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»Wenn ich mich recht erinnere«, hatte ich gesagt, »hast du mir im Thronsaal von Cos mitgeteilt, du wüßtest nicht, wie es auf den Ruderbänken eines Rundschiffs aussieht.«

Sie starrte mich an. Frauen hoher Abstammung reisten gewöhnlich in geräumigen Kabinen, die sich in den Heckaufbauten der Rundschiffe oder Rammschiffe befanden. Sie hatte natürlich auch hier an Bord eine luxuriöse Kabine bewohnt.

»Wie ich mich erinnere, sagte ich dir bei der Gelegenheit auch, daß du vielleicht eines Tages Gelegenheit hättest, die Ruderbänke eines Rundschiffs kennenzulernen.«

»Nein!« sagte sie. »Bitte nicht!«

Ich hatte mich an meine Männer gewandt. »Bringt diese Dame in einem Beiboot zum größten Rundschiff der Flotte, das von gefangenen Offizieren der Schatzflotte gerudert wird, und kettet sie dort im Ruderdeck fest.« Ich sah Vivina an. »Ich nehme an, die Unterkunft wird dir gefallen.«

Das Mädchen hatte sich aufgerichtet. Wie eine Ubara machte sie kehrt und folgte dem Seemann, der sie begleiten sollte.

Im Augenblick des Einzugs in Port Kar musterte ich sie nun von der Seite. Sie wandte den Kopf und sah mich gequält an. »Was hast du mit mir vor?« fragte sie.

»Wenn die Schätze überprüft, berechnet und aufgeteilt sind, was etwa vier oder fünf Wochen in Anspruch nehmen dürfte«, sagte ich, »wirst du mit deinen Mädchen in Sklavenketten vor den Rat der Kapitäne gebracht, wo zugleich Muster aus dem Schatz gezeigt und Abrechnung über die Beute gehalten wird.«

»Wir sind also Kriegsbeute?« fragte sie.

»Ja.«

»Wie es scheint, hast du nun einen vollen Monat des Triumphs vor dir«, sagte sie kühl. »Was tust du, wenn wir vor dem Rat der Kapitäne gestanden haben?«

»Das wirst du dann schon sehen.«

»Ich verstehe«, sagte sie und blickte wieder nach vorn.

Weitere Blumen regneten herab, und das Jubelgeschrei nahm kein Ende.

Bestimmt hatte es in der Geschichte dieser Stadt keinen größeren Triumphzug gegeben, dabei wußte ich, daß dies nur der Anfang war. Der Höhepunkt war in vier oder fünf Wochen zu erwarten, wenn die Kriegsbeute dem Rat vorgeführt wurde und ich die höchste Auszeichnung der Stadt erhielt, den Titel »Würdiger Kapitän.«

»Heil Port Kar!« rief ich der Menge zu.

»Heil Port Kar!« erschallte die Antwort. »Und Heil Bosk, Admiral von Port Kar!«

»Heil Bosk!« riefen die Männer meines Hauses. »Heil Bosk, Admiral von Port Kar!«

Fünf Wochen waren seit meinem triumphalen Einzug in die Stadt vergangen.

An diesem Nachmittag hatte die formelle Präsentation der Beute im Saal des Kapitänsrats stattgefunden.

Ich stand auf und erwiderte die begeisterten Rufe meiner Leute, indem ich meinen Pagakelch hob.

Kelche stießen klingend zusammen, und wir tranken.

Fünf Wochen der Vergnügungen, Feiern, Bankette und Ehrenbezeigungen lagen hinter mir. Der Wert der erbeuteten Schätze übertraf unsere höchsten Erwartungen, lag über den optimistischsten Berechnungen unserer gierigsten Schreiber. Heute nachmittag nun hatte mein Ruhm im Saal des Kapitänsrats seinen Höhepunkt erlebt – in der formellen Präsentation und Abschätzung des Sieges und der Beute, und in der Anerkennung des Rats für meine Taten.

Noch jetzt, Stunden später, trug ich bei meiner privaten Feier um den Hals das breite scharlachrote Band mit dem Goldmedaillon, auf dem ein Tarnschiff mit Dreieckssegel abgebildet war und dazu die Initialen des Kapitänsrats von Port Kar.

Ich stürzte meinen Paga hinunter.

Ich war wahrlich ein verdienter Kapitän der Stadt.

Ich lächelte. Während die Ladung der Rundschiffe gelöscht, taxiert und registriert wurde, hatten sich Hunderte von Männern, von denen mir die meisten unbekannt waren, um Geschäftsbeziehungen beworben. Ich hatte Dutzende von Partnerschaftsangeboten erhalten – an spekulativen und kommerziellen Unternehmungen. Unzählige Männer hatten vorgesprochen, um ihre Pläne, Vorschläge und Ideen zu verkaufen. Meine Wachen hatten auch den verrückten halbblinden Schiffsbauer Tersites fortgeschickt, der seine fantastischen Vorschläge zur Verbesserung der Tarnschiffe auch bei mir loswerden wollte – als könnten so schöne, schnelle und kampfstarke Schiffe noch verbessert werden!

