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Ich hab diesen Europäern niemals getraut.

Die dritte Nacht.

Der Mond leuchtet riesig in chemischem Rot.

Zwei von den Engeln spielen am Strand,

Junge und Mädchen.

Noch sind die Hormone stärker als Drogen. Sie kichert

und die Brandung rauscht langsam.

Es wäre Selbstmord, wenn der Feind jede Nacht käm.

Doch der Feind kommt nicht jede Nacht her,

also rennen sie durch die Brandung,

lachen, kreischen vor Freude. Ich hab scharfe Ohren

(damit ich sie besser hören kann) und gute Augen

(damit ich sie besser sehen kann)

und sie sind so verdammt jung und ficken so unbeschwert; ich könnt kotzen.

Das Schlimmste ist für so einen wie mich,

dass gerade solchen wie ihnen der Tod geschenkt wird.

Sie schrie zuerst. Der Mond stand hoch und rot,

rund, ja beinah noch voll.

Ich sah sie in die Brandung stürzen, als ob

das Wasser zehn Meter tief wär, nicht einen,

als würde sie nach unten gesogen. Der Junge rannte,

ein Strahl klarer Pisse schoss aus dem Schlitz seiner Shorts;

er taumelt und jammert und flieht.

Es kam aus dem Wasser, langsam, wie ein Mann in schlechtem Monsterfilm-Make-up.

Trug die gebräunte Frau in den Armen. Ich gähnte,

wie ein Wolf gähnt, und leckte mein Fell.

Das Monster biss ihr halb den Kopf ab, warf, was übrig war, in den Sand,

und ich dachte: Fleisch und Chemie, sie sind doch

nichts als nur Fleisch und Chemie, ein Biss und

was bleibt, sind Fleisch und Chemie …

Dann kamen Roths Männer mit Angst in den Augen,

Automatikwaffen in Händen. Ich hob sie hoch

und riss sie auf, warf sie auf den hellen Sand.

Das Ding geht steifbeinig, weißer Sand hängt

an grau-grünen Tatzen, an Klauen und Schwimmhaut.

Ich bin der King, Ma, heult es.

Und ich denke: Welche Mutter bringt solch eine Ausgeburt hervor?

Und von oben am Strand hör ich Roths Stimme schreien: Talbot,

Talbot, Sie Arschloch, wo sind Sie?

Ich steh auf und streck mich und schlender nackt zum Wasser.

Hallo, sag ich.

He du, sagt er.

Ich reiß dir dein haariges Bein aus und stopf es dir in den Schlund.

Nein, wie unhöflich du bist, darauf ich.

Ich bin Grand Al, sagt er.

Und wer bist du? Jojo das jaulende Hundegesicht?

Ich werd dich zerreißen und dir den Kopf abbeißen.

Weiche, du Monstrum, rat ich.

Er glotzt mich an mit Augen, die wie Crackpfeifen glimmen.

Weichen? Scheiße! Vor wem soll ich weichen?

Vor mir, erklär ich, denn

ich bin der Hüter der Sandburg.

Er blinzelt, verwirrt und gekränkt, und beinah

empfinde ich Mitleid für einen Augenblick.

Und dann kam der Mond hinter Wolken hervor

und ich begann zu heulen.

Die Haut war fischweiß, bleich,

die Zähne drachenscharf,

die Finger klauenbewehrt

und knurrend sprang er mich an.

Und er sagte: Was bist du?

Er schrie: Au, nein Au!

Er rief: Scheiße, das ist nicht fair!

Dann sagte er nichts mehr, jedenfalls keine Worte,

kein Wort mehr,

denn ich riss ihm den Arm aus

und ließ ihn

mit spasmisch zuckenden Fingern

in den Sand fallen.

Grand Al floh in die Wellen und ich sprang ihm nach.

Die See war Salz; sein Blut stank.

Ich konnte es schmecken, schwarz in meinem Maul.

