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Jäger? Trapper? Goldsucher? Er zuckte mit den Achseln. Nein, er wolle sich nur mal so ein bißchen umsehen. Sei vor einiger Zeit vom Great Slave gekommen und wolle rüber ins Yukon-Land schlendern. Der Faktor von Koshim habe über die Entdeckungen im Klondike gesprochen, und er denke daran, rüberzugehen und sich die Sache mal anzusehen. Mir war aufgefallen, daß er vom Klondike in der uralten einheimischen Form sprach, indem er ihn den Reindeer River nannte - ein Name, den die alten Hasen in arroganter Weise gegenüber den Che-cha-quas und den Neuankömmlingen im allgemeinen gebrauchten. Er aber hatte es ganz naiv und natürlich gesagt, so daß es nicht verletzend war und ich ihm verzieh. Er habe auch daran gedacht, sagte er, bevor er die Wasserscheide nach Yukon überquere, einen kleinen Abstecher in Richtung Fort Good Hope zu machen.

Fort Good Hope - nun, das bedeutet eine weite Reise in den Norden, über den Polarkreis in ein Gebiet, das nur wenige Männer bisher betreten haben; und wenn da so eine Vogelscheuche aus der Nacht von irgendwoher hereinschneit, sich ans Feuer setzt und von solchen Dingen mit Ausdrücken wie „schlendern“ und „einen kleinen Abstecher machen“ redet, ist es Zeit, daß man aufwacht und den Traum abschüttelt. Ich schaute mich also um; sah den Zelteingang und darunter die Tannenzweige, die für die Schlafpelze ausgestreut waren, sah die Proviantsäcke, die Kamera, den eisigen Atem der Hunde, die am Rande des Lichtkreises lagen, und über mir den großen Lichtstreifen des Nordlichts, das den Zenit von Südost nach Nordwest umspannte. Mich fröstelte. Es gibt in den nordischen Nächten einen Zauber, der sich wie das Fieber der Malariasümpfe über einen legt. Man wird ergriffen und niedergeworfen, ehe man es gewahr wird. Dann sah ich zu den Schneeschuhen, die umgekehrt und gekreuzt lagen, wie er sie hingeschleudert hatte. Ich prüfte auch meinen Tabakbeutel. Mindestens die Hälfte meines beträchtlichen Vorrats war verschwunden. Damit war es klar. Ich war also nicht irgendwelchen Wahnvorstellungen erlegen.

Verrückt vor Kummer, dachte ich, als ich den Mann unverwandt anblickte - einer von jenen wilden Goldsuchern, die weit von ihrer Richtung abgetrieben waren und wie eine verlorene Seele durch weite Fernen und unbekannte Tiefen wander-ten. Nun gut, warum sollte sein Gemüt nicht einmal schwanken, bis er vielleicht seine verwirrten Sinne wieder beisammen hatte. Wer weiß - der bloße Klang der Stimme eines Mitmenschen konnte möglicherweise alles wieder ins Lot bringen.

So ließ ich ihn weitererzählen und wunderte mich bald, denn er sprach über die Jagd und die verschiedenen Arten zu jagen. Er habe den sibirischen Wolf im äußersten Westen Alaskas getötet und die Gemse in den verborgenen Rockies. Er behauptete, er kenne die Gebiete, wo sich der letzte Büffel rumtreibe; daß er an den Flanken des Karibus gehangen habe, als diese zu Hunderttausenden umhergezogen seien, und daß er auf der Winterspur des Moschusochsen in den Great Barrens geschlafen habe.

Ich änderte nun meine Meinung zum erstenmal, aber keinesfalls zum letztenmal und hielt ihn für eine monumentale Verkörperung der Wahrheit. Ich weiß nicht, warum, jedenfalls erzählte nun ich eine Geschichte, die mir wiederum von einem Mann erzählt worden war, der so lange in dem betreffenden Land gelebt hatte, daß er es genau wissen mußte. Es war die Geschichte von dem großen Bären, der sich stets an den steilen Hängen des St. Elias aufhielt und niemals zu den sanfteren Hängen hinabstieg. Gott hatte diese Schöpfung nun so für das Leben am Hang ausgestattet, daß die Beine der einen Seite einen Fuß länger waren als die der anderen. Das ist sehr günstig, wie man ohne weiteres zugeben muß. Ich tat, als hätte ich dieses seltene Tier persönlich gejagt, erzählte in der Gegenwart, malte die örtlichen Gegebenheiten aus, schmückte die Geschichte mit dem nötigen Beiwerk und machte es so wahrscheinlich wie möglich und erwartete, daß der Mann über meine Erzählung erstaunt sein würde.

