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«Wovon?«

«Genau das weiß ich ja nicht«, erwiderte Marian.»Aber ich habe Angst um Stan, Indy. Es muß etwas mit dieser letzten Reise zu tun haben. Er muß irgend etwas gefunden oder entdeckt haben, was ihn so verändert hat. Er redet wirres Zeug, und er … er trifft sich mit sonderbaren Leuten. Unheimlichen Leuten.«

«Wie meinst du das?«Indiana wurde hellhörig.

Marian hob die Schultern.»Ich habe sie nur ein- oder zweimal gesehen«, sagte sie.»Und Stan war deshalb sehr wütend auf mich.«

«Männer wie die beiden von vorhin?«

Wieder schüttelte Marian den Kopf.»Nein. Es waren … ziemlich zwielichtige Gestalten. Und er gibt ihnen Geld, sehr viel Geld. «Sie stockte einen Moment, und Indiana konnte sehen, welche Überwindung es sie kostete, weiterzusprechen.»Ich war heute morgen auf der Bank, Indy. Ich wollte etwas abheben. Aber unser Konto ist völlig leer. Stanley hat gestern abend bis auf den letzten Dollar alles abgehoben. Deshalb war ich vorhin in der Universität, um mit ihm zu sprechen.«

«Und was hat er gesagt?«erkundigte sich Indiana.

«Er war nicht da«, sagte Marian.»Er ist gar nicht erschienen. Er ist heute morgen wie immer aus dem Haus gegangen, aber er ist nicht in der Universität angekommen.«

«Und jetzt hast du Angst, daß ihm etwas passiert ist«, vermutete Indiana. Er überlegte einen Moment.»Diese Männer, die anriefen«, sagte er dann.»Was genau wollten sie von dir?«

Marian machte eine hilflose Geste.»Sie haben … Fragen gestellt. Aber ich habe gar nicht begriffen, was sie wollten. Sie fragten nach irgendeinem Plan. Nach einer Karte, die Stanley ihnen versprochen hat. Und sie haben gedroht, sie würden sie sich mit Gewalt holen, wenn ich sie ihnen nicht gäbe. Aber ich kann sie ihnen nicht geben, weil ich gar nicht weiß, wo sie ist. Ich weiß nicht einmal genau, wovon sie überhaupt reden.«

«Hast du in Stans Arbeitszimmer nachgesehen?«

«Es ist abgeschlossen«, sagte Marian.»Und Stanley hat den einzigen Schlüssel immer bei sich.«

«Du solltest zur Polizei gehen«, sagte Indiana ernst.»Ich würde dir das sogar ganz dringend empfehlen. Die beiden Burschen, die dich vorhin verfolgt haben, sahen nicht so aus, als ob sie sehr viel Spaß verstünden.«

«Zur Polizei?«Marians Stimme wurde fast schrill.

«Es wäre das beste«, sagte Indiana besänftigend.»Mit Männern, die mit Pistolen herumfuchteln, sollte man nicht scherzen.«

«Aber was soll ich ihnen denn sagen?«fragte Marian.»Daß Stan sich verändert hat? Daß er wie besessen ist? Daß er sich mit zwielichtigen Gestalten trifft und ihnen Karten zum Kauf anbietet? Das ist nicht verboten.«

«Es kommt erst einmal darauf an, was für Karten es sind und was für Gestalten«, antwortete Indiana. Aber er verstand, warum Marian davor zurückscheute, die Polizei einzuschalten. Trotz allem war Stanley ihr Mann.»Wenn du möchtest, dann rede ich mit Stan«, fuhr er fort.»Noch besser — ich begleite dich nach Hause und sehe mir an, was er in seinem Arbeitszimmer in den letzten drei Monaten getrieben hat.«

«Die Tür ist abgeschlossen.«

Indiana lächelte flüchtig.»Das Schloß, das mich aufhält, muß erst noch konstruiert werden.«

«Das ist wirklich lieb von dir, Indy«, sagte Marian.»Aber ich möchte nicht, daß du noch tiefer in die Sache hineingezogen wirst. Du hast meinetwegen schon genug Ärger gehabt.«

Indiana sah sie durchdringend an. Er zweifelte nicht an dem, was Marian ihm bisher erzählt hatte — aber es war nicht die ganze Wahrheit. Er spürte sehr deutlich, daß es da noch etwas gab, was sie ihm verschwieg.

«Ich möchte jetzt gehen, Indiana«, sagte sie plötzlich.

