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Sie gelangten an den Rand des Teiches und gingen am Ufer entlang auf das Gebäude zu. Schwärme von flinken, kleinen Fischen tummelten sich in dem durchsichtigen kristallklaren Wasser, und lange Gräser schwankten träge auf dem Grund des Teiches.

»Wie spät ist es auf Ihrer Uhr, Jura? Ich habe mein Chronometer vergessen . . .«

»Sieben Uhr vierundfünfzig«, antwortete der junge Mann.

»Wenn der Park um acht Uhr geöffnet wird, dann werden wir jetzt den Bewohnern des Zehnten begegnen«, sagte langsam der Gelehrte, etwas überlegend. »Wer sind sie? Wir haben noch Zeit zur Verfügung, um das zu erwägen . . . Was glauben. Sie?«

Jura blickte auf den Palast.

»Affen wären kaum imstande, ein solches Gebäude zu errichten«, meinte er unsicher.

Sie gelangten an den Rand des Teiches und gingen am Ufer entlang auf das Gebäude zu.

»Ihre Auffassungsfähigkeit macht Fortschritte«, sagte gutheißend der Gelehrte. »Die Affen würden sich auch kaum an den Filmen ergötzen, welche sie entlarven. Erinnern wir uns daran, daß wir berechtigt sind, bei jedem Experiment unter gleichen Bedingungen die gleichen Resultate zu erwarten; besser gesagt, ungefähr die gleichen . . . Es ist schwer, die absolute Identität zu erzielen . . . Im Grunde genommen, wenn der Zehnte ein Double des Dritten ist, dann . . . verstehen Sie meinen Gedankengang?«

»Vollkommen!« fiel ihm Jura freudig ins Wort. »Auf dem Zehnten — — sind Menschen.«

»Richtig, Jurissimus. Nämlich die, die wir im Stadium der Sklaverei gesehen haben. Die Filme dort auf dem Dreieck . . . sind historische Dokumente, mein Freund . . . Aber vielleicht irre ich mich . . . Nun sind wir an dem Palast angelangt.«

»Wollen wir hineingehen?« fragte Jura, als der Gelehrte haltmachte.

Eine breite Treppe lag vor ihnen. Eine Reihe von Säulen verdeckte die schneeweißen Wände.

»Wir brauchen uns nicht zu beeilen«, meinte der Gelehrte.

Er betrachtete aufmerksam das Schild, das an einem silbernen Pfeiler befestigt war. Inmitten der welligen Linien auf ihm waren farbige konzentrische Kreise gezeichnet.

»Zuerst gehen wir um den Palast herum«, sagte der Gelehrte in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ. Er wies mit der Hand auf einen Zwischenraum zwischen den Bäumen. »Gehen wir also.«

Plötzlich sah er, daß Juras Gesicht vor Schrecken entstellt war.

»Wo ist Ihre Hand?« flüsterte Jura.

Der Gelehrte schaute hin und erblaßte — die Hand war nicht da.

XVIII

Es dauerte Sekunden. Der Gelehrte spürte seine Hand, aber er sah sie nicht. Die Hand war verschwunden, als ob sie in Dunkel gehüllt wäre; aber von Dunkel war keine Rede.

Der Gelehrte zog die ausgestreckte Hand zurück und drückte sie fest an seine Brust. Die Hand war wieder da, seine eigene, echte Hand.

Er streckte wieder die Hand aus, und sie verschwand, wurde unsichtbar.

»Uh, uh«, knurrte der Gelehrte. »Ausgezeich . . .« — mit voller Wucht, als ob er sich in kaltes Wasser stürzte, streckte er auch die andere Hand aus; sie verschwand auch — ». . . net. Entzückend«, murmelte er. »Jurissimus, wachen Sie auf . . . Habe ich eine Ähnlichkeit mit der Venus von Milo?«

Er zog die Hände aus dem Raum zurück und umarmte lachend Jura.

»Ein kleiner Trick des Verschwindens. Auf Wiedersehn. In Ihren Mußestunden überlegen Sie sich die physische Grundlage des rätselhaften Vorganges«, und, den verdutzten Jura zurückstoßend, schritt er rasch vorwärts.

»Hallo . . . wo bin ich?«

Drei Schritte von ihm entfernt sah er den sich hilflos umsehenden Jura.

»Ich sehe Sie nicht, Michail Sergejewitsch . . .«

»Schreiten Sie über die dunkelblaue Linie auf dem Boden hinweg, Jurissimus«, lachte der Gelehrte, »dann werden Sie mich schon sehen.«

Jura schritt vorwärts und gelangte jenseits der Linie.

»Ich sehe Sie!« rief er aus, auf den Gelehrten blickend.

»Und jetzt treten Sie zurück«, sagte dieser.

