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»Sie werden ihn nicht verletzen, wenn er friedlich mitkommt.« Denubis seufzte. »Aber wenn er das verübt hat...« Der Kleriker erbebte und stockte einen Augenblick. »Nun, wenn er das verübt hat, findet er hier wohl einen leichteren Tod.«

»Was getan?« Tolpan wurde immer verwirrter. Auch Caramon wirkte verwirrt, denn Tolpan sah, wie er in Unschuldsbeteuerungen die Hände erhob.

Aber noch während er das tat, stellte sich einer der Wachmänner hinter dem großen Mann auf und stieß mit dem Schaft seines Speers in seine Kniekehlen. Caramons Beine gaben nach. Als er taumelte, schlug der vor ihm stehende Wachmann ihn mit einem fast lässigen Hieb gegen die Brust zu Boden.

Caramon war noch nicht einmal auf dem Pflasterstein aufgeschlagen, als die Speerspitze schon an seiner Kehle war. In einer Geste der Ergebung hob er die Hände. Schnell rollten die Wachen ihn auf den Bauch, ergriffen seine Hände und fesselten sie flink und geschickt hinter seinem Rücken.

»Sie sollen aufhören!« schrie Tolpan. »Das können sie nicht machen...«

Der Kleriker hielt ihn fest. »Nein, kleiner Freund, für dich wäre es am besten, wenn du bei mir bleibst. Bitte«, sagte er und faßte Tolpan sanft an den Schultern. »Du kannst ihm nicht helfen.«

Die Wachmänner zogen Caramon auf die Füße und begannen, ihn gründlich zu durchsuchen; ihre Hände griffen sogar in seine Lederhose. Sie fanden an seinem Gürtel einen Dolch – diesen übergaben sie dem Hauptmann – und eine Flasche. Sie öffneten sie, und nachdem sie an ihr gerochen hatten, warfen sie sie voll Abscheu fort.

Einer der Wachmänner wies auf das dunkle Bündel auf den Pflastersteinen. Der Hauptmann kniete nieder und hob den Umhang hoch. Tolpan sah ihn den Kopf schütteln. Dann hob der Hauptmann das Bündel auf und drehte sich um, um die Gasse zu verlassen. Beim Vorbeigehen sagte er etwas zu Caramon. Tolpan hörte das unflätige Wort mit Entsetzen, so wie offenbar auch Caramon, denn das Gesicht des großen Mannes wurde leichenblaß.

Tolpan blickte zu Denubis auf und sah, wie sich die Lippen des Klerikers zusammenzogen; die Finger an Tolpans Schulter zitterten.

Dann verstand Tolpan. »Nein«, flüsterte er gequält, »o nein! Das können sie doch nicht denken! Caramon würde keiner Maus etwas zuleide tun! Er hat Crysania nicht verletzt! Er versuchte nur, ihr zu helfen! Darum sind wir gekommen. Nun, das war jedenfalls ein Grund. Bitte!« Tolpan wirbelte herum, um Denubis ins Gesicht zu sehen, und schlug die Hände zusammen.

»Bitte, du mußt mir glauben! Caramon ist ein Soldat! Er hat getötet – sicher. Aber nur eklige Dinge wie Drakonier und Goblins. Bitte, bitte, glaub mir!«

Aber Denubis sah ihn nur streng an.

»Nein! Wie kannst du das nur denken? Ich hasse diesen Ort! Ich will wieder nach Hause!« schrie Tolpan jämmerlich, als er Caramons schmerzerfülltes, verwirrtes Gesicht sah. Der Kender brach in Tränen aus, vergrub das Gesicht in beide Hände und schluchzte.

Dann spürte Tolpan, wie ihn eine Hand zögernd berührte und dann sanft streichelte.

»Nun, nun«, sagte Denubis. »Du wirst Gelegenheit erhalten, deine Geschichte zu erzählen. Dein Freund auch. Und wenn du unschuldig bist, wird dir kein Leid geschehen.« Aber Tolpan horte den Kleriker seufzen. »Dein Freund hatte getrunken, nicht wahr?«

»Nein!« Tolpan schniefte und sah Denubis flehend an.

»Nicht einen Tropfen, das schwöre ich...«

Die Stimme des Kenders erstarb jedoch bein Anblick Caramons, als die Wachmänner ihn aus der Gasse zur Straße führten, wo Tolpan und der Kleriker standen. Caramons Gesicht war mit dem Schmutz und Unrat der Gasse verschmiert, Blut tropfte aus einer Schnittwunde an seiner Lippe, sein Gesichtsausdruck war leer und angsterfüllt. Seine vergangenen Trinkgelage waren in den aufgedunsenen roten Wangen und den zitternden Gliedern nur allzu sichtbar. Angesichts der Wachmänner hatte sich eine Menschenmenge gebildet, die ein höhnisches Gelächter von sich gab.

