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Und die Pracht des Bunkers selbst.

Jeden Nachmittag, sobald er zu Hause war, war er hinuntergegangen, tief unter die Oberfläche, umhüllt und beschützt von der stählernen Stille, so wie am ersten Tage. Nun war die Kammer eingerichtet, nicht mehr leer. Versehen mit zahllosen Konserven, Betten, Büchern, Video- und Tonbändern, Bildern an den Wänden, weichen Stoffen und hellen Farben, selbst mit Blumenvasen. Der Bunker war sein Zufluchtsort, wo er sich zusammenrollen konnte und alles in der Nähe hatte, was er benötigte.

Um das Vergnügen solange wie möglich vorab auszukosten, eilte er durch das Haus und wühlte noch eine Weile in seiner Tonband-Sammlung. Er würde bis zum Abendessen unten im Bunker sitzen und sich Wind in the Willows anhören. Seine Eltern wußten, wo sie ihn suchen mußten; er hielt sich immer dort unten auf. Zwei Stunden ununterbrochener Glückseligkeit, allein mit sich selbst im Bunker. Und wenn er mit dem Abendessen fertig war, dann würde er wieder nach unten hasten und dort solange bleiben, bis es Zeit zum Schlafen wurde. Irgendwann spät in der Nacht, wenn seine Eltern fest schliefen, stand er oft leise auf und ging nach draußen, zu dem Bunkerstutzen, hinunter in die stille Tiefe. Um dort bis zum Morgen zu bleiben.

Er fand das gesuchte Tonband und lief durch das Haus hinaus auf die Veranda und in den Hinterhof. Der Himmel war von einem düsteren Grau, durchsetzt mit häßlichen schwarzen Wolkenfetzen. Die Lichter der Stadt blitzten hier und da auf. Im Hof war es kalt und feindlich. Unsicher ging er die Stufen hinunter - und erstarrte.

Vor ihm gähnte ein riesiges Loch. Ein klaffendes Maul, bedrohlich und zahnlos, gegen den Nachthimmel aufgesperrt. Sonst gab es nichts. Der Bunker war fort.

Endlose Zeit stand er da, hielt das Band mit einer Hand umklammert, während er sich mit der anderen am Verandageländer festhielt. Es wurde nun völlig finster, und das gewaltige Loch verschwand in der Dunkelheit. Die ganze Welt zerbrach in Stille und völlige Düsternis. Matt leuchteten dann einige Sterne; in den nahegelegenen Häusern flammten ein paar Lampen auf, und ihr Schein war kalt und schwach. Der Junge sah nichts. Er stand bewegungslos da, sein Körper zu Stein erstarrt, und er blickte noch immer in Richtung der großen Grube, wo sich der Bunker befunden hatte.

Plötzlich stand sein Vater neben ihm. „Wie lange bist du schon hier?" fragte sein Vater. „Wie lange, Mike? Antworte mir!"

Mühsam rang Mike seine Betäubung nieder. „Du bist heute früher gekommen", murmelte er.

„Ich bin absichtlich früher aus dem Geschäft fortgegangen. Ich wollte hier sein, wenn du... nach Hause kommst."

„Er ist fort."

„Ja." Die Stimme seines Vaters war kalt, ausdruckslos. „Der Bunker ist fort. Es tut mir leid, Mike. Ich habe sie angerufen und ihnen gesagt, sie sollen ihn zurücknehmen."

„Warum?"

„Ich konnte ihn mir nicht mehr leisten. Dieses Weihnachten kauft jeder nur die Gitter. Ich konnte damit nicht konkurrieren. Sie waren verdammt anständig. Sie haben mir die

Hälfte der Anzahlung zurückerstattet." Seine Stimme erhielt einen ironischen Unterton. „Ich wußte, wenn ich die Sache vor Weihnachten mit ihnen abmachte, würde ich billiger davonkommen. Jetzt können sie den Bunker noch immer loswerden."

Mike sagte nichts.

„Versuch doch zu verstehen", fuhr sein Vater barsch fort. „Ich mußte alles Kapital, das ich zusammenkratzen konnte, in das Geschäft stecken. Es muß weiterlaufen. Entweder mußte ich den Bunker oder das Geschäft aufgeben. Und wenn ich das Geschäft aufgegeben hätte..."

„Dann hätten wir gar nichts mehr."

Sein Vater ergriff ihn am Arm. „Dann hätten wir auch den Bunker aufgeben müssen." Seine dünnen, kräftigen Finger gruben sich schmerzhaft in Mikes Arm. „Du bist fast schon erwachsen - du bist alt genug, um das zu verstehen. Später werden wir uns einen neuen anschaffen, vielleicht nicht den größten, teuersten, aber einen, der auch seinen Zweck erfüllen wird. Es war ein Fehler, Mike. Ich konnte ihn mir nicht mehr leisten, vor allem jetzt nicht mehr, wo ich mir auch noch dieses gottverdammte Gitter hätte besorgen müssen. Trotzdem werde ich weiter meine Gebühren für die NATS entrichten. Und auch für deine Schulbunkerkarte. Ich lasse das weiterlaufen. Es geht mir nicht mehr ums Prinzip", schloß er verzweifelt. „Ich konnte nicht anders handeln. Verstehst du das, Mike? Ich mußte es tun.“

Mike riß sich los.

