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»Macht das Wegetor«, sagte sie zu Chanelle. »Genau auf dem Abhang dieses Hügels östlich von der Stadt, direkt auf der Erininstraße und in der entgegengesetzten Richtung zur Stadt.«

Die Windsucherinnen stellten sich zu einem Kreis auf, taten, was auch immer sie tun mussten, um sich zu verknüpfen, und ließen sich verflucht viel Zeit dabei. Plötzlich erschien der blausilberne, vertikale Strich eines Wegetors und verbreiterte sich zu einer fünf Schritte hohen Öffnung, die sich über den gerodeten Boden erstreckte und eine breite Lehmstraße zeigte, die die sanfte Steigung des zehn Spannen hohen Hügels auf seinem Weg zum Fluss Erinin zeigte. Arymilla hatte Lager jenseits dieses Hügels. Nach diesen Neuigkeiten zu urteilen, waren sie möglicherweise verlassen — mit etwas Glück waren sie es tatsächlich —, aber damit konnte sie sich jetzt nicht belasten.

»Vorwärts und wie befohlen formieren!«, rief Guybon und trieb seinen großen Braunen hindurch, gefolgt von den versammelten Adligen und den Gardisten, die zu zehnt nebeneinander standen. Die Gardisten bogen links ab und verschwanden aus der Sicht, während die Adligen ein Stück den Hügel hinauf Aufstellung nahmen. Ein paar fingen an, mit Ferngläsern in Richtung Stadt zu schauen. Guybon stieg ab und rannte geduckt zur Hügelkuppe, um durch sein Fernglas zu spähen. Birgitte konnte förmlich die Ungeduld der Gardistinnen hinter ihr spüren.

»Ihr habt kein so großes Tor gebraucht«, sagte Chanelle und schaute stirnrunzelnd den Reitern nach, die in das Wegetor strömten. »Warum…?«

»Kommt mit«, sagte Birgitte und nahm die Windsucherin beim Arm. »Ich möchte Euch etwas zeigen.« Sie nahm den Falben am Zügel und zog die Frau auf das Wegetor zu. »Ihr könnt zurückgehen, sobald Ihr es gesehen habt.« Wenn sie eines über Chanelle wusste, dann, dass sie es war, die den Zirkel leitete. Was den Rest anging, da verließ sie sich auf die menschliche Natur. Sie schaute nicht zurück, hätte aber beinahe vor Erleichterung geseufzt, als sie die anderen Windsucherinnen untereinander tuscheln hörte. Und wie sie ihnen folgten.

Was auch immer Guybon gesehen hatte, es bedeutete gute Neuigkeiten, denn er richtete sich auf, bevor er zurück zu seinem Pferd rannte. Arymilla musste ihre Lager fast völlig geräumt haben. Dann waren es zwanzigtausend vor dem Far-Madding-Tor, wenn nicht sogar mehr. Mochte das Licht dafür sorgen, dass es standhielt. Aber zuerst Elayne. Zuerst und vor allem anderen.

Als sie Guybon erreichte, der wieder auf seinem Braunen saß, nahmen die Gardistinnen an der Seite hinter Caseille in drei Reihen Aufstellung. Die ganze hundert Schritte umfassende Breite des Wegetors war nun voller Männer und Pferde, die im Laufschritt nach links und rechts eilten, um sich zu den anderen zu gesellen, die sich bereits an beiden Straßenseiten zu drei Rängen formierten. Gut. Die Windsucherinnen würden eine Weile lang nicht so einfach zurückkönnen. Direkt hinter den letzten Häusern von Niedercaemlyn, vielleicht eine Meile entfernt, stand ein von vier Pferden gezogener Planwagen, der von einer kleinen Gruppe Berittener umgeben wurde. Hinter ihm wimmelte es vor Leuten auf den offenen Ziegelmärkten, die die Straßen säumten, die ihr Leben lebten, so gut sie konnten, aber sie hätten genauso gut nicht existieren können. Elayne war in dem Wagen. Birgitte hob die Hand, ohne den Blick von dem Wagen zu nehmen, und Guybon legte ihr die Messingröhre des Fernglases auf die Handfläche. Wagen und Reiter sprangen näher heran, als sie das Glas ans Auge hob.

»Was sollte ich sehen?«, verlangte Chanelle zu wissen.

»Einen Moment«, erwiderte Birgitte. Da waren vier Männer, drei von ihnen zu Pferde, aber wichtiger waren die sieben Frauen, die im Sattel saßen. Es war ein gutes Fernglas, aber nicht gut genug, um auf diese Entfernung ein altersloses Gesicht erkennen zu können. Dennoch musste sie davon ausgehen, dass alle sieben Aes Sedai waren. Acht gegen sieben mochte vielleicht als ausgeglichene Chance erscheinen, aber nicht, wenn die acht verknüpft waren. Nicht, wenn sie die acht dazu bringen konnte, ihr zu helfen. Was dachten die Schattenfreunde wohl, die Tausende von Soldaten und Waffenmännern hinter etwas auftauchen sahen, das wie ein Hitzeflimmern in der Luft erschien? Sie senkte das Fernglas. Adlige ritten den Hügel herab, als ihre Waffenmänner erschienen und sich zu den Reihen gesellten.

