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Ich war weder so flexibel noch so abgehärtet wie er, doch nach und nach überwältigte mich die Müdigkeit, und selbst die Neugier auf unsere Zukunft konnte mich nicht mehr wach halten.

Ich erwachte verwirrt. Es war immer noch dunkel. Überall um mich herum erscholl Lärm, Geschrei und Gebell, und das Deck unter mir erzitterte von den Vibrationen stampfender Füße. Ich fuhr hoch und hatte das dumpfe Gefühl, mich auf einem Segelschiff zu befinden, das von Piraten geentert worden war.

Dann klärte sich mein Verstand und mit ihm meine vernebelte Sicht, und ich stellte fest, dass wir tatsächlich von Piraten geentert worden waren. Fremde Stimmen brüllten Flüche, und Stiefeltritte hallten auf dem Deck wider. Jamie war fort.

Ich erhob mich auf alle viere, ohne mich um meine Kleider oder sonst etwas zu kümmern. Es war kurz vor der Dämmerung; es war zwar noch dunkel, aber doch schon so hell, dass die Kabine sich als dunklerer Fleck vor dem Himmel abzeichnete. Ich richtete mich unter Schwierigkeiten auf, indem ich mich auf das Kabinendach stützte, und wurde fast von den Körpern umgeworfen, die plötzlich darüber hinweggeflogen kamen.

Ich nahm ein verschwommenes Durcheinander von Fell und weißen Gesichtern wahr, hörte einen Schrei, einen Schuss und einen entsetzlichen Aufprall, und dann hockte Ian mit aschgrauem Gesicht auf dem Deck über Rollos schnaufendem Körper. Ein Unbekannter rappelte sich zerzaust und ohne Kopfbedeckung auf die Füße.

»Verdammt. Er hat mich fast erwischt.« Dies hatte den Piraten aus der Fassung gebracht, und mit zitternder Hand machte er sich an der Ersatzpistole an seinem Gürtel zu schaffen. Er zielte damit auf den Hund, das Gesicht zu einem hässlichen Schielen verzogen.

»Nimm das, du Arschbeißer!«

Ein größerer Mann erschien aus dem Nichts und schlug mit der Hand die Pistole herunter, bevor der Feuerstein zuschnappen konnte.

»Verschwende deinen Schuss nicht, du Dummkopf.« Er deutete auf Eutroclus und Kapitän Freeman, die gerade zu mir gedrängt wurden, Letzterer unter wortreichen Wutausbrüchen. »Wie willst du sie denn mit einem leeren Schießeisen in Schach halten?«

Der kleinere Mann warf Rollo einen giftigen Blick zu, richtete die Pistole aber auf Freemans Taille.

Rollo gab merkwürdige Geräusche von sich, ein tiefes Grollen, vermischt mit jaulenden Schmerzenslauten, und unter seinem zuckenden Körper sah ich einen feuchten, dunklen Flecken auf den Planken. Ian war tief über ihn gebeugt, und seine Hände streichelten hilflos Rollos Kopf. Er blickte auf, und auf seinen feuchten Wangen glitzerten Tränen.

»Hilf ihm, Tante Claire«, sagte er. »Bitte hilf ihm.«

Ich setzte mich impulsiv in Bewegung, doch der hochgewachsene Mann trat einen Schritt vor und streckte den Arm aus, um mich aufzuhalten.

»Ich will dem Hund helfen«, sagte ich.

»Was?«, sagte der kleine Pirat empört.

Der hochgewachsene Mann war maskiert – sie waren alle maskiert, stellte ich fest, als sich meine Augen an das Zwielicht anpassten. Wie viele waren es? Es war wegen seiner Maske schwer zu sagen, aber ich hatte den deutlichen Eindruck, dass der hochgewachsene Mann lächelte. Er antwortete nicht, doch ein kurzer Ruck seiner Pistole erteilte mir die Erlaubnis.

»Hallo, alter Junge«, sagte ich leise und kniete neben dem Hund nieder. »Nicht beißen, braver Hund. Wo ist er verletzt, weißt du das, Ian?«

Ian schüttelte schniefend den Kopf.

»Auf seiner Unterseite; ich kriege ihn nicht dazu, sich umzudrehen.«

Ich hatte ebenfalls nicht vor, den riesigen Körper des Hundes herumzuhieven. Ich tastete nach dem Puls an seinem Hals, doch meine Finger versanken in Rollos dichtem Pelz und suchten vergebens. Einer Eingebung folgend, hob ich stattdessen sein Vorderbein hoch und tastete es der Länge nach ab, bis meine Finger die Höhlung erreichten, wo das Bein in den Körper überging.

Und da war er auch; ein regelmäßiger Puls, der beruhigend unter meinen Fingern schlug. Aus Gewohnheit begann ich zu zählen, gab es aber schnell auf, da ich keine Ahnung von der normalen Pulsfrequenz eines Hundes hatte. Doch er ging regelmäßig – kein Flattern, keine Arrhythmie, keine Schwäche. Das war ein sehr gutes Zeichen.

