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»Ich habe keinen Streit mit Renly, so lange er seine Pflichten anerkennt. Ich bin der ältere Bruder und sein König. Ich will nur das, was mir dem Recht nach zusteht. Renly schuldet mir seine Treue und seinen Gehorsam. Die werde ich bekommen. Von ihm und von diesen anderen Lords.« Stannis musterte ihr Gesicht. »Und welcher Grund führt Euch auf dieses Feld, Mylady? Hat das Haus Stark sein Schicksal an meinen Bruder gebunden?«

Er wird sich niemals beugen, dachte sie, doch sie musste es trotzdem versuchen. Zu viel stand auf dem Spiel. »Mein Sohn regiert als König des Nordens durch den Willen unserer Lords und unseres Volkes. Er verneigt sich vor keinem Mann, doch streckt er allen die Hand zur Freundschaft entgegen. «

»Könige haben keine Freunde«, entgegnete Stannis barsch, »nur Untertanen und Feinde.«

»Und Brüder«, rief eine fröhliche Stimme hinter ihr. Catelyn blickte über die Schulter, während Lord Renlys Zelter sich seinen Weg zwischen den Stümpfen hindurch suchte. Der jüngere Baratheon sah prächtig aus in seinem grünen Samtwams und dem pelzgesäumten Satinumhang. Die Krone der goldenen Rosen saß auf seinen Schläfen, der Hirschkopf aus Jade ragte über seiner Stirn auf, und das schwarze Haar hing lang herab. Schwarze Diamanten schmückten seinen Schwertgurt, und eine Kette aus Gold und Smaragden hing ihm um den Hals.

Renly hatte ebenfalls eine Frau gewählt, um sein Banner zu tragen, allerdings verbarg Brienne Gesicht und Körper hinter einer Rüstung, die keine Aufschlüsse über ihr Geschlecht erlaubte. An ihrer vier Meter langen Lanze prangte der gekrönte Hirsch Schwarz auf Gold und flatterte im Meerwind.

Sein Bruder grüßte knapp: »Lord Renly.«

»König Renly. Bist du es wirklich, Stannis?«

Stannis runzelte die Stirn. »Wer sollte es sonst sein?«

Renly zuckte nur die Achseln. »Als ich das Banner sah, war ich mir nicht sicher. Wessen Banner führst du?«

»Mein eigenes.«

Die rotgekleidete Priesterin ergriff das Wort. »Der König hat sich das flammende Herz des Herrn des Lichts zum Siegel erwählt.«

Das schien Renly zu amüsieren. »Das ist sicherlich besser. Wenn wir beide die gleiche Fahne hätten, würde es in der Schlacht ein fürchterliches Durcheinander geben.«

»Hoffen wir, dass es keine Schlacht gibt«, sagte Catelyn. »Wir drei haben einen gemeinsamen Feind, der uns alle vernichten will.«

Stannis betrachtete sie, lächelte jedoch nicht. »Der Eiserne Thron steht dem Recht nach mir zu. Alle, die das verneinen, sind meine Feinde.«

»Das ganze Reich verneint es, Bruder«, erwiderte Renly. »Alte Männer verneinen es mit ihrem Todesröcheln, und ungeborene Kinder verneinen es im Leib ihrer Mütter. Sie verneinen es in Dorne und auf der Mauer. Niemand will dich als König. Tut mir leid.«

Stannis knirschte mit den Zähnen und sein Gesicht spannte sich. »Ich habe mir geschworen, niemals mit dir zu verhandeln, solange du die Krone des Verräters trägst. Hätte ich mich nur daran gehalten.«

»Das ist töricht«, warf Catelyn scharf ein. »Lord Tywin sitzt mit zwanzigtausend Mann in Harrenhal. Die Reste der Armee des Königsmörders haben sich am Goldzahn neu formiert, ein weiteres Heer der Lennisters versammelt sich im Schatten von Casterlystein, und Cersei und ihr Sohn halten Königsmund und sitzen auf Eurem kostbaren Eisernen Thron. Jeder von Euch beiden nennt sich König, während das Königreich blutet, doch keiner erhebt das Schwert, um es zu verteidigen – außer meinem Sohn.«

Renly zuckte die Achseln. »Euer Sohn hat ein paar Schlachten gewonnen. Ich werde den Krieg gewinnen. Die Lennisters können warten, bis es mir beliebt, sie anzugreifen.«

»Falls du einen Vorschlag unterbreiten möchtest, dann raus damit«, verlangte Stannis schroff, »oder ich gehe wieder. «

»Na schön«, antwortete Renly. »Ich schlage vor, dass du absteigst, dein Knie beugst und mir die Treue schwörst.«

Stannis würgte seinen Zorn hinunter. »Den Tag wirst du niemals erleben.«

»Du hast Robert gedient, warum nicht auch mir?«

»Robert war mein älterer Bruder. Du bist der jüngere.«

»Jünger, verwegener und viel besser aussehend …«

»… und außerdem ein Dieb und Thronräuber.«

Erneut zuckte Renly mit den Schultern. »Die Targaryen nannten Robert einen Thronräuber. Er hat sich anscheinend mit der Schande abgefunden. So wie ich.«