So überrascht die Schattenfreunde auch sein mochten, sie zögerten nicht lange. Aus dem klaren Himmel zuckten Blitze herab, silbrig blaue Blitze, die krachend in den Boden einschlugen und Männer und Pferde wie aufspritzenden Schlamm umherwirbelten. Pferde stiegen auf die Hinterbeine und wieherten kreischend, aber Männer kämpften darum, ihre Tiere unter Kontrolle zu bringen, ihre Plätze einzuhalten. Niemand ergriff die Flucht. Der krachende Donner, der diese Blitze begleitete, traf Birgitte wie körperliche Schläge, ließ sie taumeln. Sie fühlte, wie sich ihr Haar aufrichtete, wie es sich aus ihrem Zopf lösen wollte. Die Luft roch… scharf. Sie schien zu kribbeln. Wieder regneten Blitze auf die Ränge herab. In Niedercaemlyn rannten die Leute. Viele flohen, aber manche Narren rannten tatsächlich auf Standorte zu, wo sie bessere Sicht haben würden. Die Enden der schmalen Straßen, die ins offene Land hineinführten, füllten sich mit Zuschauern.

»Wenn wir uns dem entgegenstellen müssen, können wir genauso gut in Bewegung sein und es ihren schwerer machen«, sagte Guybon und nahm die Zügel. »Mit Eurer Erlaubnis, meine Lady?«

»Wir werden geringere Verluste haben, wenn wir in Bewegung sind«, stimmte Birgitte zu, und er galoppierte den Hügel hinunter.

Caseille hielt ihr Pferd vor Birgitte an und salutierte. Ihr schmales Gesicht hinter den Visierstangen ihres lackierten Helms war grimmig. »Bitte um die Erlaubnis für die Leibwache, sich in die Linie einzureihen, meine Lady.« Man konnte den Stolz in ihrer Stimme hören. Sie waren nicht bloß irgendeine Leibwache, sie waren die Leibwache der Tochter-Erbin, und sie würden die Leibwache der Königin sein.

»Gewährt«, sagte Birgitte. Wenn jemand das Recht dazu hatte, dann diese Frauen.

Die Arafelianerin riss ihr Pferd herum und galoppierte den Hügel hinunter, gefolgt vom Rest der Leibwache, um ihre Plätze in den von den Blitzen zerrissenen Rängen einzunehmen. Eine Kompanie Söldner, vielleicht zweihundert Männer mit schwarz bemalten Helmen und Harnischen, die hinter einem roten Banner mit einem rennenden schwarzen Wolf ritten, hielten an, als sie sahen, worein sie da ritten, aber Männer hinter den Bannern von vielleicht einem halben Dutzend Häusern drängten an ihnen vorbei, und sie hatten keine andere Wahl, als weiterzureiten. Mehr Adlige ritten nach unten, um ihre Männer anzuführen, Brannin und Kelwin, Laerid und Barel. Niemand zögerte, sobald er sein Banner auftauchen sah. Sergase war nicht die einzige Frau, die ihr Pferd ein paar Schritte zur Seite lenkte, als wollte auch sie sich zu ihren Waffenmännern begeben, sobald ihr Banner aus dem Tor kam.

»Im Schritttempo!«, rief Guybon, um über dem Explosionslärm gehört werden zu können. Entlang der Linie gaben andere Stimmen den Befehl weiter. »Vorwärts!« Er ritt langsam auf die Aes-Sedai-Schattenfreunde zu, während Blitze krachend herabzuckten und Männer und Pferde inmitten von Erdfontänen umhergewirbelt wurden.

»Was sollte ich mir denn ansehen?«, verlangte Chanelle erneut zu wissen. »Ich will hier weg.« Daran war im Augenblick kaum zu denken. Noch immer kamen Männer aus dem Wegetor, galoppierten oder liefen einfach, um zu den anderen aufzuschließen. Jetzt landeten auch Feuerbälle inmitten der Ränge, sorgten für zusätzliche Explosionen aus Dreck, Leibern und Gliedmaßen. Ein Pferdekopf wirbelte sich überschlagend durch die Luft.

»Das da«, sagte Birgitte und zeigte auf das Bild, das sich ihnen bot. Guybon war in den Trab verfallen und zog die anderen mit sich, die drei Reihen rückten stetig vor, weitere Männer beeilten sich nach allen Kräften, zu ihnen zu stoßen. Plötzlich schoss von einer der Frauen neben dem Wagen ein beindicker Strahl aus scheinbar flüssigem weißen Feuer. Er schnitt buchstäblich eine fünfzehn Schritte breite Schneise in die Reihen. Einen Herzschlag lang schwebten Funken in der Luft, die Umrisse getroffener Männer und Pferde, und wurden dann verschlungen. Der Strahl zuckte auf einmal in die Luft, schoss immer höher, um schließlich zu verblassen und matt schimmernde purpurne Linien auf Birgittes Sicht zu hinterlassen. Baalsfeuer, das Menschen aus dem Muster brannte, sodass sie bereits tot waren, bevor sie davon getroffen wurden. Sie riss das Fernglas lange genug ans Auge, um zu sehen, dass die Frau einen schlanken schwarzen Stab hielt, der anscheinend einen Schritt lang war.