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Pat nickte. Die Menschen hatten ihre Laster auch mit auf den Mond gebracht.

»Man kann es dem armen Teufel nicht übelnehmen, dass er den wirklichen Grund nicht sagen wollte. Man hat ihm die Spritze abgewöhnt, aber offensichtlich erst vor ganz kurzer Zeit. Es ist ihm psychisch unmöglich, einer Injektion zuzustimmen. Hoffentlich bekommt er keinen Rückfall. Aber das ist schließlich sicherlich nicht seine größte Sorge.«

»Wie konnte er denn damit durch die Quarantäne kommen?«

»Oh, es gibt eine eigene Abteilung für solche Leute. Die Ärzte sprechen nicht davon, aber man versucht, es ihnen unter Hypnose abzugewöhnen.«

Pat hätte Harding gern noch ein paar weitere Fragen gestellt, aber sie hatten bereits zu viel Zeit verschwendet. Gott sei Dank waren alle anderen Passagiere bereits bewusstlos.

»Du brauchst mich jetzt nicht mehr«, sagte Sue, tapfer lächelnd. »Wiedersehen, Pat — weck mich, wenn alles vorbei ist.«

»Ganz bestimmt«, versprach er. »Vielleicht ist es gar nicht mehr nötig«, fügte er hinzu, als er sah, dass sie die Augen schloss.

Er blieb einige Sekunden lang über sie gebeugt, bis er sich wieder so weit in der Beherrschung hatte, dass er die anderen ansehen konnte. Er hätte ihr so vieles zu sagen gehabt — aber jetzt war die Gelegenheit vorbei, vielleicht für immer.

Er wandte sich an die fünf Übriggebliebenen. Jetzt gab es nur noch ein Problem, und David Barrett kam sofort darauf zu sprechen.

»Also, Captain«, sagte er, »spannen Sie uns nicht auf die Folter. Wer von uns soll Ihnen Gesellschaft leisten?«

Pat überreichte jedem ein Röhrchen.

»Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe«, meinte er. »Ich weiß, dass das Ganze ein bisschen melodramatisch klingt, aber so ist es wohl am besten. Nur vier von den Röhrchen wirken.«

»Hoffentlich das meine«, sagte Barrett, ohne lange zu zögern.

Es wirkte. Ein paar Sekunden später lagen Harding, Bryan und Johanson bewusstlos auf ihren Sitzen.

»Aha«, meinte Dr. McKenzie, »dann bleibe ich also übrig. Ich bin sehr geschmeichelt. Oder hatten Sie es dem Zufall überlassen?«

»Bevor ich diese Frage beantworte«, erwiderte Pat, »möchte ich Port Roris mitteilen, was geschehen ist.«

Er ging zu seinem Funkgerät und erstattete kurz Bericht. Einige Zeit herrschte schockiertes Schweigen, dann, ein paar Minuten später, meldete sich Chefingenieur Lawrence.

»Sie haben natürlich das einzig Richtige getan«, sagte er, nachdem Pat ihn mit den Einzelheiten vertraut gemacht hatte. »Selbst wenn keine Schwierigkeiten mehr auftreten, können wir Sie frühestens in fünf Stunden erreichen. Glauben Sie, dass Sie bis dahin aushalten?«

»Wir beide ja«, antwortete Pat. »Wir können abwechselnd das Atemgerät des Raumanzugs benützen. Ich mache mir nur um die Passagiere Sorgen.«

»Es bleibt Ihnen nur übrig, ihre Atmung zu kontrollieren und ihnen von Zeit zu Zeit etwas Sauerstoff zuzuführen. Wir werden unser Möglichstes tun. Wollen Sie noch etwas sagen?«

Pat dachte ein paar Sekunden nach. »Nein«, erwiderte er müde. »Ich rufe Sie jede Viertelstunde. Ende.«

Er stand langsam auf, denn die Kohlendioxydvergiftung machte sich bereits bemerkbar, und sagte zu McKenzie: »Also los, Doc — helfen Sie mir mit dem Raumanzug.«

»Ich hatte ihn völlig vergessen.«

»Und ich machte mir Sorgen, weil ich dachte, einer von den Passagieren würde sich daran erinnern. Sie müssen ihn doch alle gesehen haben, als sie durch die Luftschleuse hereinkamen.«

Innerhalb von fünf Minuten hatten sie die Absorber und die Sauerstoffflaschen vom Raumanzug abmontiert. Sie enthielten eine Reserve für vierundzwanzig Stunden.

Mit schmerzenden Lungen starrten die beiden Männer einander an, als Pat den grauen Metallzylinder, der noch einen Tag Leben zu spenden vermochte, in den Händen hielt. Dann sagten sie gleichzeitig: »Sie zuerst.«

Sie lachten kurz auf, dann meinte Pat: »Nur keine langen Diskussionen.« Er presste die Sauerstoffmaske aufs Gesicht.

