Выбрать главу

Kasperl, Seppel und Großmutter waren wie vor den Kopf geschlagen. Hotzenplotz hatte leider Recht. Zu dumm, dass sie nicht an den Schlüssel gedacht hatten! Aber man kann nicht an alles auf einmal denken.

„Ich könnte mich totlachen, wenn ich mir eure langen Gesichter ansehe!", wieherte Hotzenplotz. „Ehrenwort – regelrecht totlachen!"

Dann fuhr er sie plötzlich mit zorniger Stimme an:

„Los jetzt, ihr elenden Stümper, wie lang soll ich hier noch warten? Nehmt mir die Stricke ab und dann wollen wir weitersehen, verdammt noch mal!"

Im übrigen sind Sie verhaftet!

In der Zwischenzeit war der Herr Polizeioberwachtmeister Alois Dimpfelmoser nicht faul gewesen. Geleitet von allen guten Wünschen der Witwe Schlotterbeck, hatte er Wasti an die Leine genommen und war mit ihm in den Wald geeilt. Beim alten Steinkreuz nahm Wasti die Fährte des Räubers Hotzenplotz auf. Er war wirklich ein ausgezeichneter Spürhund. Die Schnauze am Boden, zerrte er den Herrn Oberwachtmeister hinter sich her – so ungestüm, dass Herr Dimpfelmoser kaum Schritt halten konnte.

„Brav, Wasti!", keuchte er. „Brav machst du deine Sache. Wenn wir den Räuber geschnappt haben, gibt es Wursti-Wursti!"

„Waff!", machte Wasti. „Waff-waff!" (Damit wollte er sagen, dass er Herrn Dimpfelmoser verstanden hatte.)

Von jetzt an war er mit doppeltem Eifer am Werk. Er versagte es sich sogar, an besonders einladenden Bäumen das Bein zu heben.

„Ich bin ja gespannt, wohin er mich führt ...", dachte Herr Dimpfelmoser.

Seine Enttäuschung war grenzenlos, als sich herausstellte, dass die Fährte bei der vernagelten Räuberhöhle endete. Da konnte doch was nicht stimmen!

„Du musst dich getäuscht haben, Wasti", brummte er.

„Wäff!", machte Wasti. „Wäff-wäff!" (Damit wollte er sagen, dass er sich nicht getäuscht hatte.)

„Doch!", widersprach ihm Herr Dimpfelmoser. „Du hast dich getäuscht, und zwar ganz gewaltig! Mit Wursti-Wursti ist es für heute aus – aus und ... Nanu, was ist das denn?!"

Herr Dimpfelmoser legte die Hand ans Ohr. In der Räuberhöhle schrie jemand herum, das hörte er deutlich. Der Stimme nach war es Hotzenplotz.

„Donnerwetter!", dachte Herr Dimpfelmoser. „Die Höhle ist vorschriftsmäßig vernagelt – und trotzdem befindet sich dieser Kerl drin? Das geht doch wohl nicht mit rechten Dingen zu!"

Ohne sich lang zu besinnen, riss er die Bretter vom Eingang weg. Dann zog er den Säbel, drückte den Helm in die Stirn und sprengte mit einem Fußtritt die Tür.

„Heff-heff!", kläffte Wasti – und ehe Herr Dimpfelmoser ihn daran hindern konnte, schoss er an ihm vorbei in die Höhle. Gleich darauf schrie der Räuber Hotzenplotz Zeter und Mordio.

„Au weh! Nehmt das Vieh weg – das ist ja ein Krokodil! Hilfe, Hilfe, die Bestie will mich fressen!"

Herr Dimpfelmoser wusste, was seines Amtes war.

„Wasti!", rief er. „Man darf dem Gesetz nicht vorgreifen, komm bei Fuß! – Im Übrigen sind Sie verhaftet, Hotzenplotz! Machen Sie keine Geschichten, kommen Sie raus da!"

„Ich – kann nicht, Herr Oberwachtmeister ..."

„Was denn, Sie können nicht? Machen Sie sich nicht lächerlich, Mann!"

Herr Dimpfelmoser betrat die Höhle. Nun sah er, dass Hotzenplotz an den Armstuhl gefesselt war. Kasperl, Seppel und Großmutter standen daneben und riefen im Chor:

„Sie schickt uns der Himmel, Herr Oberwachtmeister!"

Dimpfelmoser winkte belämmert ab.

„Ich bin wieder einmal zu spät dran", seufzte er. „Hotzenplotz kann sich nicht wehren, ich brauche ihn bloß noch abzuführen – und fertig! Das ist auf die Dauer ein bisschen wenig, finde ich."

