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Über das, was zum Vorschein kam, war Mrs. Pollifax ebenso gerührt wie amüsiert, weil ihr ähnliche Sammlungen ihres Sohnes Roger einfielen, als er im selben Alter war. Nur daß Rogers Schätze nicht den Wert hatten wie Chandas Sammlung hier im Busch. Die Gesellschaft war eine andere.

»Aus Cifulo«, erklärte Chanda und deutete auf einen Ort außerhalb ihrer Hütte. »Mushi, meine Heimat.«

»Meinst du, ehe du zu Dr. Henry kamst?«

»Davor«, erklärte er und deutete sachlich auf sein vernarbtes Bein. Er nahm die Gegenstände seiner Sammlung in die Hand und erklärte sie ihr. »Munga - Dorn.«

»Munga«, wiederholte sie und nickte.

»Bulobo - Fischhaken. Mwele - Messer.« Mwando war ein Knäuel Bindfaden, lino war ein Zahn. »Und cibiliti«, schloß er und hielt zwei Zündhölzer hoch.

»Und eine Schlange«, sagte sie und deutete auf ein Streifchen getrockneter Haut.

Er nickte. »Nsoka. Hat mein Vater mir gegeben. Er war Jäger, sehr großer Mann. Er spürte Wild auf. Er mich lehrt. Ich bin auch Jäger.«

»Dann willst du auch Jäger werden?«

»Ich schon Jäger.« Er lachte sie an. »Sehr guter.« Sie sah schweigend zu, wie er seine Schätze wieder im Beutel verstaute, jedes Stück liebevoll berührend.

Als er aufstand, sagte sie ruhig: »Ich danke dir, Chanda.«

»Sie jetzt Nunandi«, sagte er. »Freund. Sie und Dr. Henry. Und jetzt Sie haben Bad. Ich zeige Ihnen.«

Zehn Minuten später saß Mrs. Pollifax in einer kleinen, strohgedeckten Hütte in einem Zuber mit warmem Wasser, summte zufrieden vor sich hin und fand, daß es ihr auf dieser Safari sehr gut ging und daß sie ein paar gute Fotos gemacht hatte. Zwanzig Minuten später kehrte sie in ihr Zimmer zurück und setzte sich aufs Bett, um weitere Pläne zu machen. Gestern hatte sie ihren ersten Film abgeknipst. Er lag jetzt wohlverwahrt in ihrem Koffer. Heute morgen hatte sie den zweiten angefangen. Blieben noch vier neue Filme, was - sie rechnete kurz nach - dreiundneunzig weitere Schnappschüsse bedeutete, die sie z. T. für Tier- und Landschaftsaufnahmen verwenden würde. Sie hatte von jedem ihrer

Reisegefährten mindestens schon ein Foto gemacht, und das gefiel ihr sehr. Einige der Bilder mochten nichts geworden sein, natürlich, aber es war ein guter Anfang, und von morgen ab konnte sie sich etwas entspannen und mehr Gelegenheitsaufnahmen machen. Zufrieden berührte sie die vier Schachteln mit den noch unbenutzten Filmen in ihrem Koffer. Ihre Hand glitt in die Tasche ihrer zusammengelegten Buschjacke, um nach dem Film zu spüren, den sie dorthin gesteckt hatte. Der Film war nicht da.

Sprachlos nahm Mrs. Pollifax die Jacke heraus, drehte sämtliche Taschen nach außen, warf sie auf das Bett und wühlte ihren Koffer durch. Sie kroch unter das Bett. Dann durchsuchte sie ihre Handtasche. Völlig außer sich, kippte sie den Inhalt ihres Koffers auf das Bett und begann eine wilde Suchaktion. Kein Film. Ruhe bewahren, ermahnte sie sich und setzte sich aufs Bett mitten zwischen helle Pullover, Gesichtscremes, Hosen und Pantoffeln. Heute mittag hatte sie den Film in Chunga eingepackt und den Koffer abgeschlossen. Ein paar Minuten später, als der Junge gekommen war, um den Koffer abzuholen, hatte sie ihn noch einmal aufgeschlossen, um ihre Zahnbürste hineinzulegen. Doch da war der Film noch vorhanden gewesen. Sie sah ihn vor sich, wie er sich in der Tasche ihrer zusammengefalteten Buschjacke abgezeichnet hatte. Der Film war in ihrem Koffer eingeschlossen gewesen, als der Koffer Chunga verließ, und ihr Koffer war verschlossen gewesen, als sie ihn vor einer halben Stunde geöffnet hatte, um ein Stück Seife herauszunehmen. Sie hatte blindlings hineingegriffen, weil sie wußte, wo die Seife lag. Aber dazu hatte sie den Koffer aufschließen müssen, und das Schloß war nicht beschädigt gewesen. Verloren hatte sie den Film also nicht, dachte sie grimmig. Jemand mußte ihn gestohlen haben, während sie gebadet hatte.

