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Noch immer niemand zu sehen!

Hector sprintete in den riesigen Gewölbesaal und rannte schnurstracks zur Kommandokonsole. Er war gerade dabei, die notwendigen Einstellungen vorzunehmen, als die Deckenbeleuchtung in dem großen Raum aufflammte.

Aus allen Türen quollen weißbehelmte Wachen mit gezogenen Waffen. Ein Bildschirm hoch oben an der Wand leuchtete auf, und ein wütender Mann mit kahlem Rundschädel brüllte:

»Da ist er! Schnappt ihn!«

Bevor Hector reagieren konnte, spürte er den flammenden Schmerz eines Lähmungsstrahlers und wurde gegen die Kontrollkonsole geschleudert. Während er zu Boden sank und das Bewußtsein verlor, hörte er noch Kors Befehclass="underline"

»Und jetzt nehmt ihr die Verräter fest, die ihm geholfen haben. Wer Widerstand leistet, wird erschossen!«

Hector dröhnte der Schädel. Er bekam die Augenlider nur zur Hälfte auf. Er schien in einer winzigen dunklen Zelle zu sitzen, um sich herum Metallwände, vor sich einen leeren Bildschirm. Irgend etwas befand sich auf seinem Kopf, etwas anderes war um seine Brust geschnallt. Seine Hände konnte er nicht sehen; sie lagen auf seinem Schoß, und sein Kopf ließ sich nicht weit genug vorbeugen. Auch seine Hände verweigerten ihm den Dienst, trotz aller Willensanstrengung.

Er hörte Stimmen. Ob sie außerhalb der Zelle oder in seinem Kopf erklangen, konnte er nicht sagen.

»Was meinen Sie damit, nichts? Er muß doch irgendwelche Gedanken in seinem Kopf haben!«

»Ja, Minister Kor, hat er auch. Aber sie sind so ziellos, so verworren, so… so zufällig… solch ein Gehirn ist mir noch nie untergekommen. Ich begreife nicht, wie dieser Mensch aufrecht gehen kann, ganz zu schweigen von logischem Denken.«

»Er ist ein natürlicher Telepath«, unterbrach ihn Kors barsche Stimme. »Vielleicht verbirgt er seine wahren Gedanken vor Ihnen?«

»Bei den Drogen, die wir ihm verabreicht haben? Unmöglich.«

»Vielleicht ist er immun gegen die Drogen.«

»Nein, das kann nicht sein. Seine körperlichen Reaktionen beweisen, daß ihn die Drogen fast vollständig gelähmt haben.«

Eine neue Stimme meldete sich. »Der Monitor zeigt an, daß die Wirkung der Drogen nachläßt; er ist dabei, das Bewußtsein wiederzuerlangen.«

»Geben Sie ihm noch eine Dosis«, befahl Kor.

»Noch mehr Drogen? Das könnte fatale Nachwirkungen haben… vielleicht sogar tödliche.«

»Muß ich mich wiederholen? Der Watchman ist ein natürlicher Telepath. Wenn er in der Duellmaschine sein volles Bewußtsein erlangt, kann er jeden Moment teleportieren. Die Konsequenzen daraus werden tödlich sein… für Sie!«

Hector versuchte die Augen aufzubekommen, aber die Lider schienen verklebt zu sein. In der Duellmaschine! Wenn ich mich zusammenreißen kann, bevor sie mich wieder narkotisieren… Seine Hände wogen mindestens zweihundert Kilo, und seinen Kopf konnte er noch immer nicht bewegen. Aber durch seine halboffenen Augenlider bemerkte er, daß der Bildschirm unmerklich glomm, obwohl er leer war. Die Maschine lief also. Sie haben versucht meine Gedanken zu lesen, dämmerte es ihm.

»Hier ist die Spritze, Doktor«, sagte eine andere Stimme. »Schon aufgezogen.«

Verzweifelt suchte Hector sein schläfriges Gehirn auf Touren zu bringen. Konzentriere dich auf Acquatainia, befahl er sich. Konzentrieren! Aber schon hörte er näher kommende Schritte.

Und dann schien sein Kopf zu explodieren. Sein Körper verwandelte sich in ein zuckendes Nervenbündel, als eine Flut fremder Gedanken ihn überschwemmte.

