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Bolitho versuchte, sich zu entspannen, und war froh darüber, daß sie seine Verkrampfung der Angst vor dem Messer zuschrieb. In Wirklichkeit war ihre aufregende Nähe daran schuld, die Berührung ihrer Brust, als sie sich über ihn neigte, und ihrer Hände auf seinem Gesicht und Hals.

«Fertig. «Sie trat zurück und musterte ihn beifällig.»Sie sehen sehr. «Sie suchte nach einem passenden Wort ihres Vokabulars,». sehr vornehm aus.»

Bolitho fragte:»Darf ich sehen?«Er bemerkte ihr Zögern.»Bitte.»

Sie nahm einen Handspiegel vom Kajütbord und sagte:»Sie sind sehr kräftig. Sie werden wieder ganz gesund.»

Er starrte das Gesicht im Spiegel an. Es schien einem Fremden zu gehören. Der Arzt hatte das Haar über der rechten Schläfe wegrasiert und zwischen Haaransatz und Augenbrauen war seine Stirn rot und schwarz angelaufen. Bulkley schien zwar zufrieden, als er den Verband abgenommen hatte, aber für Bolithos Augen wirkte die noch nicht verheilte Wunde, die noch durch die kreuz und quer laufenden Stiche der zusammenziehenden Naht vergrößert war, abstoßend.

Er sagte leise:»Ich muß dich anwidern.»

Sie legte den Spiegel weg und sagte:»Nein, ich bin stolz auf dich. Nichts kann dich aus meinem Herzen vertreiben. Seit dem Augenblick, als du hereingetragen wurdest, war ich bei dir. Ich habe über dich gewacht und kenne deinen Körper wie meinen eigenen. «Sie begegnete seinem fragenden Blick.»Diese Narbe wird bleiben, aber sie ist ein Ehrenzeichen und keine Schande.»

Etwas später verließ sie ihn, da Dumaresq sie zu sich gebeten hatte.

Der Kommandantensteward Macmillan erzählte Bolitho, daß die Destiny am kommenden Tag die Insel Saint Christopher sichten würde. Es war daher wahrscheinlich, daß der Kommandant die Angaben

Egmonts noch einmal überprüfen und sich vergewissern wollte, daß er auch jetzt dabei blieb.

Die Jagd nach dem verschwundenen Gold war Bolitho unwichtig. Während der Schmerzanfälle und als er dann in Auroras Armen der Genesung entgegenging, hatte er viel Zeit gehabt, über seine Zukunft nachzudenken. Vielleicht zu viel Zeit.

Der Fortschritt in seinem Befinden zeigte sich auch darin, daß verschiedene Besucher kamen. Rhodes, der vor Freude, ihn wiederzusehen, über das ganze Gesicht strahlte, war unverfroren wie immer, als er meinte:»Jetzt sehen Sie wirklich wie ein Schreckgespenst aus, Richard. Da werden sämtliche Dirnen Reißaus nehmen, wenn wir in den nächsten Hafen einlaufen. «Im übrigen war Rhodes sorgsam darauf bedacht, Aurora nicht zu erwähnen.

Auch Palliser erschien, und seine Worte kamen fast einer Entschuldigung nahe:»Wenn ich — wie Colpoys vorschlug — Seesoldaten mitgeschickt hätte, wäre das Ganze nicht passiert. «Er zuckte mit den Schultern und sah sich in der Kajüte um. Sein Blick blieb auf den weiblichen Kleidungsstücken ruhen, die von der Zofe vor den Heckfenstern zum Trocknen aufgehängt waren.»Aber offenbar hat Ihr Krankenlager auch angenehme Seiten.»

Bulkley und der Schreiber des Kommandanten beaufsichtigten Bo-lithos erste Schritte aus der Kajüte. Bolitho genoß es, wie das Schiff unter seinen nackten Füßen lebte, aber er wußte auch, daß er noch sehr schwach und schwindlig war, so sehr er das auch zu verbergen suchte.

«Dürfte eine schwere Fraktur sein«, sagte Spillane, und Bulkley wünschte ihn und seine medizinischen Kenntnisse dafür zum Teufel. Er antwortete barsch:»Unsinn! Aber immerhin ist es erst ein paar Tage her.»

Bolitho hatte mit dem Tod gerechnet; je weiter seine Genesung fortschritt, desto undenkbarer schien es ihm, einen anderen Weg einschlagen zu müssen: daß er mit dem nächsten Schiff nach Hause geschickt, aus der Marine entlassen und nicht einmal auf Halbsold» zur späteren Verwendung «gesetzt werden würde.

Gerne hätte er sich bei Stockdale bedankt, aber dem war es trotz seiner guten Beziehungen an Bord bisher nicht gelungen, am Posten Kajüte vorbeizukommen. Alle Midshipmen mit der bemerkenswerten Ausnahme von Coldroy hatten ihn besucht und seine schreckliche Narbe mit einem Gemisch aus Mitleid und Ehrfurcht angestarrt. Jury war es unmöglich gewesen, seine Gefühle zurückzuhalten.»Und ich habe wegen eines Nadelstichs geheult wie ein Baby!«rief er aus.