«Den Teufel wirst du tun«, antwortete er.»Du wirst dies Haus nicht ohne mich verlassen. Ich werde zuerst zu dir nach Hause mitfahren und dort nach dem Rechten sehen. Diese beiden Typen von vorhin wissen vielleicht nicht, wo ich wohne. Aber ich bin ziemlich sicher, daß sie wissen, wo du wohnst. Möchtest du ihnen wieder begegnen?«

Marian wurde noch ein bißchen blasser, und Indiana fuhr, nach einer angemessenen Pause, um seine Worte wirken zu lassen, fort:»Ich halte es für falsch, nicht zur Polizei zu gehen. Aber es ist deine Entscheidung. Ich respektiere sie, aber dann mußt du auch meine Hilfe annehmen, ob es dir paßt oder nicht.«

Das Haus, in dem Marian und Stanley Corda lebten, lag fast am entgegengesetzten Ende der Stadt, in einer Gegend, in der die Grundstückspreise dreimal so hoch waren wie in der, in der Indiana und die meisten seiner Kollegen residierten. Hier versuchten die Häuser nur noch bescheiden auszusehen, waren es aber ganz und gar nicht mehr. Statt eines leicht verwilderten Vorgartens erstreckte sich vor diesem Haus eine Rasenfläche von der Abmessung eines kleinen Parks, und statt eines Schuppens, der vor zehn Jahren hätte gestrichen werden müssen und in dem ein betagter Ford vor sich hin rostete, lehnte eine schmucke Doppelgarage mit Stanleys deutschem Nobelwagen und Marians Buick an diesem Haus. Es gibt zweifellos gewisse Unterschiede zwischen meinem und Professor Stan Cordas Lebensstil, dachte Indiana sarkastisch, während er neben Mari-an auf die Tür zuging. Ehrlichkeit lohnt sich eben nicht immer. Nicht zum ersten Mal fragte er sich beim Anblick dieses Hauses, wieso noch niemandem an der Universität aufgefallen war, daß Corda ein Leben führte, das er sich im Grunde gar nicht leisten konnte. Vermutlich war Indiana Jones der einzige, der wirklich wußte, woher das Geld für dieses Haus, die Wagen und den aufwendigen Lebensstil von Stan Corda stammte. Doch Stanley war vielleicht ein Dieb, aber kein Dummkopf. Er hatte niemals über Geld geredet, wohl aber hier und da eine gezielte Bemerkung fallengelassen, die es seinen Kollegen und Vorgesetzten ermöglichte, ihr kriminalistisches Gespür zu aktivieren und sich aus den hingeworfenen Brocken und einigen gut konstruierten Indizien genau die Geschichte zusammenzu-basteln, die sie glauben sollten — nämlich, daß Stan kurz vor seinem Umzug hierher eine Erbschaft gemacht hatte, die ihm dieses Haus erlaubte und deren Zinsen er nun aufzehrte.

Indiana blieb auf der Treppe vor dem Eingang stehen und sah sich aufmerksam nach allen Seiten um, während Marian ihre Handtasche aufklappte und nach dem Hausschlüssel zu suchen begann. Er fühlte sich wie auf dem Präsentierteller. Von dem schwarzen Ford, mit dem die beiden Schläger vor der Universität vorgefahren waren, konnte er keine Spur entdecken. Aber so dumm waren sie bestimmt nicht, nicht früher oder später hierher zurückzukehren und in aller Ruhe auf Marian zu warten.

«Was ist los?«fragte er, als Marian immer hektischer in ihrer Handtasche herumkramte und dabei die Stirn runzelte.

Sie seufzte, blickte ihn eine Sekunde lang fast hilflos an — und seufzte dann noch einmal und sehr viel tiefer.»Ich Dummkopf!«sagte sie.»Der Schlüssel ist ja im Wagen!«

Indiana sah sie fragend an.

«Er steht noch auf der Straße vor der Universität.«

Jetzt war er überrascht.

Sie lächelte; verwirrt und auch ein wenig verlegen.»Ich … war viel zu aufgeregt, um daran zu denken«, gestand sie.»Ich — «

Der Rest ihrer Worte ging in einem halblauten, überraschten Aufschrei unter, denn sie hatte sich mit der Schulter gegen die Tür gelehnt, während sie mit Indiana sprach — und der verhinderte einen Sturz nur im letzten Moment, denn die Tür gab unter der Berührung nach und schwang nach innen.

Indiana war mit einem Satz bei ihr und riß sie zurück — aber nicht nur, weil sie zu stürzen drohte. Vielmehr hatte er gesehen, daß keineswegs Marian nur vergessen hatte, die Tür hinter sich zuzuziehen — jemand hatte ein Brecheisen genommen und das Schließblech mitsamt einem Gutteil des Türrahmens einfach herausgebrochen!