Ein weiteres gutes Zeichen war, dass Rollo das Bewusstsein nicht verloren hatte; das lange Bein, das ich mir unter den Ellbogen geklemmt hatte, war gespannt wie eine Sprungfeder, anstatt schlaff vor Schock herunterzubaumeln. Der Hund gab einen langen, gellenden Laut von sich, irgendwo zwischen Jaulen und Heulen, dann begann er, mit den Klauen zu scharren, und entzog mir sein Bein, während er versuchte, sich aufzurichten.

»Ich glaube nicht, dass es schlimm ist, Ian«, sagte ich erleichtert. »Sieh mal, er dreht sich um.«

Rollo stand schwankend auf. Er schüttelte heftig den Kopf, wobei sein struppiges Fell von Kopf bis Fuß zuckte, und ein Schauer von Blutstropfen ging prasselnd auf das Deck nieder. Die großen, gelben Augen fixierten den kleinen Mann mit einem Blick, den auch der Dümmste noch verstand.

»Da! Haltet ihn fest, sonst erschieß ich ihn, ich schwör’s!« Panik und Entsetzen schwangen in der Stimme des Piraten mit, während die Mündung der Pistole unsicher zwischen der kleinen Gefangenengruppe und Rollos zähnefletschender Miene hin- und herschwankte.

Ian, der hektisch sein Hemd geöffnet hatte, riss es sich vom Leib und warf es Rollo über den Kopf, um den Hund vorübergehend auszuschalten. Dieser schüttelte wie verrückt den Kopf und grollte in seiner Falle. Blutflecken erschienen auf dem gelben Leinen – doch jetzt konnte ich sehen, dass sie von einem kleinen Kratzer an der Schulter des Hundes kamen; offensichtlich hatte das Geschoss ihn nur gestreift.

Ian umklammerte ihn entschlossen, zwang Rollo auf die Hinterbeine und brummte dem eingewickelten Hundekopf Befehle zu.

»Wie viele an Bord?« Die scharfen Augen des größeren Mannes richteten sich auf Kapitän Freeman, dessen Mund so fest zusammengepresst war, dass er nur noch wie eine Naht im grauen Pelz eines Gesichts aussah, dann auf mich.

Ich erkannte ihn, erkannte seine Stimme. Er musste es an meinem Gesicht gesehen haben, denn er hielt einen Moment inne, ruckte dann mit dem Kopf und ließ das Tuch vor seinem Gesicht fallen.

»Wie viele?«, fragte Stephen Bonnet noch einmal.

»Sechs«, sagte ich. Es gab keinen Grund, nicht zu antworten; ich sah Fergus mit erhobenen Händen am Ufer, während ein dritter Pirat ihn mit erhobener Pistole zum Schiff dirigierte; Jamie war neben mir aus der Dunkelheit aufgetaucht und machte ein grimmiges Gesicht.

»Mr. Fraser«, sagte Bonnet liebenswürdig bei seinem Anblick. »Was für ein Vergnügen, unsere Bekanntschaft zu vertiefen. Aber hattet Ihr nicht noch einen weiteren Begleiter, Sir? Den einarmigen Herrn?«

»Nicht hier«, erwiderte Jamie kurz.

»Ich gehe nachsehen«, brummte der kleine Pirat und wandte sich zum Gehen, doch Bonnet bremste ihn mit einer Handbewegung.

»Also, du willst doch nicht das Wort eines Herrn wie Mr. Fraser anzweifeln? Nein, du passt auf diese feinen Herrschaften hier auf, ich werde mich umsehen.« Er nickte seinem Begleiter zu und verschwand.

Die Sorge um Rollo hatte mich kurzfristig von dem Lärm am anderen Ende des Bootes abgelenkt. Aus der Kabine erklangen Geräusche der Zerstörung. Mir fiel meine Medizinkiste ein, und ich sprang auf die Füße.

»He! Wo wollt Ihr hin? Halt! Ich schieße!« In der Stimme des Piraten klang Entschlossenheit mit, aber auch Unsicherheit. Anstatt stehenzubleiben und mich zu ihm umzudrehen, duckte ich mich in die Kabine, wo ich auf einen vierten Piraten prallte, der in der Tat in meiner Medizinkiste herumwühlte.

Durch die Kollision stolperte ich zunächst rückwärts, doch dann ergriff ich mit einem Schrei der Empörung seinen Arm. Er hatte achtlos Schachteln und Fläschchen geöffnet, den Inhalt ausgeschüttet und sie zu Boden geworfen; ein Durcheinander von Flaschen, viele davon zerbrochen, lag zwischen den verstreuten Überbleibseln von Dr. Rawlings’ Arzneisammlung.