Während ich auf dem Meer dem Beruf des Piraten nachgegangen war, hatte sich die Position des Rats in der Stadt in militärischer und politischer Hinsicht weiter gefestigt. Zum einen war die Aufstellung der Ratswache mit ihrer auffälligen Uniform abgeschlossen worden, als Streitmacht des Rats und als Polizei der Stadt. Die Arsenalwache dagegen blieb eine separate Einheit, die sich um das Arsenal kümmerte und innerhalb seiner Grenzen die Polizeigewalt ausübte. Zum anderen hatten sich die vier Ubars Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus, deren Macht bei dem erfolglosen Staatsstreich des Henrius Sevarius sehr beschnitten worden war, in ihr Schicksal gefügt und offenbar die Vormacht des Rats in der Stadt anerkannt. Jedenfalls gab es jetzt zum erstenmal seit vielen Jahren einen einzigen effektiven Herrscher in Port Kar – den Rat. Dementsprechend war sein Wort Gesetz. Eine ähnliche Konsolidierung und Vereinheitlichung hatte natürlich auch auf anderen Gebieten stattgefunden – bei der Besteuerung, in der Gerichtsbarkeit, in den Handelsregeln und dergleichen. Zum erstenmal seit Jahren konnte man sich darauf verlassen, daß das Gesetz auf beiden Seiten eines Kanals gleich ausgelegt wurde. Schließlich waren die Streitkräfte des Henrius Sevarius unter der Regentschaft des Claudius aus ihren Stellungen getrieben worden – bis auf eine, eine riesige Festung, deren Mauern sich bis in den Tamber erstreckten und die etwa zwei Dutzend Schiffen Schutz bot. Die Anlage hätte vielleicht im Sturm genommen werden können, aber das wäre ein teures Unternehmen gewesen. So hatte sich der Rat darauf beschränkt, das Anwesen auf der Landseite mit doppelten Belagerungsmauern einzuschließen und vom Thassa her mit Arsenalschiffen zu blockieren. Man wartete ab. Wie lange die Festung noch gehalten werden konnte, hing allein von der Größe ihrer Wasservorräte ab, von der Menge der Fische, die durch die vergitterten Tore in ihre Becken schwammen, und von den Brotresten, die sich in ihren Türmen noch befanden. Der Rat ignorierte die Festung weitgehend bei seinen Erwägungen und Unternehmungen; sie war praktisch das Gefängnis der dort Eingeschlossenen, zu denen nach Meinung des Rats natürlich auch Henrius Sevarius, der junge Ubar, gehörte.

Ich blickte auf. In diesem Augenblick war Fisch, der Sklavenjunge, aus der Küche gekommen und balancierte auf einer Platte über dem Kopf einen ganzen gebratenen Tarsk, knusprig und dampfend, im Fackellicht schimmernd, eine Larmafrucht im Maul, mit Suls und Turpah garniert.

Die Männer brüllten auf, riefen ihn zu sich an die Tische.

Fisch stellte die Platte vor den Männern ab. Er schwitzte. Er trug eine einfache Reptuch-Tunika und einen Metallkragen am Hals. Ich hatte ihn bränden lassen.

Die Männer schickten ihn wieder fort, damit er einen zweiten gebratenen Tarsk vom Spieß holen konnte, den er den ganzen Nachmittag über dem Kohlenfeuer gedreht hatte. Er eilte aus dem Saal.

Es war nicht einfach gewesen, ihn an seine Pflichten als Küchensklave zu gewöhnen. Der Küchenmeister hatte ihn oft schlagen müssen.

Etwa drei Wochen nach seiner Aufnahme in meinem Haus war plötzlich die Tür meines Audienzsaals aufgesprungen, und er war hereingestolpert, dichtauf gefolgt von dem Küchenmeister.

»Verzeih mir, Herr!« rief der Mann.

»Was wollt ihr?« fragte ich.

»Ich möchte dich sprechen, Kapitän«, sagte der Junge.

»Normalerweise bringt ein Küchensklave seine Wünsche durch den Küchenmeister zum Ausdruck!«

»Ich weiß«, erwiderte der Junge.

»Warum hast du’s dann nicht getan?«

»Ich hab’s ja getan!« sagte der Junge trotzig. »Sogar sehr oft.«

»Und ich«, schaltete sich der Küchenmeister ein, »habe es ihm abgeschlagen.«

»Wie lautet die Bitte?« fragte ich.