Sie saß reglos da, bis sie den Schock überwunden hatte. Die weiteren Überlegungen verursachten ihr einen leichten Schwindel. Wie schrecklich arrogant sie gewesen war, einfach herumzugehen und ganz öffentlich ihre Schnappschüsse zu machen, während die ganze Zeit über irgend jemand auf dieser Safari nicht fotografiert werden wollte. Diese Person hatte sie so viele Schnappschüsse machen lassen, wie sie wollte, und ihr dann heimlich den Film weggenommen. Sie war auf ihren Platz verwiesen worden.

Ein Punkt für Aristoteles.

Unverschämt natürlich, aber auch einfach... ein leerer Raum, der sich nur durch einen Riegel von innen verschließen ließ, ihr geöffneter Koffer und sie in der Badewanne.

Zorn stieg in ihr hoch und besiegte ihren Schrecken. Nun hatte sich ihr unbekannter Gegner gezeigt. Er war auf der Hut. Sie durfte annehmen, daß ihr Einbrecher nichts über sie wußte, außer daß sie gern Personen mit entsprechender Kulisse aufnahm. Aber sie wußte jetzt, daß ihr Gegner auf Draht war. Er hatte gleich zugeschlagen, weil er damit rechnete, daß sie eine ängstliche, törichte Frau war. Er täte gut daran, beim nächsten Mal einen Ersatzfilm zurückzulassen, weil es selbst törichten Frauen auffiel, wenn allzu viele Filme verschwanden.

Nun hatte sie zwanzig Bilder verloren, und wenn es ihr nicht gelang, ihren Dieb zu überlisten, dann konnte es geschehen, daß sie alle Filme verlieren würde. Im Augenblick hatte sie nur die sechs oder sieben Aufnahmen, die sich noch in der Kamera befanden... oder hatte man sich mit denen auch beschäftigt? Der Apparat zeigte noch sieben Aufnahmen an. Um aber sicherzugehen, nahm sie den Film heraus, legte einen neuen ein und steckte die nicht abgeknipste Rolle in ihre Handtasche. Die noch nicht benutzten Packungen verbarg sie: eine in ihrer Einkaufstasche, eine in einem Turnschuh, die letzte in ihrer Handtasche.

Trotzig beschloß sie, ihre Knipserei mit einer Begeisterung fortzusetzen, die ihren Gegner bestimmt ärgern würde. Aber es war auch an der Zeit, sich mit ihrer Ansteckkamera zu beschäftigen. Sie hatte sie an ihrer Kleidung getragen, seitdem sie im Safaridorf war, und inzwischen mußten sich ihre Reisegefährten daran gewöhnt haben, sie an ihr zu sehen. Auch wenn sie zu sportlichen Kleidern nicht gut paßte. Sie würde sie stur weitertragen.

Noch erschüttert von ihrer Entdeckung, packte sie ihren Koffer von neuem und schloß ihn ab. Als sie ihr Zimmer verließ, öffnete gerade Cyrus Reed seine Tür. Er schien ehrlich erstaunt. »Hier wohnen Sie?« fragte er. »Gut, dann sind wir Nachbarn.«

Selbst für den Fall, daß er den Film gestohlen hatte, hielt sie es für klug, ihre Entdeckung zu erwähnen. »Falls Sie unten am Fluß waren, könnten Sie mir vielleicht sagen, wer die Gruppe verlassen hat, um hier herauf- und an meinem Zimmer vorbeizugehen?«

Reed hob die Augenbrauen. »Etwas abhanden gekommen?«

»Während ich gebadet habe. Aber ich möchte keine Aufregung verursachen.«

»Sehr vernünftig. Und Sie möchten wissen, wer die Gesellschaft verlassen hat... So ziemlich jeder, muß ich sagen. Sogar ich. Hab' mir Bier über meine Hose geschüttet und ging rauf, um mich umzuziehen. Begegnete Steeves, der heraufkam, als ich nach unten ging. Mclntosh verließ uns, um ein Schläfchen zu machen. Kleiber kam herauf, um eine Karte zu holen und irgendeinen Punkt zu klären, Lisa holte sich einen Pullover. Die beiden einzigen, die am Fluß blieben, waren Mrs. Lovecraft und Dr. Henry. Nichts allzu Wertvolles, hoffe ich?«

»Doch, für mich schon.«

»Das hör' ich nicht gern. Sie haben gründlich gesucht? Aber natürlich haben Sie das.« Er legte die Betonung schmeichelnd auf Sie.

Sie ging ein paar Schritte auf den Pfad zu. »Eine sehr brauchbare Liste, Mr. Reed. Ich danke Ihnen.«