Wie eine kühle Meeresbrise nach einem staubigen Sommertag, wie ein Wind aus Bergtannenwäldern — so glaubte Pat den Sauerstoff zu spüren. Er atmete viermal langsam und tief ein und ebenso lange aus, um das Kohlendioxyd aus seinen Lungen zu entfernen. Dann gab er das Atemgerät wie eine Friedenspfeife an McKenzie weiter. Diese vier Atemzüge hatten ausgereicht, ihn zu beleben und seine Gedanken wieder klarzumachen. Er kam sich wie neugeboren vor. Jetzt konnte er die fünf — mindestens fünf — Stunden überstehen, die sie noch zu warten hatten.

Zehn Minuten später steigerte sich seine Zuversicht noch. Alle Passagiere schienen normal zu atmen — sehr langsam, aber gleichmäßig. Er führte jedem etwas Sauerstoff zu und rief dann wieder den Stützpunkt.

»Hier ist die Selene«, sagte er. »Captain Harris am Mikrofon. Dr. McKenzie und ich fühlen uns jetzt recht gut, keiner der Passagiere scheint Beschwerden zu haben. Ich schalte auf Empfang und melde mich in fünfzehn Minuten wieder.«

»Verstanden. Einen Augenblick noch — ein paar Reporter möchten mit Ihnen sprechen.«

»Tut mir leid«, erwiderte Pat. »Ich habe schon alle Informationen durchgegeben und muss mich jetzt um zwanzig bewusstlose Männer und Frauen kümmern. Ende.«

Das war natürlich nur eine Ausrede. Er wusste nicht einmal, warum er sich ihrer bedient hatte. In einer plötzlichen Wutaufwallung dachte er: Man darf nicht einmal mehr in Ruhe sterben! Vielleicht hätte er sich noch mehr aufgeregt, wenn ihm etwas von der nur fünf Kilometer entfernt wartenden Fernsehkamera bekannt gewesen wäre.

»Sie haben meine Frage immer noch nicht beantwortet«, meinte Dr. McKenzie geduldig.

»Welche Frage? Ach so. Nein, es war kein Zufall. Der Commodore und ich dachten, dass wir Sie am besten gebrauchen können. Sie sind ein Wissenschaftler, Sie haben als Erster die Gefahr der Überhitzung bemerkt und nichts davon erzählt, als wir Sie darum baten.«

»Nun, ich werde versuchen, Ihren Erwartungen zu entsprechen. Ich muss sagen, dass ich mich munterer fühle als je zuvor. Das muss am Sauerstoff liegen. Die große Frage ist nur — wie lange wird er reichen?«

»Für uns beide zwölf Stunden — inzwischen sind die Staubschlitten längst hier. Aber wir werden das meiste davon den anderen geben müssen, wenn sie Atemschwierigkeiten haben. Ich fürchte, dass es sehr knapp werden wird.«

Sie saßen beide im Schneidersitz auf dem Boden, die Sauerstoffflasche zwischen sich. Alle paar Minuten drückten sie abwechselnd die Maske aufs Gesicht — aber jeweils nur für zwei Atemzüge. Ich hätte nie geglaubt, dachte Pat, dass ich mich jemals in einer Situation befinden würde, die den kitschigen Raumfahrerfilmen entnommen sein könnte.

Sowohl Pat als auch McKenzie konnten überleben, wenn sie die anderen Passagiere ihrem Schicksal überließen. Das Bemühen, diese zwanzig Männer und Frauen am Leben zu erhalten, mochte auch ihren Untergang bedeuten.

Es handelte sich um eine jener Situationen, in denen die Logik nicht mit dem Gewissen in Widerstreit liegt. Aber sie war durchaus nicht neu, sie hatte nichts mit dem Zeitalter der Raumschifffahrt zu tun. Sie war so alt wie die Menschheit, denn zahllose Male in der Vergangenheit hatten Gruppen von Menschen dem Tod gegenübergestanden, weil es ihnen an Wasser, Nahrung oder Wärme mangelte. Jetzt fehlte eben der Sauerstoff, aber im Prinzip war es das Gleiche. Im Übrigen gehörten weder er noch McKenzie zu den Menschen, die wegen des letzten Restes Sauerstoff im Tank kämpfen würden.

»Warum lächeln Sie?«, fragte McKenzie.

»Wenn Sie's genau wissen wollen«, meinte Pat, als er die Sauerstoffmaske absetzte, »ich habe darüber nachgedacht, dass ich wenig Chancen gegen Sie hätte, wenn Sie beschließen würden, die Sauerstoffflasche für sich zu behalten.«

McKenzie sah ihn überrascht an, dann grinste er. »Ich dachte, dass alle auf dem Mond Geborenen in dieser Hinsicht sehr empfindlich seien«, sagte er.