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Dienstag, 5. März: In den frühen Vormittagsstunden sind wir mit einem schwimmenden Objekt zusammengestoßen, das unversehens auf dem Meer auftauchte. Der Erste Maat und der Küchenjunge trugen dabei leichte

Verletzungen davon, und es kam zu etlichen Beschädigungen durch umfallende Möbelstücke und losgerissene Gegenstände. Das fremde Objekt - ich werde es in Ermangelung einer besseren Bezeichnung bis auf weiteres als »Schiff« bezeichnen - ist sehr sonderbar; das schlechte Wetter und die nach dem Zusammenstoß an Bord ausgebrochene Panik machten eine genaue Inspektion im ersten Moment unmöglich, doch es ist zweifelsfrei, daß es sich nicht um ein Schiff gewöhnlicher Bauart handelt. Tatsächlich ähnelt es nichts, was ich oder irgendein Mitglied der Besatzung jemals zu Gesicht bekommen hätte. Es bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die nur wenig unter der unseren liegt, in südöstlicher Richtung. Wir nehmen die Verfolgung auf. «

Trautman schlug die Seite um und las an einer anderen Stelle weiter: »Wir sind dem unbekannten Objekt heute nahe genug gekommen, um es einigermaßen beschreiben zu können. Mein erster Eindruck, daß es sich um eine Art Schiff handelt, war vollkommen falsch. Ich kann jedoch nicht sagen, was es ist. Wenn seine Form unter der Wasseroberfläche der gleicht, die sichtbar aus dem Meer ragt, so scheint es sich um eine Art flacher Scheibe mit einem Durchmesser von dreißig oder fünfunddreißig Metern zu handeln. « Trautman sah für einen Moment auf. »Fällt euch auf, daß die Angaben in Metern gemacht sind? Wäre der Kapitän tatsächlich ein Engländer oder Amerikaner, wären die Angaben in Fuß oder Yard. « Alle nickten, nur Serena sah ein bißchen verwirrt drein, so daß Mike sagte: »Die Deutschen haben ein anderes Maßeinheitssystem. Sie rechnen in Metern. Die Engländer in Yard. « Trautman bestätigte seine Worte mit einem Nicken und wandte sich dann wieder dem Logbuch zu: »Auf seiner Oberfläche sind weder Bullaugen, Fenster oder irgendeine Einstiegsmöglichkeit zu entdecken. Es scheint aus einem uns unbekannten Metall zu bestehen, denn es weist keinerlei Spuren des Salzwassers oder anderer Witterungseinflüsse auf. Ebenso konnten wir keine Antriebsmöglichkeit gewahren, die es jedoch geben muß, denn das Objekt bewegt sich, zwar mit der Strömung, aber weitaus schneller, als dies allein mit der Kraft der Gezeiten zu erklären wäre. Wir behalten die Verfolgung bei. « Er blätterte weiter. »So geht es zwei oder drei Tage lang. Sie sind offenbar nie nahe genug an das fremde Schiff herangekommen, um es zu betreten, oder haben es nicht gewagt. «

»Aber irgendwann müssen sie doch... « begann Chris, wurde jedoch von Trautman mit einer raschen Handbewegung zum Schweigen gebracht. »Warte«, sagte er. Dann las er weiter: »Freitag, 8. März: Das fremde Objekt ist nicht mehr im Meer. Heute im Morgengrauen erreichten wir eine kleine Inselgruppe -« Er sah auf, blickte in die Runde und fügte mit veränderter Stimme hinzu: »Hier ist nun die genaue Positionsangabe in Längen- und Breitengraden. -auf die es genau zuhielt. Wir konnten einige kleinere Kurskorrekturen beobachten, die eindeutig auf das Wirken einer vernunftbegabten Kraft hinweisen. Das Objekt scheint also bemannt zu sein, auch wenn seine Besatzung bisher keine Anstalten gemacht hat, mit uns in Kontakt zu treten. Die Gruppe besteht aus fünf großen Inseln und etlichen Dutzend kleinerer Eilande und Atolle. Das Objekt steuerte die größte dieser Inseln an und lief gegen Mittag auf dem Strand auf. Es liegt nunmehr nur noch zu einem Viertel im Wasser, so daß wir seine äußere Form genauer erkennen können. Unsere erste

