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»Wonach riecht Harry für dich?«

»Nach uns. Unser Geruch umhüllt sie, aber sie weiß es nicht. Ich sehe immer zu, daß ich mich an ihr reibe und auf ihrem Schoß sitze, genau wie du. Das hält andere Tiere von dummen Gedanken ab.«

Harry sah auf und erblickte Mrs. Murphy, die an dem Bouillonpackchen knabberte. »Laß das.« Die Katze sprang aus dem Schrank, bevor Harry sie packen konnte.

»Wetten, du kriegst einen Bouillonwürfel.« Mrs. Murphy zwinkerte.

»Damit kann man nichts mehr anfangen«, wütete Harry. Sie öffnete das Packchen und gab Tucker einen der Würfel, die Mrs. Murphy angeknabbert hatte. Die Tigerkatze setzte sich frech auf die Anrichte. »Hier, verflixt noch mal, du hast dich genug dafür angestrengt, aber deine Manieren gehen zum Teufel.« Mrs. Murphy nahm den Würfel zierlich aus Harrys Fingern.

»Fertig!« jubelte Officer Cooper.

»Jetzt werden wir sehen, ob's klappt.« Harry kniff die Augen zusammen.

Was herunterklappte war Harrys Kinnladen, als sie den Fernseher einschaltete und sah, wie Fair abgeführt wurde. Dieser verdammte Rick Shaw. Er hatte niemandem was gesagt.

Sie zog ihre Schuhe an und schleppte Cooper zum Gefängnis. Zu spät. Fair war schon wieder auf freiem Fuß. Ein Alibi war beigebracht worden, ein Alibi, das Harry ebenso aus der Fassung brachte wie Fair selber.

43

Ned paffte seine Pfeife. Auf Harrys Bitte wartete Officer Cooper mit Susan im Wohnzimmer. Die Morde waren grauenhaft, aber dies hier war schmerzlich.

Nachdem sie erfahren hatte, daß Boom Boom Fair befreit hatte, indem sie zu Protokoll gegeben hatte, er sei sowohl in der Nacht von Kellys Ermordung wie auch in der Nacht von Maudes Ermordung bei ihr gewesen, hatte Harry Susan noch einmal angerufen.

Logisch betrachtet wußte sie, daß es absurd war, erschüttert zu sein. Ihr Mann war untreu gewesen. Millionen Ehemänner waren untreu. Im tiefsten Innern wußte sie auch, daß diese Affäre schon vor der Trennung bestanden haben mußte. Sie wollte die Scheidung, mit oder ohne Affäre, aber als sie im Gefängnis die Einzelheiten erfuhr, brach sie unwillkürlich in Tränen aus.

Sie rief Ned an. Er sagte, sie solle sofort zu ihm kommen.

». unüberwindliche Differenzen. Das kannst du natürlich ändern und jetzt wegen Ehebruch klagen. Harry, das Scheidungsrecht in Virginia ist - nun ja, sagen wir mal, wir sind hier nicht in Kalifornien. Wenn du wegen Ehebruch klagst und das Gericht entscheidet zu deinen Gunsten, brauchst du das Vermögen nicht zu teilen, das ihr in der Ehe gebildet habt.«

»Mit anderen Worten, das wäre seine Strafe fürs Fremdgehen.« Harrys Augen wurden wieder feucht.

»Das Gesetz nennt es nicht Strafe, wenn.«

»Aber es ist eine, oder nicht? Wegen Ehebruch zu klagen ist ein Racheinstrument.« Sie ließ sich in den Sessel sinken. Ihr Kopf schmerzte. Ihr Herz schmerzte.

Neds Worte waren wohlüberlegt. »Man könnte sagen, daß eine solche Klage in den Händen einiger Anwälte und Personen zu einem Racheinstrument wird.«

Nach einer langen, nachdenklichen Pause sprach Harry mit fester, klarer Stimme: »Ned, es ist schlimm genug, daß eine Scheidung in dieser Stadt zum öffentlichen Spektakel wird. Dieses. dieses Ehebruchverfahren würde das Spektakel für mich zum Alptraum und für die Mim Sanburnes dieser Welt zu einem richtigen Affentheater machen. Weißt du« - sie blickte zur Decke hoch - »ich kann nicht mal sagen, daß er unrecht getan hat. Sie hat was, was ich nicht habe.«

Der Freund in Ned war stärker als der Anwalt. »Sie kann dir nicht das Wasser reichen, Harry. Du bist die Beste.«

Das brachte Harry erneut zum Weinen. »Danke.« Als sie sich wieder gefaßt hatte, fuhr sie fort: »Was habe ich zu gewinnen, indem ich ihn verletze, weil ich verletzt bin? Ich sehe keinen Vorteil, außer mehr Geld, falls ich gewinne, und bei meiner Scheidung geht es nicht um Geld - es geht tatsächlich um unüberwindliche Differenzen. Ich bleibe dabei. Manchmal, Ned, lassen sich die Dinge trotz der besten Absichten und der besten Menschen« - sie lächelte - »eben nicht bereinigen.«

»Du bist Klasse, Schätzchen.« Ned kam herüber, setzte sich auf die Sessellehne und klopfte Harry auf den Rücken.

