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Sie wirkte verärgert. »Du könntest aufhören, dich zu waschen, deinen Bart nicht mehr ölen und eine schmutzige Tunika tragen. Dann siehst du aus wie tausend andere Bauern auch.«

»Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt, weil du so unglaublich charmant sein kannst.«

Ihr Ärger war verflogen, aber ihre Augen wirkten traurig. »Ich weiß, dass der Löwenhäuptige uns finden wird, wenn er es will. Wahrscheinlich haben wir nur diesen einen Abend für unseren Traum. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Zeit gut nutzen und nicht hier herumstehen und reden. Ich möchte mit dir am Ufer des Flusses liegen, dem Wasser lauschen, zu viel Wein trinken und dich lieben, bis die Sonne wieder aufgeht.«

Er ergriff ihre Hand. So viele Jahre hatte er versucht, anderen ein gutes Leben zu schenken. Seine eigenen Träume hatte er dabei längst aufgegeben. »Gut, dass es dich gibt«, sagte er leise. »Nutzen wir diese eine Nacht.«

Epilog

Viele Jahrhunderte später …

Da waren sie wieder, die flackernden Schatten. Dem Ebermann war bewusst, dass die Menschenkinder stundenlang reglos vor der Eiswand knien mussten, damit er sie überhaupt wahrnahm. Sie beteten zu ihm! Wie sie ihn wohl nannten?

Sie hatten ein lächerlich schlecht gearbeitetes Holzbild dort draußen am Eingang der Höhle aufgestellt. Es war mit Hunderten Nägeln gespickt. Was für erbärmliche Wichte das sein mussten, wenn ihnen schon ein Nagel als ein angemessenes Geschenk für einen Gott erschien!

Der Devanthar wusste nicht, wie viele Jahrhunderte vergangen waren, seit seine Geschwister ihn eingesperrt hatten. Geduldig hatte er den Zauber studiert, der seinen Kerker versiegelte. Er hatte versucht, ihn zu zerstören, und gelernt, dass dieses verfluchte magische Gespinst die außerordentliche Fähigkeit besaß, Schaden, der ihm zugefügt wurde, durch die Kraft der Albenpfade zu heilen.

Doch mit der Zeit ließ die Macht des Zaubers nach. Oder vielleicht war es auch seine Macht, die wuchs. Er wusste, er würde entkommen. Er war nicht darauf angewiesen, dass Išta ihm die Gnade erwies, ihn zu befreien. Seine Brüder und Schwestern schienen den Gelben Turm aufgegeben zu haben. Seit langer Zeit spürte er ihre Präsenz nicht mehr in der Welt. Es war folgerichtig, wenn sie Nangog zum neuen Mittelpunkt ihrer Herrschaft gemacht hatten, oder vielleicht sogar Albenmark. Daia war die Welt, aus der sie gekommen waren. Sie war sicher. In den anderen Welten hingegen mussten sie ihre Herrschaft erst noch festigen.

Der Ebermann stand vor der Scheibe aus trübem Eis und betrachtete einen Betenden, der dort kauerte. Ein paar Herzschläge nur, dann war er verschwunden. Wieder blickte er auf das Holzbild. Für was hielten ihn diese Barbaren? Einen bärtigen Kerl?

Er schnaubte. Nicht mehr lange, und er würde ausbrechen. Immer wieder hatte er sich ausgemalt, was er als Erstes tun würde. Vermutlich klares Quellwasser trinken. Er vermisste es, etwas zu schmecken. Bei dem Gedanken an Blut und warmes Fleisch wurde ihm ganz flau. Er benötigte kein Essen, um zu leben. Aber es war ein Genuss, etwas zu schmecken. Seine Hauer in warmes Fleisch zu schlagen. Es zu schlucken.

Er würde kein Wort über den Verrat von Išta, Langarm und dem Gefiederten verlieren. Ob Anatu noch lebte? Egal! Auch das war nicht seine Sorge. Er würde sich anpassen. Er würde allein durch die Wildnis streifen, so wie früher. Und er würde Elfen jagen. Lyvianne war der Schlüssel zu seinem Unglück gewesen. Er hätte sie töten sollen, als er entdeckte, dass sie nach der zweiten Hälfte des Herzens Nangogs suchte. Wie hatte er glauben können, dass Elfen und Devanthar ein Ziel verfolgen könnten!

Seine Krallen glitten über das Eis. Dieses Mal hinterließen sie tiefe Schrammen. Nicht mehr lange, und der Bannzauber würde brechen.