Es war schon später Abend, als Aurora in die Kajüte zurückkehrte. Er spürte eine Veränderung an ihr, bemerkte die Geistesabwesenheit, mit der sie sein Kopfkissen glattstrich und nachschaute, ob seine Wasserkaraffe gefüllt war.

Sie sagte leise:»Morgen muß ich dich verlassen, Richard. Mein Mann hat die Dokumente unterschrieben, damit ist alles erledigt. Der Kommandant hat versprochen, daß er uns gehen läßt, wohin wir wollen, sobald er den Gouverneur von Saint Christopher gesprochen hat. Was danach kommt, weiß ich nicht.»

Bolitho ergriff ihre Hand und versuchte, nicht an das andere Versprechen zu denken, das Dumaresq dem Kapitän der Heloise gegeben hatte, kurz bevor er starb. An einem Hieb von Bolithos Klinge.

Er sagte:»Auch ich werde das Schiff vielleicht verlassen müssen.»

Sie schien ihre eigenen Sorgen zu vergessen und beugte sich bekümmert über ihn.»Was heißt das? Wer hat gesagt, daß du gehen mußt?»

Er griff vorsichtig nach oben und berührte ihr Haar. Es fühlte sich an wie Seide.»Das ist jetzt nicht mehr wichtig, Aurora.»

Sie zeichnete mit ihrem Finger ein Muster auf seine Schulter.»Wie kannst du so etwas sagen? Natürlich ist es wichtig. Die See ist dein Leben. Du hast zwar schon viel erlebt und noch mehr geleistet, aber dein wirkliches Leben liegt immer noch vor dir.»

Er spürte ihr Haar an seinem Kinn und zitterte innerlich.»Ich habe beschlossen, die Marine zu verlassen.»

«Nach allem, was du mir über die Tradition deiner Familie erzählt hast? Das willst du alles wegwerfen?»

«Für dich, ja.»

Sie schüttelte den Kopf, wobei ihn ihr langes schwarzes Haar streichelte.»So etwas darfst du nicht sagen!»

«Mein älterer Bruder ist der Lieblingssohn meines Vaters, ist es immer gewesen. «Es war eigenartig, daß er dies jetzt ohne jede Bitterkeit sagen konnte.»Er kann die Tradition aufrechterhalten. Ich wünsche mir nur dich, weil ich dich liebe.»

Er sagte es so heftig, daß sie sichtlich erschrak. Sie griff sich an die Brust, und ihr heftiger Atem strafte ihre äußere Gelassenheit Lügen.

«Das ist doch Wahnsinn! Ich weiß alles über dich, aber du weißt überhaupt nichts von mir. Was wäre das für ein Leben für dich, zuzusehen, wie ich immer älter werde und du dich zurücksehnst nach der See, nach den Chancen, auf die du meinetwegen so unüberlegt verzichtet hättest. «Sie legte ihm eine Hand auf die Stirn.»Es ist wie ein Fieber, Richard. Kämpfe dagegen an, sonst verzehrt es uns beide.»

Bolitho wandte das Gesicht ab; seine Augen brannten, als er sagte:»Ich könnte dich glücklich machen, Aurora!»

Sie streichelte seine Arme in dem Versuch, seine Verzweiflung zu lindern.

«Daran habe ich nie gezweifelt. Aber zum Leben gehört mehr als das, glaub mir. «Sie rückte etwas von ihm ab, und ihr Körper wiegte sich dabei im Einklang mit den sanften Bewegungen des Schiffes.»Ich habe dir schon einmal gesagt, daß ich dich lieben könnte. In den vergangenen Tagen und Nächten habe ich dich beobachtet, dich berührt. Meine Gedanken waren oft sündhaft, mein Verlangen war größer, als ich zuzugeben wage. «Sie schüttelte den Kopf.»Bitte schau mich nicht so an. Vielleicht war diese Reise nach allem, was geschehen ist, zu lang, und die Trennung morgen kommt zu spät. Ich weiß selber nicht mehr aus noch ein.»

Sie wandte sich ab; ihr Gesicht lag im Schatten, als sie, von den salzüberkrusteten Heckfenstern umrahmt, mit hängenden Armen dastand.

«Ich werde dich nie vergessen, Richard, und mir später wahrscheinlich Vorwürfe machen, daß ich dein Angebot ausschlug. Aber ich bitte dich um deine Hilfe dabei, allein schaffe ich es nicht.»

Macmillan brachte das Abendessen für Bolitho; er sagte:»Verzeihung, Madam, aber der Kommandant und seine Offiziere lassen höflich sagen, ob Sie ihnen die Ehre geben würden, mit ihnen zu speisen. Es wäre heute das letzte Mal, sozusagen.»