»Vielleicht.« Sie lachte ein wenig. »Gelegentlich bin ich imstande, mich wie ein vernünftiger, erwachsener Mensch zu benehmen. Ich will die Sache hinter mich bringen. Ich will mein Leben fortsetzen.«

44

Pünktlich wie die Uhr rief Mrs. Hogendobber am nächsten Morgen um Viertel vor acht wieder an, um sich den neuesten Klatsch erzählen zu lassen. Pewter kam von nebenan zu Besuch. Die gefüllten Schließfächer warteten auf ihre Besitzer, und als die Tür um acht Uhr aufging, verhielten sich Harry und Officer Cooper völlig normal. Sie versuchten es jedenfalls, doch Officer Cooper postierte sich so, daß sie die Fächer im Blick hatte. Harry verbrannte Energie, indem sie Mrs. Murphy, Pewter und sogar Tucker im Postbehälter herumkutschierte.

Danny Tucker kam als erster, schaufelte die Post heraus, sah sie aber nicht durch. »Schade, daß ich dich gestern abend nicht gesehen habe. Mom sagte, du hattest mit Dad was Geschäftliches zu besprechen gehabt.«

»Ja. Wir haben ein paar Dinge geklärt.«

In diesem Moment polterte Ned Tucker die Treppe herauf. »Hallo allerseits.« Er schenkte Harry ein breites Lächeln, dann sah er die Post in den Händen seines Sohnes. »Die nehm ich.« Er blätterte sie rasch durch, blinzelte, als er die Postkarte sah, las sie und sagte laut: »Das ist Susans Handschrift. Was hat sie denn jetzt schon wieder vor?«

Daran hatte Harry nicht gedacht. Sie hätten sich die Namen besser aufteilen sollen. Sie war gespannt, wer sonst noch ihre Handschriften erkannte.

»Dad, ich bin wirklich brav gewesen, und heute abend ist eine Party.«

»Die Antwort ist nein.«

»Ach, Dad, bis Halloween könnte ich tot sein.«

»Das ist nicht witzig, Dan.« Ned öffnete die Tür. »Harry, ich befreie dich von unserer Gegenwart.« Unsanft schob er seinen protestierenden Sohn nach draußen.

»Schreiben Sie regelmäßig Briefe?« fragte Harry Coop.

»Nein. Und Sie?«

»Nicht oft. Das hier haben wir jedenfalls vermasselt.«

»Hoffen wir, daß er keinem was davon sagt, außer Susan. Möchte wissen, was sie ihm erzählt.«

Market war der nächste. Er sortierte seine Post und warf die Postwurfsendungen mitsamt der Postkarte in den Abfall. »Verdammter Mist.«

»Hört sich gar nicht nach dir an, Market.« Harry zwang sich zu einem leichten Tonfall.

»Das Geschäft blüht, aber ich würde lieber weniger verdienen und dafür meinen Seelenfrieden wiederhaben. Wenn noch ein einziger Reporter oder sadistischer Tourist in meinen Laden trampelt, werde ich ihn eigenhändig rausprügeln. Einer von diesen Zeitungsschnüfflern hat meiner Tochter aufgelauert und die Unverschämtheit besessen, sie zum Essen einzuladen. Sie ist vierzehn Jahre alt!«

»Denk anLolita«, sagte Harry.

»Ich kenne keine Lolita, und wenn ich eine kennen würde, würde ich ihr raten, ihren Namen zu ändern.«

Er stelzte hinaus.

»Ich geh nicht nach Hause, bis seine Laune sich gebessert hat«, erklärte Pewter ihren Gefährtinnen.

»Bislang war Harrys Idee ein Reinfall.« Mrs. Murphy leckte ihre Pfote.

Fair kam ein wenig linkisch herein. »Meine Damen.«

»Fair«, erwiderten sie gleichzeitig.

»Hm, Harry.«

»Später, Fair. Ich habe jetzt nicht die Kraft, es zu hören.« Harry schnitt ihm das Wort ab.

Er trat an sein Schließfach und zerrte die Post heraus.