Einschätzung war richtig; es hat tatsächlich die Form einer flachen Scheibe und scheint weder Ruder noch Schrauben oder irgendeinen anderen Antrieb zu haben. Wie es sich im Wasser halten und gar Geschwindigkeit und Kurs bestimmen kann, ist mir ein völliges Rätsel. « »Ich kürze hier ein wenig ab«, sagte Trautman und blätterte weiter, wobei er einige der mit Zetteln markierten Stellen überschlug. »Der Kapitän beschreibt genau, wie sie sich der entsprechenden Insel genähert haben und in einiger Entfernung an Land gegangen sind. Was folgt, ist eine Beschreibung des Bootes, wie wir sie bereits kennen. Der Mann hatte ein sehr scharfes Auge und eine genaue Beobachtungsgabe. Aber nun wird es interessant: Mein Erster Offizier und ich haben uns dem Objekt genähert. Die Insel scheint bewohnt zu sein, denn wir fanden zahlreiche menschliche Fußabdrücke im Sand. Keine dieser Spuren kam dem Objekt jedoch näher als fünf Meter, und auch wir behielten diesen Abstand bei. Es scheint keinen konkreten Anlaß dazu zu geben, doch ich hatte das sehr sichere Gefühl, daß es besser ist, den Gegenstand nicht zu berühren. Auch mein Erster Offizier, den ich normalerweise als sehr pragmatischen und nahezu phantasielosen Menschen kenne, bestätigte mir, das gleiche Empfinden zu haben. Wir untersuchten den Gegenstand also nur aus besagter Distanz, ohne jedoch weitere Einzelheiten zu entdecken. Nach wie vor gibt es keinerlei sichtbareÖffnungen, wenn uns auch das Material, aus dem der Gegenstand besteht, in höchstes Erstaunen versetzt: Obwohl er nahezu so groß ist wie ein Kanonenboot, weist der Rumpf nicht eine einzige Schweißnaht auf; ebensowenig wie Nieten oder Verschraubungen. Wüßte ich nicht, daß es unmöglich ist, ich hätte mein Kapitänspatent darauf verwettet, daß er aus

einem einzigen Stück gegossen worden ist. « Trautman blätterte weiter. »Sonntag, 9. März. Die Insel ist bewohnt. Wir haben heute in den frühen Morgenstunden Kontakt mit den Eingeborenen aufgenommen, die sehr freundlich, aber auch sehr scheu zu sein scheinen. Da weder sie unserer noch wir ihrer Sprache mächtig sind, sind wir auf primitive Zeichen und Symbole angewiesen, um uns mit ihnen zu verständigen. Ich vermute, daß ich mit ihrem Häuptling oder Medizinmann geredet habe, auf jeden Fall aber mit einer Person, die im Stamm hohes Ansehen zu genießen scheint. Ich konnte nicht viel in Erfahrung bringen, doch genug, um zu sagen, daß das fremde Objekt vor zwei Nächten aus dem Meer gekommen ist. Dann noch eine sonderbare Geste, deren Bedeutung mir erst nach einer Weile klar wurde: Es scheint nicht nur von der Brandung angespült worden zu sein, sondern ist angeblich mit einem Satz wie ein springender Fisch auf den Strand hinaufgesprungen. Dies bestätigt unseren Verdacht, daß das Objekt bewußt angetrieben und gesteuert wird, also eine Besatzung haben muß. Wenn das so ist, wieso nimmt sie keinen Kontakt zu uns oder den Eingeborenen auf?«

Die nächste Seite. Mike fiel auf, daß Trautman diesmal gleich drei oder vier der kleinen Zettel überblätterte. Er fragte sich, was der alte Mann an diesen Stellen entdeckt haben mochte, das er ihnen jetzt nicht mitteilte. Vielleicht nur eine bedeutungslose Kleinigkeit, vielleicht aber auch das genaue Gegenteil. »Immer noch Sonntag, der 9., später Nachmittag«, fuhr Trautman fort. »Etwas höchst Bemerkenswertes ist heute geschehen: Einer der beiden Posten, die ich zur Bewachung des Objektes zurückließ, kam vor einer Stunde in höchster Aufregung angerannt und erklärte, daß sich eine Tür geöffnet habe. Mein Erster Offizier, ich selbst und drei weitere Besatzungsmitglieder, die sofort zum Ort des Geschehens eilten, konnten diese Beobachtung bestätigen. Es handelt sich jedoch um eine Tür, die so seltsam und verwirrend ist wie der ganze Gegenstand, denn ich bin zweifelsfrei sicher, an dieser Stellezuvor keinerlei Öffnung bemerkt zu haben. Weder einen Spalt noch Angeln, noch irgendeinen Verschlußmechanismus. Auch jetzt ist nichts dergleichen zu sehen, aber im Rumpf des Objektes befindetsich eine ungefähr anderthalb Meter hohe Öffnung, hinter der flache Stufen zu sehen sind, die jedoch zu schmal und zu klein für die Füße von Erwachsenen sind.