Danksagung

Warum erscheint ein Buch ein halbes Jahr später als angekündigt? Das ist eine Frage, die ich mir in den letzten Monaten des Öfteren – völlig zu recht – anhören musste. Die Gründe sind vielschichtig, doch einer steht sehr im Vordergrund: Trennungsschmerzen! Lächeln Sie? Viele der Figuren aus diesem Buch haben mich für mehr als sechs Jahre begleitet. Da der Drachenelfen-Zyklus nun abgeschlossen ist, werde ich die meisten von ihnen nicht wiedersehen. Sie sind in dieser langen Zeit in meiner Fantasie sehr lebendig geworden und verlangten sehr energisch nach einem guten Ende. (Nicht zu verwechseln mit einem Happy End.) So ist der Abschlussband der Drachenelfen-Saga mit fast 1100 Seiten das umfangreichste all meiner Elfen-Bücher geworden.

Ich hoffe, dass es Euch, liebe Leserinnen und Leser, ganz ähnlich ergehen wird wie mir, und Ihr am Ende ebenfalls zufrieden, vielleicht auch ein wenig wehmütig, das Buch zuschlagt. Der Epilog endet übrigens unmittelbar vor dem Beginn des Romans Die Elfen, sodass sich auch hier ein Kreis schließt und ein Weg, der vor zwölf Jahren begonnen hat, nun wieder zu seinem Ausgangspunkt führt.

Der Weg des Autors ist oft einsam und besteht aus vielen Stunden unentschlossenen Brütens, ob die Geschichten, die man ersinnt, auch wirklich lesenswert sind. In diesen Stunden sind es die unzähligen Mails, Briefe, Posts und freundlichen Kritiken, die ich erhalten habe, die mir Mut und Kraft geben. Auch wenn ich nur selten antworte, lese ich doch fast alles, was mir über meine Homepage oder meine Facebook-Seite geschickt wird. Sie lassen mich schmunzeln oder berühren mich, und manchmal schenken sie mir auch neue Ideen für meine Bücher. Dass ich diese Briefe – insbesondere die unerledigten – selten vergesse, wissen alle, die mich bei Lesungen darauf ansprechen. Probieren Sie es aus!

Entschuldigen muss ich mich – wieder einmal – bei meiner Familie, bei Xinyi, Melike und Pascal, denen meine Arbeit in diesem Jahr ein sehr spezielles Weihnachten beschert hat, bei dem ich mehr Zeit in Albenmark verbrachte als neben unserem Tannenbaum. Es waren die durchgekicherten Frühstücke, wilde Schwertkämpfe mit Latexklingen und Ginseng-Tees tief in der Nacht, die mich nie ganz vergessen ließen, in welche Welt ich gehöre.

Als treue Weggefährten auf dem Schlachtfeld der Literatur erwiesen sich: Karl-Heinz, der nie müde wurde, meine unorthodoxen Ansichten zur Verteilung von Kommas in Texten mit den Regeln der Rechtschreibung in Einklang zu bringen. Elke, die darauf achtete, dass einige verbale Eskapaden meiner Elfen wieder auf den Boden des allgemein Verständlichen zurückfanden und Babette, die mich wieder einmal dabei erwischt hat, das ich nicht alle mit dem richtigen Namen angesprochen habe.

Träume, die Musik geworden sind, schenkte mir erneut Maite Itoiz, die mich in langen Schreibnächten mit exklusiven Hörproben neuer Lieder versorgte und darüber hinaus in den dunkleren Stunden des Jahres eine treue Freundin war.

Wieder war es Martina Vogl, die den Roman als Lektorin betreute und mit Empathie meine Reisen durch jene verwunschenen Welten begleitete, die ihr inzwischen genauso vertraut sind wie mir. Danke für die Rückendeckung und den unerschütterlichen Glauben an ein gutes, wenn auch etwas verspätetes Ende.

Mein besonderer Dank aber gilt all jenen Buchhändlerinnen und Buchhändlern, die den Elfen so lange schon die Treue halten. Jenen, mit denen ich in den vergangenen Jahren so viele gute und manchmal auch schwere Gespräche geführt habe und denen ihr Beruf auch in diesen unruhigen Zeiten Berufung geblieben ist. Wir wissen: Bücher sind mehr als ein Geschäft, sie sind eine Leidenschaft.

Bernhard Hennen
Januar 2016

Dramatis personae der Drachenelfen-Saga

Die Devanthar und andere Göttergleiche

Anatu   Devanthar, einst Göttin der Luwier, die sich mit dem Purpurnen, einer der Himmelsschlangen, einließ und ihn verführte, nach Daia zu kommen.

Ebermann   Oder auch Manneber. Name, den die Menschen einem der Devanthar gaben, da er häufig in einer Gestalt halb Eber und halb Mensch auftritt.