»Ich sehe Sie nicht!« schrie Jura, indem er über die Linie zurückgetreten war.

Einige Zeit amüsierten sie sich mit dieser kleinen Entdeckung.

»Alles ist verständlich«, meinte schließlich der Gelehrte. »Für die Kinder wäre das ein richtiger Spaß! Und doch, was für eine einfache Erfindung. Ich werde es später erklären. Gehen wir weiter.«

Nachdem sie um den Palast herumgegangen waren, sahen sie eine geöffnete Tür. Die Stufen, die zu ihr führten, waren ausgetreten. Augenscheinlich gab es hier ständig viele Besucher.

»Gehen wir hinauf, Jurissimus?« fragte mutig der Gelehrte. »Halten Sie sich auf jeden Fall an meiner Hand fest. Falls wir in die Hölle geraten, dann wenigstens zusammen . . .«

In dem großen dämmrigen Saal umgab sie eine feierliche Stille. Einander an den Händen haltend, bewegten sie sich langsam vorwärts.

Kaum hörbar knirschte eine Fliese unter dem Gewicht ihrer Schritte. Dann ertönte von irgendwo oben eine zarte, leise Musik. Sie hoben ihre Augen und erstarrten.

Der feine, blaue Kelch des Himmels, mit wunderlichen Mustern aus winzigsten Sternen besät, wölbte sich über ihnen. Die Muster bewegten sich; sie verbanden sich zu Knoten, lösten sich wieder und schwammen in einem unendlichen Strom.

Aus der Unzahl der Punkte sondert sich einer ab. Aus der blauen Unendlichkeit erstrahlte er in einem matten, gelblichen Licht. Er hing im Raum, sich vergrößernd, als ob eine Bernsteinbeere sich mit strahlendem, durchsichtigem Saft füllte. Man konnte bemerken, wie um ihn zehn Stäubchen leuchteten und kreisten, bald verschwindend, bald wieder auftauchend.

»Das ist ein Modell!« flüsterte der Gelehrte begeistert. »Das ist ein Planetarium! . . .«

Er hörte, wie Jura darauf etwas antwortete, und faßte dessen Hand fester . . .

»Die Milchstraße . . . schauen Sie . . . unsere Sonne — einer von den Sternen, aus denen sich diese Sternanhäufungen — Galaxis — zusammensetzen . . . Und um die Sonne herum . . .«

»Zehn Planeten, Michail Sergejewitsch!« rief Jura. »Beachten Sie, hier wird uns die Bewegung des Galaktischen Stromes nach zwei entgegengesetzten Spiralen gezeigt. Außerdem hat man die Zentralanhäufung der Galaxis auch in Querschnitte zerlegt.«

»Ich sehe. Es ist erstaunlich!«

Die Sonne ging in der Menge der leuchtenden Krümelchen verloren. Die Musik verstummte. Auf der gegenüberliegenden Seite ging wie von selbst eine Tür auf . . . Durch sie war die ihnen bekannte Fläche des Teiches zu sehen.

»Die Vorstellung ist aus, Jurissimus. Wollen wir uns aus dem Staube machen? Wir haben doch keine Eintrittskarten gelöst . . .«

Die Strahlen der heißen Morgensonne wurden von dem Wasser reflektiert. Solnzew und Jura traten auf die Terrasse. Der Gelehrte erkannte in der Ferne die goldenen Fußwege und die Brücke über den Fluß. Leise bewegten sich die Baumkronen.

Die Dunkelheit brach so schnell herein, daß der Gelehrte nicht gleich erfaßte, was da geschah. Graue Schatten liefen ungebändigt hintereinander her, wie von einem bösen Zauberer gejagt. Ein Windstoß tönte dumpf wie eine Sirene. Unerwartet flammten die Sterne auf. Die Wega strahlte besonders stark. Über dem weiten Wäldchen stand der Polarstern mit dem Bären.

»Eine Sonnenfinsternis, Michail Sergejewitsch«, sagte Jura.

»Eine Null mit drei Minuszeichen ist noch zuviel für Ihr Benehmen!« flüsterte unheilverkündend der Gelehrte. »Hätten Sie wenigstens eine ‚Leica‘ mitgenommen oder irgendeine verrußte Scheibe . . . Eine Finsternis vom Zehnten aus beobachtet . . . Unerhört ist das! Aber er nimmt Butterbrote und Äpfel mit. Treten Sie weg von mir! Ich kann nicht für mich garantieren . . .«

Gehorsam trat Jura auf einige Entfernung zurück. Wütend suchte der Gelehrte in seinen Taschen. Es schien, als habe er dort irgend etwas Passendes gefunden, um die Finsternis zu beobachten, etwa ein Stück violetten Glases. Aber nichts war mehr zu sehen.