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Die Stimme wurde lauter. »Andrew! Bist du taub?«

Tanner rief ihn. Andrew rappelte sich auf und ging in das Büro seines Bruders.

Tanner blickte auf. »Ich hoffe, ich habe dich nicht bei deiner Arbeit gestört«, sagte er spöttisch.

»Nein, ich habe bloß .«

Tanner musterte seinen Bruder einen Moment lang. »Eigentlich bist du zu gar nichts nütze, nicht wahr, Andrew? Du leistest nichts, du bringst nichts. Ich finde es gut, dass ich jemanden habe, mit dem ich reden kann, aber ich bin mir nicht recht darüber im Klaren, wie lange ich dich noch um mich haben will.«

Kelly traf vor Diane in Denver ein und stieg im noblen Brown Palace Hotel ab.

»Eine Freundin von mir trifft heute Nachmittag ebenfalls hier ein.«

»Möchten Sie zwei Zimmer?«

»Nein, ein Doppelzimmer.«

Als Dianes Maschine am Denver International Airport landete, nahm sie sich ein Taxi und fuhr zum Hotel. Sie nannte an der Rezeption ihren Namen.

»O ja, Mrs. Stowe erwartet Sie bereits. Sie ist in Zimmer 638.«

Diane vernahm es mit Erleichterung.

Kelly wartete schon auf sie. Sie schlossen einander in die Arme.

»Ich habe Sie vermisst.«

»Ich habe Sie ebenfalls vermisst. Wie war der Flug?«, fragte Kelly.

»Ohne Zwischenfälle. Gott sei Dank.«

Diane schaute sie an und sagte: »Wie ist es Ihnen in Paris ergangen?«

Kelly holte tief Luft. »Tanner Kingsley wollte mich umbringen lassen. Und wie war es in Berlin?«

»Das Gleiche«, erwiderte Diane tonlos.

Kelly ging zum Tisch, holte das Telefonbuch und begann darin zu blättern. »Lois Reynolds, Garys Schwester, steht im Telefonbuch. Sie wohnt an der Marion Street.«

»Gut.« Diane warf einen Blick auf ihre Uhr. »Heute Abend ist es zu spät, um noch irgendwas zu unternehmen. Morgen in aller Frühe gehen wir hin.«

Sie nahmen das Abendessen auf ihrem Zimmer zu sich, redeten bis Mitternacht miteinander und machten sich dann bettfertig.

»Gute Nacht«, sagte Diane und streckte die Hand nach dem Lichtschalter aus. Das Zimmer wurde in Dunkelheit getaucht.

»Nein!«, schrie Kelly. »Mach das Licht an.«

Diane schaltete sofort die Lampe wieder an. »Tut mir Leid, Kelly. Ich hab’s vergessen.«

»Ich hatte früher immer Angst vor der Dunkelheit, bis ich Mark kennen lernte. Und seit er umgebracht wurde ...« Kelly schnappte nach Luft und versuchte, ihre Panik zu unterdrücken. Dann atmete sie tief durch. »Ich wünschte, ich könnte es überwinden.«

»Machen Sie sich darum keine Sorgen. Wenn Sie sich wieder sicher fühlen, werden Sie es schaffen.«

Als Diane und Kelly am nächsten Morgen aus dem Hotel kamen, stand eine Reihe Taxis vor dem Eingang. Die beiden Frauen stiegen in den ersten Wagen, und Kelly nannte dem Fahrer die Nummer von Lois Reynolds’ Haus an der Marion Street.

Fünfzehn Minuten später hielt der Fahrer am Straßenrand. »Da wären wir.«

Kelly und Diane starrten entgeistert aus dem Fenster. Sie blickten auf die geschwärzten Überreste eines Hauses, das bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Nur mehr Asche, verkohlte Holztrümmer und das eingelassene Betonfundament waren übrig geblieben.

»Diese Mistkerle haben sie umgebracht«, sagte Kelly. Sie warf Diane einen verzweifelten Blick zu. »Hier kommen wir nicht mehr weiter.«

Diane dachte nach. »Doch, ich glaube, es gibt noch eine letzte Chance.«

Ray Fowler, der mürrisch wirkende Direktor des Flughafens von Denver, betrachtete Kelly und Diane mit finsterer Miene. »Mal sehen, ob ich das recht verstanden habe. Sie beide wollen einen Flugzeugabsturz untersuchen, und zwar ohne jede Vollmacht, und ich soll dafür sorgen, dass Sie den Fluglotsen befragen können, der seinerzeit Dienst hatte, damit er Ihnen ein paar vertrauliche Auskünfte gibt? Habe ich das richtig verstanden?«

Diane und Kelly warfen sich einen kurzen Blick zu.