Kasperl rasselte mit der Kette.

„Sehen Sie nicht, dass wir festhängen? Hotzenplotz hat den Schlüssel in seiner Westentasche, wir können nicht an ihn ran ..."

„Oho?", rief Herr Dimpfelmoser. „Da werden wir wohl den lieben Wasti bemühen müssen."

„Haff-haff!", bellte Wasti und fuhr auf den Räuber los.

„Nein!", flehte Hotzenplotz. „Halten Sie bitte das Krokodil zurück! Ich will alles tun, was Sie von mir verlangen, ich halte ganz still!"

Nun war es ein Leichtes, ihn loszubinden und ihm den Schlüssel abzunehmen. Kasperl befreite Großmutter von der Kette, dann Seppel und schließlich sich selbst.

„Sie sehen, dass Sie durchaus nicht zu spät gekommen sind!", sagte Großmutter zu Herrn Dimpfelmoser. „Wir sind Ihnen eine Menge Dank schuldig."

„Keine Ursache!", wehrte Herr Dimpfelmoser bescheiden ab. „Ich habe nur meine Pflicht getan."

Doch im Innersten seines Herzens strahlte der brave Mann wie ein fünfmal gescheuerter Kupferkessel, auf den die Sonne scheint.

Bratwurst mit Sauerkraut

Am späten Nachmittag kehrten sie wohlbehalten ins Städtchen zurück. Der Herr Polizeioberwachtmeister Alois Dimpfelmoser radelte mit gestrenger Amtsmiene vorneweg. Großmutter saß auf dem Gepäckträger, ließ die Beine vergnügt auf die linke Seite baumeln und winkte den Leuten am Straßenrand mit der einen Hand zu, während sie in der anderen einen langen Strick hielt, an dessen Ende der Räuber Hotzenplotz festgebunden war.

„Kommen Sie, kommen Sie! Nur nicht müde werden!" Hotzenplotz ließ den Kopf hängen. Seine Nase wurde mit jeder Minute länger, er knirschte vor Wut mit den Zähnen. „So was muss mir passieren!", knurrte er. „So was – mir!" Kasperl und Seppel marschierten am Ende des Zuges. Sie trugen Herrn Dimpfelmosers gestohlene und nun glorreich wiedergewonnene Uniform. Stolz hatte Seppel den Polizeihelm über den Hut gestülpt und den Säbel geschultert. Kasperl war in den blauen Rock mit den silbernen Knöpfen geschlüpft, der ihm viel zu groß war.

Die Blechkanne mit dem Lösegeld trugen sie abwechselnd. Jetzt war gerade Seppel dran, Kasperl durfte einstweilen Wasti führen.

„Waff-waff!", bellte Wasti – und wehe, wenn Hotzenplotz ihm zu langsam lief! Gleich schnappte er unerbittlich nach seinen Waden.

Sie brachten den Räuber zum Polizeibüro. Hotzenplotz wurde im Besenschrank eingesperrt. Kasperl, Seppel und Wasti bewachten ihn; Großmutter eilte heim, um das Abend-

essen zu richten; und Oberwachtmeister Dimpfelmoser führte ein dienstliches Telefongespräch mit der Kreisstadt.

„Jawohl, Herr Inspektor, Sie haben ganz recht verstanden: Es handelt sich um den berüchtigten Räuber Hotzenplotz ... Wo wir ihn haben? Vorläufig steht er im Besenschrank. – Ja, er ist gut bewacht. Sie können ihn bei mir abholen ... Wie bitte? Abholen, sagte ich, Herr Inspektor – ab-ho-len!"

Kurz nach sechs fuhr ein Auto mit sieben schwer bewaffneten Polizisten vor, die Hotzenplotz in die Kreisstadt mitnahmen. Kasperl, Seppel, Herr Dimpfelmoser und Wasti blickten dem Auto nach, bis es um die Rathausecke verschwunden war.

„Was geschieht nun mit ihm?", wollte Kasperl wissen.

Herr Dimpfelmoser zwirbelte seinen Schnurrbart.

„Sie sperren ihn ins Gefängnis und werden ihm den Prozess machen.

„Hm", meinte Seppel. „Und wenn er dort wieder ausreißt?"

„Unmöglich!", sagte Herr Dimpfelmoser. „Ein Kreisgefängnis ist schließlich kein Spritzenhaus. Dort hilft ihm auch eine Blinddarmverrenkung nichts."