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»Sie kann es automatisch geschlossen haben«, sagte David. »Aus Gewohnheit.«

»Von mir aus denk du das, wenn’s dir Spaß macht«, sagte Nancy. »Ich jedenfalls bin anderer Ansicht.«

»Tja«, sagte Stanley, »das wollte ich euch erzählen. Ich frage mich nur, was ich jetzt machen soll.«

»Kein Problem, Stanley«, sagte Nancy. »Du mußt es Leutnant Masters erzählen. Das ist deine Pflicht als Staatsbürger.«

»Tja, das muß ich wohl.« Stanley warf einen nervösen Blick zu dem stillen Haus hinüber. »Ich hatte gehofft, darum herum zu kommen. Mae wird mir nie glauben, daß ich nur ‘rübergegangen bin, um zu sehen, wie es Lila ging.«

»Was das betrifft«, warf Nancy unbekümmert ein, »so glaube ich das auch nicht. Aber die Polizei ist diskret in solchen Dingen. Sie werden es Mae nur erzählen, wenn’s gar nicht anders geht.«

»Egal«, murmelte Stanley. »Ich wünschte, ich brauchte es nicht zu sagen.«

»Soll ich es an deiner Stelle tun? Ich muß morgen sowieso mit Leutnant Masters sprechen…«

»Ach, würdest du das tun, Nancy?« Stanleys Gesichtsausdruck war hündisch-dankbar. »Vielen Dank! Obwohl es bestimmt auch nicht viel helfen wird, denn bestimmt kommt Leutnant Masters trotzdem sofort angelaufen und wird mit mir sprechen wollen.«

»Das«, sagte David, »ist so sicher wie das Amen in der Kirche.«

Stanley seufzte; einen schrecklichen Augenblick lang schien es, als wolle er in Tränen ausbrechen. Dann machte er ohne ein Wort kehrt und trottete davon, über das Gäßchen, durch seinen Garten ins Haus.

»Armer Stanley«, sagte David. »Warum hat er uns das wohl gebeichtet?«

»Weil er glaubte, daß es sowieso herauskommen würde«, sagte Nancy. »Es ist fast immer besser, etwas freiwillig zu erzählen, bevor es einem unter die Nase gerieben wird. Auf diese Weise hält man dich für offen und ehrlich, und du kannst dann später nach Belieben schwindeln oder etwas verschweigen, ohne daß dir jemand auf die Schliche kommt.«

»Teufel auch«, sagte David, »mit jeder Minute kommst du mir mehr vor wie dieser Masters.«

»Ich glaube«, entgegnete Nancy, »das kommt, weil ich ihn allmählich sympathisch finde.«

12

Am nächsten Morgen mußte Leutnant Masters verschiedenes erledigen; vor allem mußte er seinen Chef davon überzeugen, daß im Connor-Fall weitere Ermittlungen angezeigt, ja mehr noch, daß sie unerläßlich seien. Masters machte das so deutlich wie möglich.

»Sind Sie auch ganz sicher, Gus?« sagte der Chef. »Das möchte ich Ihnen vor allem geraten haben.«

»Ich bin sicher«, sagte Masters. »Wenn ich’s nicht wäre, würde ich den Fall lieber heute als morgen ad acta legen.«

»Aber Sie müssen doch etwas haben, wo Sie einhaken können. Und kommen Sie mir nicht mit den Klimaanlagen und verschwundenen Schlüsseln. Beschränken Sie sich auf Fakten.«

»Nun ja, da ist etwas, worauf ich gestern gestoßen bin. Es liegt so auf der Hand, daß ich es fast übersehen hätte.«

»Na los! Was ist es denn?«

»Der Beweis, daß Lila Connor nicht von ihrem Mann, sondern von einer Person ermordet wurde, die auch Larry Connor umgebracht hat.«

»Da haben wir’s! Verdammt, wenn ich je einen Fall gehabt habe, der eindeutig aussah, dann dieser. Also gut, Gus. Was für ein Beweis ist das?«

»Gestern nachmittag habe ich hier gesessen und überlegt, ob ich den Fall abschließen oder weitermachen sollte, und auf einmal fiel mir etwas ein, das ich in Connors Büro gesehen hatte. Ich erinnerte mich, daß er auf dem Sofa gelegen, und daß sein rechter Arm herabgehangen hatte. Er war in Hemdsärmeln, und unter der Manschette an seinem Handgelenk trug er eine Armbanduhr. Am rechten Arm! Daraus folgt, zwar nicht mit absoluter, jedoch mit ziemlicher Sicherheit, daß Larry Connor Linkshänder war. Um mich zu vergewissern, rief ich Ruth Benton, seine Sekretärin an, und ich hatte recht. Connor war Linkshänder.«