»Na ja«, sagte Kelly, »wir hatten gehofft .«

»Was hatten Sie gehofft?«

»Dass Sie uns helfen würden.«

»Warum sollte ich das tun?«

»Mr. Fowler, wir möchten nur sichergehen, dass Gary Reynolds tatsächlich durch einen Unfall umgekommen ist.«

Ray Fowler musterte sie eingehend. »Das ist ja interessant«, sagte er. Er saß einen Moment lang versonnen da, dann ergriff er wieder das Wort. »Ich habe viel über diese Sache nachgedacht. Vielleicht sollten Sie tatsächlich mal mit Howard Miller darüber sprechen. Er war der Dienst habende Fluglotse, als der Unfall passiert ist. Hier ist seine Adresse. Ich rufe ihn an und sage ihm Bescheid, dass Sie vorbeikommen.«

»Vielen Dank. Das ist sehr freundlich«, sagte Diane.

»Ich mache das nur deshalb«, knurrte Ray Fowler, »weil der Untersuchungsbericht der Flugaufsichtsbehörde meiner Meinung nach Blödsinn ist. Wir haben die Überreste der Maschine gefunden, aber seltsamerweise fehlte die Black Box. Sie ist einfach verschwunden.«

Howard Miller wohnte in einem kleinen, mit gelbbraunem Mörtel verputzten Haus rund zehn Kilometer vom Flughafen entfernt. Er war ein kleiner, lebhafter Mann um die vierzig. Er öffnete die Tür, noch ehe Diane und Kelly klingelten.

»Kommen Sie rein. Ray Fowler hat mir mitgeteilt, dass Sie kommen. Was kann ich für Sie tun?«

»Wir würden gern mit Ihnen reden, Mr. Miller.«

»Nehmen Sie Platz.« Sie setzten sich auf die Couch.

»Möchten Sie einen Kaffee?«

»Nein danke.«

»Sie sind wegen Gary Reynolds’ Absturz hier.«

»Ja. War es ein Unglücksfall oder ...?«:

Howard Miller zuckte die Achseln. »Ich weiß es beim besten Willen nicht. In all den Jahren, die ich hier schon arbeite, habe ich so was noch nie erlebt. Alles lief völlig plangemäß. Gary Reynolds bat über Funk um Landeerlaubnis, und wir haben sie erteilt. Dann, als er nur noch zwei Meilen entfernt war, meldete er, dass er in einen Hurrikan geraten sei. Einen Hurrikan! Auf unserem Wetterradar war nichts zu sehen. Später habe ich mich beim Wetteramt erkundigt. Zum fraglichen Zeitpunkt herrschte kein Wind. Ehrlich gesagt, dachte ich, er wäre betrunken oder unter Drogeneinfluss. Und im nächsten Moment ist er dann an einer Bergflanke zerschellt.«

»Meines Wissen hat man die Black Box nicht gefunden«, sagte Kelly.

»Das kommt hinzu«, entgegnete Howard Miller nachdenklich. »Alles andere haben wir gefunden. Aber was ist aus der Black Box geworden? Die verdammte Flugaufsicht kam her und dachte, wir hätten uns mit unseren Aufzeichnungen vertan. Die wollten uns nicht glauben, als wir ihnen berichtet haben, was vorgefallen war. Kennen Sie das Gefühl, wenn man regelrecht spürt, dass irgendetwas nicht stimmt?«

»Ja.« »Ich habe das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, aber ich kann Ihnen nicht sagen, was. Tut mir Leid, dass ich Ihnen nicht weiterhelfen kann.«

Enttäuscht standen Diane und Kelly auf. »Tja, trotzdem vielen Dank, Mr. Miller. Wir sind Ihnen sehr verbunden.«

»Keine Ursache.«

Als Miller die beiden Frauen zur Tür begleitete, sagte er:

»Ich hoffe, Garys Schwester kommt wieder auf die Beine.«

Kelly blieb stehen. »Was?«

»Sie liegt im Krankenhaus, müssen Sie wissen. Das arme Ding. Ihr Haus ist mitten in der Nacht abgebrannt. Die Ärzte wissen noch nicht, ob sie durchkommt.«

Diane erstarrte. »Was ist passiert?«

»Die Feuerwehr nimmt an, dass der Brand durch einen Kurzschluss verursacht wurde. Lois konnte sich aus der Tür in den Vorgarten schleppen, aber als die Feuerwehrmänner zu ihr kamen, war sie in ziemlich schlechter Verfassung.«