Aber nicht er. Hätte er Zweifel geäußert, hätte ich ihm verzeihen können. Hätte er Einwände erhoben, hätte er die Gefährlichkeit dieser Jagd geleugnet, da das Tier ja unfähig gewesen wäre, sich umzudrehen und in die andere Richtung zu laufen - hätte er das getan, ich sage Ihnen, ich hätte ihm als echtem Jäger die Wahrheit gesagt. Aber nicht er. Er schnupperte, sah mich an, schnupperte wieder und lobte meinen Tabak, wie es sich gehörte, legte dann einen Fuß auf meinen Schoß und forderte mich auf, das Schuhwerk zu prüfen. Es handelte sich um einen Mucluc in der Art der Innuit, ohne Perlen oder Pelzbesatz. Aber das Leder selbst war auffallend. Mit seiner Stärke von einem halben Zoll erinnerte es mich an die Haut eines Walrosses, aber weiter ging die Ähnlichkeit nicht. Denn kein Walroß hatte einen so wunderbaren Haarwuchs. An den Seiten und den Knöcheln war das Haar fast abgewetzt von der Berührung mit dem Strauchwerk und dem Schnee, aber an der Spitze und weiter hinten an den besser geschützten Stellen war es sehr derb, schmutzig-schwarz und mächtig dick. Ich zerteilte das Fell mit Mühe und suchte darunter das feine Haar, das für die Tiere des Nordens so typisch ist, aber in diesem Falle nicht vorhanden war. Dieser Mangel wurde indessen durch die Haarlänge wieder gutgemacht. Die Haarbüschel, die die Abnutzung überstanden hatten, maßen allesamt sieben oder acht Zoll. Ich schaute dem Mann ins Gesicht, dieser nahm seinen Fuß herunter und fragte: „Findet Ihr solch ein Fell an euerm Saint-Elias-Bären?“

Ich schüttelte den Kopf. „Auch an keinem anderen Geschöpf an Land oder auf See“, antwortete ich freimütig. Stärke und Länge des Haares verwirrten mich.

„Das hier“, sagte er, und zwar ohne im mindesten beeindruckt zu sein, „das stammt von einem Mammut.“

„Unsinn!“ rief ich aus, denn ich konnte meine Ungläubigkeit nicht verbergen. „Das Mammut, mein Herr, ist seit langem von der Erde verschwunden. Durch fossile Überreste, die wir ausgegraben haben, und durch ein Mammut im Eis, das die sibirische Sonne, die es aus glazialer Tiefe schmolz, völlig unversehrt vorfand, wissen wir, daß das Mammut einstmals auf der Erde existierte; wir wissen aber auch, daß es kein lebendes Exemplar mehr gibt. Unsere Forscher - “

Bei diesem Wort unterbrach er ungeduldig. „Eure Forscher? Pah! Das sind doch ganz jämmerliche Kerle. Erzählt mir nichts mehr von denen. Aber erzählt mir, Mann, was Ihr über das Mammut und seine Lebensweise wißt.“

Ohne zu übertreiben, entspann sich daraus eine richtige Geschichte, ich fraß mich regelrecht fest, indem ich in meinem Gedächtnis nach allen möglichen Daten über den Gegenstand kramte. Zuerst einmal betonte ich, daß es ein prähistorisches Tier sei, und führte alle Fakten an, die das bestätigten. Ich erwähnte die sibirischen Sandbänke, in denen alte Mammutknochen in Überfülle verborgen waren; ich erzählte von den vielen Elfenbeinfossilien, die die Alaskahandelsgesellschaft den kanadischen Eskimos abkaufte; ich bekannte, daß ich selbst sechs bis acht Fuß lange Stoßzähne aus meinem Pachtgrund in den Klondike-Wasserläufen ausgegraben hatte. „Alles Fossilien“, schloß ich, „die im Geröll gefunden wurden, das sich über unzählige Jahrtausende angesammelt hat.“

„Ich erinnere mich“, Thomas Stevens schniefte (er hatte eine äußerst unangenehme Art, durch die Nase zu schniefen), „daß ich als Kind eine versteinerte Wassermelone sah. Daraus folgt also, daß es, auch wenn manche Leute in dem Wahn leben, Wassermelonen anzubauen und sie zu essen, so etwas wie Wassermelonen gar nicht gibt.“

„Aber die Nahrungsfrage“, wandte ich ein, wobei ich sein Argument, das kindisch und ohne Belang war, ignorierte. „Die Erde muß eine überreiche Vegetation hervorbringen, um solche monströsen Geschöpfe zu ernähren. Nirgends hier im Norden ist die Erde so freigebig. Ergo kann das Mammut nicht existieren.“