Er schwamm und ich folgte, tiefer und tiefer,

und als meine Lungen schon bersten wollten,

die Welt mir Kehle, Kopf und Geist und Brust zerquetschte,

Monstren drohten mich zu ersticken,

erreichten wir das versunkene Wrack einer Ölbohrinsel,

und hierher war Grand Al gefloh’n, um zu sterben.

An diesem Ort war’s wohl, dass er das Licht der Welt erblickte,

rostende Ruinen weit unter dem Meer.

Er war schon halbtot, als ich ankam.

Ich ließ ihn liegen; ein zu seltsames Fressen wär er gewesen,

gefährliche Meeresfrucht, giftiges Fleisch. Und doch

trat ich ihn ins Maul, stahl einen Fangzahn,

der ausgeschlagen war, als Glücksbringer.

Da fiel sie mich an, mit Klauen und Zähnen.

Warum sollt es nicht möglich sein, dass das Biest eine Mutter hat?

So viele von uns haben Mütter.

Vor rund fünfzig Jahren hatte jeder noch eine.

Sie beklagte den Sohn, sie klagte und heulte.

Sie fragte mich, wie ich so grausam sein könne.

Sie hockte am Boden, liebkoste ihn weinend.

Und dann redeten wir, von Jäger zu Jäger.

Was wir dann taten, geht euch nichts an,

war nichts anderes als ihr und ich schon früher getan,

und ob ich sie tötete oder sie liebte, ihr Sohn war allemal so tot wie

der Golf.

Rasend, Pelz auf Schuppen,

ihr Hals in meinen Fängen,

Klauen auf ihrem Rücken …

Lalalalalala. Es ist das alte Lied.

Später entstieg ich der Brandung.

Roth wartete im Sonnenaufgang.

Ich ließ Grand Als Kopf in den Sand fallen.

Feine weiße Körner verklebten die nassen Augen.

Das war Ihr Problem, sagte ich.

Jetzt ist es beseitigt.

Und nun? fragte er.

Danegeld, war die Antwort.

Glauben Sie, die Schlitzaugen haben ihn geschickt? fragt er.

Oder die Eurisraelis? Oder wer?

Er war ein Nachbar, erklär ich. Und eure Musik war ihm zu laut.

Wirklich? fragt er.

Ich weiß es, sag ich und betrachte den Kopf.

Was war dieses Ding?, fragt Roth.

Ich zog mich an, erschöpft vom Verwandeln.

Fleisch und Chemie, flüsterte ich.

Das stimmte nicht, doch alle Wölfe lügen.

Es wurde langsam hell, der Tag brach an.

Ich saß am Strand, sah Wellen sacht sich wiegen

und träumte von dem Tage, da ich sterben kann.

Im Dutzend billiger

Peter Pinter hatte nie von Aristippos von Kyrene gehört, einem eher unbekannten Schüler Sokrates’, der die Ansicht vertreten hatte, die Vermeidung von Problemen und Schwierigkeiten sei das höchste erreichbare Gut. Dennoch hatte Peter sein ganzes ereignisarmes Leben nach genau diesem Grundsatz gelebt. Er war ein in jeder Hinsicht moderater Mann, mit der kleinen Ausnahme, dass er unfähig war, ein Sonderangebot auszuschlagen. Aber wer von uns kann sich von diesem Laster schon gänzlich freisprechen? Er neigte niemals zu Extremen. Seine Sprache war stets angemessen und zurückhaltend. Er aß nie im Übermaß, trank genug, um als gesellig zu gelten, aber nicht mehr. Er war nicht reich, doch auch keineswegs arm. Er mochte die Menschen und wurde gemocht. Wenn man all dies bedenkt, hätten Sie je geglaubt, ihn in einem heruntergekommenen Pub in einem verrufenen Viertel des Londoner East Ends anzutreffen, wo er einen Mord in Auftrag gab? Den Mord an einer Person, die er kaum kannte? Natürlich nicht. Sie hätten nicht einmal damit gerechnet, dass er einen solchen Pub überhaupt betreten würde.