Tolpan ließ den Kopf hängen. Was hatte Par-Salian getan, fragte er sich verwirrt. War irgend etwas schiefgelaufen? Waren sie überhaupt in Istar? Waren sie irgendwo untergegangen? Oder vielleicht war alles ein entsetzlicher Alptraum...

»Wer... was ist geschehen?« fragte Denubis den Hauptmann. »Hatte der Schwarze recht?«

»Recht? Natürlich hatte er recht. Hast du jemals erlebt, daß er sich geirrt hat?« rief der Hauptmann. »Ich weiß nicht, wer sie ist, aber sie ist ein Mitglied deines Ordens. Trägt um ihren Hals das Medaillon von Paladin. Sie ist übel zugerichtet. Zuerst dachte ich, sie sei tot, aber ihr Puls schlägt noch.«

»Glaubst du, daß sie...«, stammelte Denubis.

»Ich weiß nicht«, antwortete der Hauptmann grimmig »Aber sie wurde zusammengeschlagen. Ich vermute, sie hat eine Art Schock erlitten. Ihre Augen sind weit geöffnet, aber sie scheint nichts zu sehen oder zu hören.«

»Wir müssen sie unverzüglich zum Tempel bringen«, sagte Denubis energisch, obwohl Tolpan ein Zittern in der Stimme des Mannes hörte. Die Wachmänner trieben die Menge auseinander, hielten ihre Speere vor sich gerichtet und stießen die Neugierigen zurück.

»Alles ist unter Kontrolle. Weitergehen, weitergehen! Der Markt wird bald geschlossen. Kümmert euch lieber um eure Einkäufe, solange die Zeit reicht.«

»Ich habe sie nicht verletzt!« sagte Caramon düster. Er zitterte vor Angst. »Ich habe sie nicht verletzt«, wiederholte er, während Tränen über sein Gesicht liefen.

»Ja!« sagte der Hauptmann bitter. »Bringt die beiden ins Gefängnis«, befahl er den Wachmännern.

Tolpan wimmerte. Einer der Wachmänner griff grob nach ihm, aber der Kender hielt sich an Denubis’ Roben fest und weigerte sich, sie loszulassen. Der Kleriker, dessen Hand auf Crysanias lebloser Gestalt ruhte, drehte sich um, als er die klammernden Hände des Kenders spürte.

»Bitte«, bettelte Tolpan, »bitte, er sagt die Wahrheit.«

Denubis’ Gesicht wurde weich. »Du bist ein treuer Freund«, sagte er sanft. »Ein ziemlich ungewöhnlicher Charakterzug bei einem Kender. Ich hoffe, dein Glaube an diesen Mann ist gerechtfertigt.« Abwesend streichelte der Kleriker Tolpans Zopf, sein Gesichtsausdruck war traurig. »Aber du mußt dir im klaren sein, daß der Alkohol einen Mann zuweilen zu Dingen verleitet...«

»Komm schon, du!« fauchte der Wachmann und riß Tolpan zurück. »Laß dieses Spielchen. Es funktioniert nicht.«

»Laß dich davon nicht durcheinanderbringen, Verehrter Sohn«, sagte der Hauptmann. »Du kennst doch Kender!«

»Ja«, erwiderte Denubis. Seine Augen waren auf Tolpan gerichtet, als die zwei Wachmänner den Kender und Caramon durch die schnell kleiner werdende Menge auf dem Marktplatz führten. »Ich kenne Kender. Und dieser hier ist ein bemerkenswerter.« Dann schüttelte er den Kopf und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Crysania zu. »Halte sie bitte noch fest, Hauptmann«, sagte er leise, »ich werde Paladin bitten, uns mit aller Geschwindigkeit in den Tempel zu befördern.«

Tolpan, der sich im Griff der Wache wand, sah den Kleriker und den Hauptmann der Wache allein auf dem Marktplatz stehen. Ein weißes Licht leuchtete auf, und dann waren sie verschwunden.

Tolpan blinzelte und stolperte über seine Füße, da er vergessen hatte, auf seine Schritte zu achten. Er fiel auf das Pflaster, schürfte sich Knie und Hände auf. Ein fester Griff an seinem Kragen riß ihn nach oben, und eine starke Hand stieß in seinen Rücken.

»Komm weiter. Keine Tricks.«

Tolpan bewegte sich vorwärts, zu aufgeregt, um einen Blick auf seine Umgebung zu werfen. Sein Blick ging zu Caramon, und der Kender fühlte sein Herz schmerzen. Überwältigt von Scham und Angst, schleppte sich Caramon blind auf der Straße dahin, seine Schritte waren unsicher.

»Ich habe sie nicht verletzt!« hörte Tolpan ihn murmeln. »Es muß eine Verwechslung vorliegen...«

2

Die wunderschönen Elfenstimmen stiegen höher und höher, die Gesichter der Elfenfrauen, berührt von den Strahlen der untergehenden Sonne, die durch die hohen Kristallfenster drangen, waren zart-rosa gefärbt, und ihre Augen glänzten in leidenschaftlicher Inspiration.