Gerade hatte Odal noch in der acquatainischen Duellmaschine gesessen und an Geri Dulaq gedacht. Im nächsten Augenblick wußte er, daß er in Kerak war und daß sich noch jemand in der Kabine befand. Hector! Sein Geist lag wie aufgeschlagen vor ihm wie ein Buch. Ein blendender Blitz wie die Explosion einer Supernova erschütterte jede einzelne Faser von Odals Körper. Zwei Seelen, zwei Gehirne, einander völlig und rückhaltlos preisgegeben, verstärkt und verbunden durch die Duellmaschine, verschmolzen unauflöslich miteinander. Jeder Nerv, jeder Muskel im Körper der beiden krümmte sich zuckend, als seien hunderttausend Volt an ihn angelegt.

Odal! dachte Hector. Er konnte in Odals Hirn lesen, als sei es sein eigener Kopf. Auf eine seltsame Art, wie bei einer Doppelbelichtung, war er Odal… war er Hector und gleichzeitig Odal. Und Odal, dessen Geist sich mit Hectors Geist vereint hatte, wurde zu Hector.

Hector sah endlose Reihen von Kadetten in schweren grauen Uniformen marschieren, spürte das Gewicht des unbequemen Tornisters, der feldmäßigen Ausrüstung, schwitzte unter der glühenden Sonne.

Odal spürte die Erregung eines Jungen, der zum ersten Mal im Leben ein Raumschiff sieht, wie es majestätisch abhebt und sich in die Höhe schraubt.

Jetzt rannte Hector durch die schmalen Gassen einer pittoresken Stadt, rannte mit einem Dutzend junger Burschen in braunen Uniformen, knüppelschwingend, brüllend; schlug Scheiben an bestimmten Läden und Häusern ein, wo nur wenige Minuten zuvor ein primitives Symbol aufgemalt worden war. Und wenn jemand auf die Straße kam und protestieren wollte, schlugen sie ihn zusammen.

Odal sah einen Star-Watch-Ausbilder fassungslos den Kopf schütteln über seine/Hectors verzweifelten Versuche, die Brücke eines Trainingsschiffs zu befehligen.

In Hab-Acht-Stellung, das Gesicht eine grimmig-entschlossene Maske, während der Führer vor einer halben Million Soldaten und Zivilisten eine flammende Ansprache hält zum Jahrestag seiner Machtübernahme.

Hinter älteren Jungen herlaufend, Bitten und Betteln, daß sie dich bei ihren Spielen mitmachen lassen; aber sie sagen, du bist zu klein, zu dumm, und vor allem zu tolpatschig.

Nur mit Mühe Tränen der Wut und der Angst zurückhaltend, während der Captain dir geduldig erklärt, warum sie deine Eltern abgeholt haben. Er benutzt eine fast kindliche Ausdrucksweise. Es ist ihm unangenehm, er schickt Erwachsene nicht gern dorthin, wo böse Menschen eben hingeschickt werden. Aber Vater und Mutter seien böse Menschen. Sie hätten schlimme Dinge über den Führer gesagt. Und nun würde er Soldat werden und dem Führer helfen, alle diese schlechten Menschen auszurotten.

Ballspielen bei Null-G mit vier anderen Kadetten, schwereloses Schweben in der riesigen, sphäroidischen Sporthalle, Lachen, angestrengte Versuche, den Ball so zu werfen, daß man selbst dabei nicht in unkontrolliertes Trudeln geriet.

Einem grinsenden Herrensöhnchen, das deine Eltern als Verräter bezeichnet hat, die Nase einschlagen. Sein blutiges, verdutztes Gesicht. Mit Fäusten, Knien, Stiefeln ihn zum Schweigen bringen. Niemand wagt mehr, dieses Thema anzusprechen.

Aufrecht, zitternd vor Erregung und Angst, die Waffe angeschlagen, du willst den Wunsch des Mädchens erfüllen, das seinen Tod fordert, aber du blickst den am Boden liegenden Mann ins Gesicht und begreifst daß es keine, KEINE Rechtfertigung gibt, einen Menschen zu töten.

Mit dem Knüppel auf den pausbäckigen Dulaq einschlagend; völlig von Sinnen drischst du und die fünf anderen ihn zu Tode, sagst dir immer wieder, er ist ein Feind, ein Feind, wenn ich ihn nicht umbringe, bringt er mich um, wenn ich ihn nicht töte, findet der Führer einen anderen, der ihn tötet.

Flüchtige Gedanken, Gefühle, Erinnerungen. Das Gesicht der Mutter, der besondere Geruch deines Zimmers, ein bestimmtes Lachen. Die vergessene, die verschüttete Kindheit, die Wärme des Kaminfeuers zu Hause nach einem Tag im Schnee, der Duft von Vaters Pfeife, das zufriedene Schnurren des Kätzchens in deinen Armen.