Das führt zu nichts. »Hört Euch doch bloß selbst an! Wenn Ihr meine Söhne wärt, würde ich Euch mit den Köpfen zusammenstoßen und Euch in Euren Zimmern einsperren, bis Ihr Euch wieder daran erinnert, dass Ihr Brüder seid.«

Stannis runzelte die Stirn. »Ihr werdet anmaßend, Lady Stark. Ich bin der rechtmäßige König, und Euer Sohn ist genauso ein Verräter wie mein Bruder. Auch sein Tag wird kommen.«

Die unverhüllte Drohung entfachte ihre Wut. »Ihr seid so frei und nennt andere Verräter und Thronräuber, Mylord, aber wie unterscheidet Ihr Euch von ihnen? Ihr behauptet, der rechtmäßige König zu sein, und doch scheint es mir, als habe Robert zwei Söhne gehabt. Dem Gesetz der Sieben Königslande nach ist Prinz Joffrey der rechtmäßige Erbe, und Tommen nach ihm … und wir alle sind Verräter, mögen wir noch so gute Gründe dafür haben.«

Renly lachte. »Du musst Lady Catelyn verzeihen, Stannis. Sie ist gerade den ganzen langen Weg von Schnellwasser heruntergeritten. Ich fürchte, sie hat deinen kleinen Brief nicht gelesen.«

»Joffrey entstammt nicht dem Samen meines Bruders«, sagte Stannis offen heraus. »Und auch Tommen nicht. Sie sind Bastarde. Ebenso das Mädchen. Alle drei sind abscheuliche Früchte des Inzests.«

Kann irgendjemand, selbst Cersei, so verrückt sein? Catelyn war sprachlos.

»Ist das nicht eine hübsche Geschichte, Mylady?«, fragte Renly. »Ich habe am Hornberg gelagert, als Lord Tarly den Brief erhielt, und ich muss zugeben, er hat mir die Sprache verschlagen.« Er lächelte seinen Bruder an. »Solche Schlauheit hätte ich nie von dir erwartet, Stannis. Wenn das wahr wäre, wärst du tatsächlich Roberts Erbe.«

»Wäre? Nennst du mich einen Lügner?«

»Kannst du ein einziges Wort dieses Märchens beweisen? «

Stannis knirschte mit den Zähnen.

Robert hat nichts davon gewusst, dachte Catelyn, sonst hätte Cersei sofort ihren Kopf eingebüßt. »Lord Stannis«, fragte sie, »wenn Ihr um diese ungeheuerlichen Verbrechen der Königin wusstet, warum habt Ihr Schweigen bewahrt?«

»Ich habe nicht geschwiegen«, verkündete Stannis, »ich habe meinen Verdacht Jon Arryn gegenüber geäußert.«

»Und nicht gegenüber Eurem Bruder?«

»Mein Bruder hat mir nicht mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht, als ihm die Pflicht gebot«, sagte Stannis. »Wäre ich mit diesen Anschuldigungen zu ihm gegangen, hätten sie überzogen und egoistisch in seinen Ohren geklungen, und er hätte geglaubt, ich wolle mich an die Spitze der Thronfolge drängen. Ich war der Überzeugung, Robert wäre eher geneigt zuzuhören, wenn der Vorwurf aus Lord Arryns Mund käme, denn ihn hat er geliebt.«

»Aha«, meinte Renly, »da haben wir also das Wort eines Toten.«

»Glaubst du, er sei durch Zufall gestorben, du blinder Narr? Cersei hat ihn vergiften lassen, weil sie fürchtete, er könne ihr Geheimnis aufdecken. Lord Jon hatte sichere Beweise gesammelt …«

»Die zweifellos mit ihm ins Grab gesunken sind. Wie ärgerlich. «

Catelyn kramte in ihren Erinnerungen und setzte verschiedene Teilchen zusammen. »Meine Schwester Lysa hat die Königin des Mordes an ihrem Gemahl beschuldigt, und zwar in einem Brief, den sie mir nach Winterfell geschickt hat«, sagte sie. »Später auf der Ehr hat sie Tyrion den Mord vorgeworfen.«

Stannis schnaubte. »Wenn man in ein Schlangennest tritt, ist es gleichgültig, welche zuerst zustößt.«

»Diese Geschichte von Schlangen und Inzest ist ja sehr hübsch, aber sie ändert nichts. Vielleicht hast du den größeren Anspruch, Stannis, aber ich habe immer noch die größere Armee.« Renly schob die Hand in seinen Umhang. Stannis bemerkte die Bewegung und griff nach seinem Schwert, doch bevor er die Klinge ziehen konnte, holte sein Bruder einen … Pfirsich hervor. »Möchtest du einen, Bruder?«, fragte Renly lächelnd. »Aus Rosengarten. So etwas Süßes hast du noch nie gegessen, das verspreche ich dir.« Er biss hinein. Der Saft rann ihm aus den Mundwinkeln.