauen, ich weiß«, schnappte er. »Kriegsschiffe, die Ihr braucht, um andere Länder zu überfallen. Richtet Eurem König aus, dass alle Macht der Welt mich nicht dazu bewegen wird, auch nur einen einzigen Baum meines Reiches zu verkaufen. Nicht zu diesem Zweck! Und auch zu keinem anderen.« Der letzte Satz, den er hastig hinzufügte, war eine Entschuldigung für den vorhergegangenen und er tat ihm sofort wieder Leid. Wie kam es nur, dass Resnec ihn immer wieder dazu brachte, Dinge zu sagen, die er eigentlich gar nicht sagen wollte? Er, der sonst so beherrscht und überlegt war, dass viele ihn für kalt hielten?

Resnec erbleichte. Seine Lippen pressten sich zu einem schmalen, blutleeren Strich zusammen, sodass sie aussahen wie zwei kleine gerade Narben, die sein Gesicht in zwei ungleiche Hälften teilten.

Und als wäre es ein Omen – oder eine genau im richtigen Moment bestellte Geste –, fauchte in diesem Moment ein Windzug durch das offen stehende Tor und bauschte seinen Mantel, sodass er Resnecs schlanke Gestalt umflatterte wie eine Aura der Finsternis. Für die Dauer eines Atemzuges starrte er Oro mit unverhohlener Wut an, dann fuhr er herum, schwang sich in den Sattel und griff nach dem Zügel. Seine Bewegungen erinnerten Oro plötzlich an die einer großen, nachtfarbenen Fledermaus.

»Ist das Euer letztes Wort?«, fragte er kalt.

Oro nickte. »Mein allerletztes, Resnec. Wir verkaufen kein Holz, um damit Tod und Gewalt an die Küsten fremder Länder zu tragen. Es gibt genug Wälder, die ihr abholzen könnt, auf der anderen Seite der Berge. Genug, um hundert Flotten daraus zu bauen.«

Für einen Moment sah es so aus, als wolle Resnec noch etckwas darauf erwidern, aber dann beließ er es nur bei einem neuckerlichen Verziehen der Lippen, riss mit einem unnötig harten Ruck an den Zügeln seines Pferdes und zwang es, auf der Stelle kehrtzumachen. Das Tier tänzelte nervös und versuchte ausckzubrechen. Aber Resnec brachte es mit einem zweiten, noch brutaleren Ruck zur Räson.

»Wie Ihr wollt, König Oro«, sagte er wütend. »Aber ich kann Euch nicht garantieren, dass sich mein Herr mit dieser Antwort zufrieden gibt.« Die Selbstbeherrschung, die er bisher an den Tag gelegt hatte, zerbröckelte wie eine Gipsmaske, die feucht geworden war, und Oro fragte sich, ob er jetzt vielleicht den wirklichen Resnec darunter sah. Aber nur für einen Moment. Dann begriff er, dass der Zorn, der Resnecs Stimme zittern ließ, in Wahrheit nur Angst war. Aber wovor?

»Richtet Lassar meine Worte aus«, antwortete Oro aufgebracht. »Und sollte er Euch nicht glauben, dann sagt ihm, dass er jederzeit selbst auf meiner Burg willkommen ist, um sie aus meinem eigenen Munde zu hören. Und nun geht, solange Euch die Gesetze der Gastfreundschaft noch schützen.«

Resnec starrte ihn einen Moment lang aus brennenden Augen an. Dann, ohne ein weiteres Wort, stieß er seinem Tier die Sporen in die Flanken und preschte los. Der metallische Klang der Hufschläge wurde zu fernem grollenden Donner, als er auf die Zugbrücke hinausjagte und – ohne sein Tempo auch nur im Mindesten zu mäßigen – den breiten, regendurchweichten Weg zum Waldrand hinunter einschlug.

Oro blickte ihm nach, bis die schwarze Wand der Bäume Pferd und Reiter verschluckt hatte, wie ein Stück Finsternis, das sie ausgespien und nun wieder zu dem gemacht hatte, was es ursprünglich war. Aber selbst jetzt glaubte er noch, seine Nähe zu spüren.

Und obwohl die Luft klar und frisch roch, wie immer nach einem heftigen Regenguss, hatte Oro für Augenblicke das Gefühl, nicht mehr richtig atmen zu können. Resnec war gekommen wie ein böser Geist, der den heiligen Frieden dieser Mauckern störte, und war wie ein solcher nicht wirklich fort, nachdem er gegangen war. Es war, als wäre etwas von der Dunkelheit und Kälte, die den angeblichen Händler wie unsichtbare Schatten begleiteten, in Hochwalden zurückgeblieben. Es würde lange dauern, bis sie ganz verschwanden.

Vielleicht war es nur die Furcht. Resnecs Worte waren keine leere Drohung gewesen, das wusste er. Er würde wiederkommen. Und nicht allein.

»Das war nicht besonders klug«, sagte eine Stimme hinter ihm. Oro runzelte die Stirn, drehte sich um und blickte mit einer Mischung aus Überraschung und Zorn in Faroans Gesicht. Als er aus dem Haus getreten war, war er allein gewesen, und er hatte nicht bemerkt, dass ihm der Magier gefolgt war.

»Wie lange stehst du schon hier und lauschst?«, fragte er zornig, Faroans Worte ganz bewusst ignorierend.

»Lange genug«, erwiderte Faroan, der sich auf seinen langen, in Form einer gewundenen Schlange geschnitzten Magierstab mit dem goldenen Knauf stützte. »Jedenfalls lange genug, deickne letzten Worte gehört zu haben. Sie waren nicht sehr klug gewählt. Resnec ist kein Mann, der ein Nein akzeptiert, und du hast ihn obendrein beleidigt. Er wird wiederkommen.«

Oro setzte zu einer scharfen Antwort an, aber dann fiel ihm ein, dass sie nicht allein waren und die Wachen, die rechts und links des Tores standen, jedes Wort hören konnten. Es war kein Geheimnis, dass Faroan und er sich in letzter Zeit nicht mehr so gut verstanden. Sie gerieten immer öfter aneinander, manchmal aus Gründen, die schlichtweg lächerlich waren, und vielleicht waren sie in Wahrheit nur zwei zänkische alte Männer, die zu lange zusammengelebt hatten, um sich noch zu ertragen, aber auch entschieden zu lange, als dass jeder für sich seiner Wege ginge. Aber das war etwas, was nur sie anging; eine Feindseligkeit besonders intimer Art, von der jeder wissen, die aber niemand erleben durfte. Mit einer schroffen Kopfbewegung wies er zum Haus hinüber und ging los. Faroan folgte ihm, zuerst in zwei, drei Schritten Abstand, holte aber rasch auf, als sie außer Hörweite der Wachen waren.

Oro blieb stehen. Vielleicht war es besser, das, was zu reden war, hier draußen zu bereden. Trotz des Zornes, der noch immer in ihm brodelte, wusste er im Grunde sehr wohl, dass Faroan Recht hatte. Und auch in Hochwalden hatten die Wände Ohren.

»Er wird wiederkommen«, sagte Faroan, übergangslos an das unterbrochene Gespräch anknüpfend. »Und das nächste Mal wird er nicht bitten, sondern fordern.«

»Ich weiß«, antwortete Oro übellaunig. »Und?« Der Zorn auf Resnec, der sich in den letzten Tagen in ihm aufgestaut hatte, drohte sich jetzt auf den Magier zu entladen. Er beherrschte sich nur noch mit Mühe. Seine Hände zitterten, aber diesmal nicht vor Kälte.