„Wo willst du hin?" Sein Vater eilte ihm nach. „Komm zurück!" Ungeschickt griff er nach seinem Sohn, aber in der Finsternis stolperte er und stürzte. Sterne flimmerten vor seinen Augen, als er mit den Kopf gegen die Hauskante fiel; mühsam, nach einem Halt tastend, kam er wieder auf die Beine.

Als er wieder deutlich sehen konnte, war der Hof leer.

Sein Sohn war fort.

„Mike!" schrie er. „Wo bist du?"

Er erhielt keine Antwort. Der Nachtwind blies ihm Schneegestöber ins Gesicht, und die Luft war dünn und frostig. Wind und Dunkelheit umhüllte ihn, sonst war alles leer.

Bill O'Neill warf der Wanduhr einen müden Blick zu. Es war neun Uhr dreißig; endlich konnte er die Türen schließen und das weitläufige, glitzernde Geschäft verlassen, die drängelnden, murmelnden Käuferscharen nach draußen scheuchen und selber auch heimgehen.

„Gott sei Dank", seufzte er, als er der letzten alten Dame, die mit Päckchen und Geschenken beladen war, die Tür aufhielt. Er legte den Kode-Riegel vor und zog die Jalousie herunter. „Was für ein Gedränge. Niemals zuvor habe ich so viele Menschen auf einem Haufen gesehen."

„Alles erledigt", rief ihm AI Conners von der Registrierkasse zu. „Ich werde die Einnahmen zählen - du kannst deinen Rundgang machen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist und wir auch jeden hinausbefördert haben."

O'Neill strich sein blondes Haar zurück und lockerte seine Krawatte. Genüßlich setzte er eine Zigarette in Brand, wobei er sich erst für eine Weile in einem bequemen Sessel niederließ. Erst dann ging er durch das Geschäft, schaltete die Lampen und die großen GEC-Ausstellungsstücke und Zubehörteile aus. Schließlich erreichte er den großen Bombenbunker, der sich im Zentrum des Ausstellungsraums erhob.

Er stieg die Leiter zum Schachteingang hinauf und betrat den Lift. Die Kabine fiel mit einem Ssssss nach unten, und einen Augenblick später befand er sich in dem höhlenähnlichen Inneren des Bunkers.

In einer Ecke hatte sich Mike Foster zusammengekauert, die Knie bis an sein Kinn angezogen, die knochigen Arme um die Fußknöchel geschlungen. Er hielt das Gesicht gesenkt; nur sein zerzaustes braunes Haar war zu sehen. Er bewegte sich nicht, als der Verkäufer verwirrt auf ihn zutrat.

„Jesus!" stieß O'Neill hervor. „Da ist schon wieder dieser Bursche!"

Mike sagte nichts. Er zog die Beine noch fester an und versteckte seinen Kopf so tief wie möglich.

„Was, zum Teufel, treibst du hier unten?" fragte O'Neill überrascht und wütend. Seine Empörung wuchs. „Ich dachte, deine Leute hätten sich eines von diesen Dingern zugelegt." Dann fiel es ihm wieder ein. „Oh, stimmt ja. Wir mußten ihn ja wieder zurücknehmen."

AI Conners kam mit dem Lift herunter. „Was machst du da so lange? Komm, gehen wir nach oben und..." Er entdeckte Mike und verstummte für einen Moment. „Was treibt der denn hier? Wirf ihn raus und komm endlich."

„Komm schon, Junge", sagte O'Neill freundlich. „Es ist Zeit für dich, nach Hause zu gehen."

Mike rührte sich nicht.

Die beiden Männer sahen sich an. „Ich schätze, wir müssen ihn wohl hinaustragen", erklärte Conners grimmig. Er zog seinen Mantel aus und legte ihn über eine Dekontaminationsmaschine. „Also los. Bringen wir es hinter uns."

Sie mußten sich beide anstrengen. Der Junge wehrte sich verzweifelt, schweigend, kratzte und trat und schlug um sich, biß und spuckte die ganze Zeit. Halb zerrten und halb trugen sie ihn zur Liftkabine und hielten ihn dort lange genug fest, daß sich der Mechanismus einschaltete. O'Neill fuhr mit ihm hinauf; Conners folgte ihm gleich danach. Grimmig, unnachgiebig schoben sie den Jungen zum Ausgang, warfen ihn hinaus und legten hinter ihm den Riegel vor.