»Na und?«

»Der Bericht über die Fingerabdrücke besagt, daß sich Larry Connors Abdrücke – und nur die seinen – auf dem Griff der Mordwaffe befanden. Die Abdrücke seiner rechten Hand. Aber er war Linkshänder! Verstehen Sie denn nicht, was das bedeutet?« In seiner Begeisterung stieß Masters dem Chef seinen Zeigefinger, der hornig war wie eine Adlerklaue, vor die Brust. Der Chef wich zurück. »Es bedeutet, Chef, daß Connors Abdrücke von jemand, der nicht wußte, oder der vergessen hatte, daß Connor Linkshänder war, absichtlich auf den Brieföffner praktiziert worden sind! Und das wiederum bedeutet, daß die Mordwaffe erst danach ins Connorsche Haus gebracht und mit ihr Lila Connor getötet worden ist! Und das bedeutet, daß der Ehemann nicht der Mörder sein kann! Und wenn er nicht der Mörder war, warum hätte er sich dann umbringen sollen?«

»Moment, Moment«, stöhnte der Chef, die Hände an den Kopf gepreßt. »Können Sie beweisen, daß jemand den Brieföffner aus dem Büro und mit ins Connorsche Haus genommen hat?«

»Das folgt daraus, Chef.«

»Darüber ließe sich streiten.«

»Chef«, sagte Masters, »Ruth Benton, Connors Sekretärin, kann diese Frage bestimmt klären. Sie wird nachher kommen, um den Brieföffner zu identifizieren. Sie sagt, der Beschreibung nach scheine es der zu sein, den Connor auf seinem Schreibtisch hatte. Sie könne es aber erst mit Sicherheit sagen, wenn sie ihn sehe.«

Der Chef schaukelte leise fluchend mit seinem Schreibtischsessel vor und zurück. Er sah anscheinend schlechte Zeiten kommen.

»Na schön, Gus. Sie haben gewonnen. Machen Sie weiter. Aber viel Zeit kann ich Ihnen nicht geben. Wie lange werden Sie brauchen?«

Masters dachte rasch nach. Er rechnete mit einer Woche. »Zehn Tage«, sagte er.

»Ich gebe Ihnen eine Woche. Schon eine Ahnung, wer den Schwarzen Peter bekommt?«

»Noch nicht.«

»Sie lügen. Na, gehen Sie an die Arbeit.« Als Masters sich zum Gehen wandte, sagte der Chef noch: »Und packen Sie nur zu, wenn Sie Ihrer Sache absolut sicher sind.«

»Sicher, Chef.«

»Verdammt sicher«, sagte der Chef drohend.

Der Detektiv kehrte in sein Büro zurück. Unterwegs bemerkte er, daß die Uhr im Flur ein paar Minuten nach neun zeigte. Ruth Benton wollte um neun Uhr dreißig kommen.

Bis dahin standen noch einige andere Dinge auf der Tages-Ordnung. Lila Connors zweiter Ehemann, erinnerte er sich, sollte Selbstmord begangen haben. Wenn das zutraf, so mußte es einen Polizeibericht darüber geben, und Masters rief im Kansas-City-Präsidium an und bat, ihm den Bericht und etwaige weitere einschlägige Informationen zukommen zu lassen. Der Polizeibericht allein jedoch enthielt vermutlich nicht das Material, das er brauchte. Also telefonierte er noch einmal, und zwar mit einer Privatdetektei in Kansas City, von der er ein paar rasche Ermittlungen in bezug auf alles, was den Fall vorantreiben konnte, erbat. Anschließend lehnte sich Masters in den Sessel zurück und wartete auf Ruth Benton, die in fünfzehn Minuten erscheinen mußte. Etwa drei davon waren vergangen, als das Telefon klingelte. Er erkannte die Stimme sofort. Herrgott, diese Stimme!

»Hier ist Nancy Howell«, sagte die Stimme. Tempelglocken, die reinsten Tempelglocken.

»Oh, hallo, Mrs. Howell. Ich habe nicht erwartet, von Ihnen noch einmal zu hören.«

»Wegen gestern, meinen Sie?«

»Ja. Ich hatte den Eindruck, daß Sie mich von Ihrer Besucherliste gestrichen haben.«

»Na ja, aber jetzt hat sich etwas herausgestellt, das der Sache ein anderes Gesicht gibt. Möchten Sie es hören?«