Eistaucher tanzte am Feuer, wobei er darauf achtete, sein verletztes Bein möglichst wenig aufzusetzen. Er stellte sich direkt mit dem Gesicht vor die Flammen, sodass ihm die Hitze entgegenschlug, wirbelte dann herum und lachte die Nacht an, die außerhalb der Wärmeblase ihres Feuers empfindlich kühl war. Doch am wärmsten ist einem immer dann, wenn ein Teil von einem noch friert.
Manchmal zerplatzte das Fett laut im Feuer. Eistaucher beobachtete die Frauen, die alle nichts als Röcke oder um die Hüften geschlungene Pelze und Halsketten trugen, und obwohl er all ihre Körper kannte, Muskel für Muskel, Geste für Geste, war es doch ein außergewöhnlicher Anblick, sie im Feuerlicht zu sehen, wie sie sich so ausgelassen von dem Fett in ihren Bäuchen bewegten, ihre flachen Sommerbrüste baumeln ließen. Rundung um Rundung um Rundung an diesen Körpern war ihm vertraut. Immer fiel ihm das am meisten ins Auge, was ihre Körper auf den ersten Blick etwas falsch erscheinen ließ, sie mit der Zeit aber richtig machte, oder sie zu sich selbst machte, jede für sich. Und dann gab es noch diejenigen ohne jeden Makel und ohne Seltsamkeiten, Salbei, Gams, Donner, die jede auf ihre Art genau richtig proportioniert waren.
Er tanzte und setzte sich dann und wann, um sein verletztes Bein auszuruhen, und anschließend wackelte er mit den Zehen und trommelte eine ganze Weile mit den Jungen. Wer konnte schon sagen, wie viel Zeit man in jenen Momenten verbrachte, von denen man hoffte, sie würden ewig währen. Andererseits verriet es einem natürlich immer der Mond. Eistaucher trommelte vor sich hin und sah Salbei beim Tanzen zu, und sie sah so gut dabei aus, dass sein Visel sich unter seinem Rock aufstellte, und so stand er auf und tanzte mit hin und her schlackerndem Visel, eine kleine Stange pulsierenden Vergnügens, die ihn auf Salbei zuführte: Salbei im Tanz, deren Brüste nicht mehr ansatzweise so groß waren, wie sie es im nächsten Herbst wieder sein würden, und die dennoch über ihren Rippen auf und ab wippten, Salbei im Tanz, die die Arme zu beiden Seiten erhoben hielt, die in die Hocke ging und sich drehte, die Hinterbacken herausgestreckt, zwei große runde Muskeln wie am Steiß eines Bergschafs, so vertraut und in diesem Monat mit kaum einer Schicht von Fett darüber, einfach nur Muskeln und das Versprechen von Fett, was vielleicht der beste Anblick überhaupt war; was für lange Beine dieses Mädchen hatte, was für einen ausgreifenden Schritt, wie anmutig und geschmeidig sie sich bewegte. O ja, Eistaucher wäre nur zu gerne mit Salbei in die Nacht davongelaufen, zum Fluss hinabgegangen, wo das Glucksen des Wassers zu ihnen singen und ihre leisen Laute verschlucken würde, wenn ihr Küssen und Reiben sie ins Reich hilfloser wohliger Schreie davontrug. Genauso war es im letzten Jahr gewesen, und die Erinnerung daran ließ seinen Visel pulsierend in die Höhe schnellen.
Doch heute Nacht nahm Salbei mit niemandem Blickkontakt auf, und ganz offensichtlich hatte sie nicht vor, ihren Tanz zu unterbrechen. Ein solches Verhalten galt vielleicht ebenso sehr Falke wie Eistaucher oder jedem anderen Mann, der ein hoffnungsvolles Auge auf sie geworfen hatte, und indem Salbei mit keinem von ihnen tanzte, tanzte sie mit ihnen allen, was nett war und auch so verstanden wurde. Und sicher galt das Gleiche auch für die anderen Frauen, Liebmaische und Gams und Entchen und Blauhäher und Donner, die wahrscheinlich alle unterschiedliche Verehrer hatten. Schließlich war Salbei durchaus nicht die einzige Schönheit des Rudels, sondern eine unter Schwestern. Und was für Schwestern ihr Rudel hatte! Man musste schon ziemlich verwegen sein, um solche Frauen vor den Ottern dieser Welt zu verteidigen; doch wenn einen deswegen die Sorge überkam, beruhigte der Gedanke, dass all die anderen Rudel ähnlich gesegnet waren. Es war eine Welt der schönen Frauen, und die ganze Welt war hinter ihnen her. Schon bald würden sich beim Acht-Acht-Fest zwanzig Rudel treffen, und all die Männer und Frauen würden sich untereinander mischen, alle in ihren feinsten Kleidern, und es würde Feuer und Tänze wie diesen geben; und an denen würden sich viele junge Männer und Frauen und auch Jungen und Mädchen zum ersten Mal finden, ob sie nun zu den richtigen Sippen füreinander gehörten oder nicht, und danach würden sie beisammenbleiben, und die Rudel der Steppe und des Hochlands und der Schluchten im Süden würden sich durchmischen und die Verwandtschaft zwischen ihnen würde einmal mehr zunehmen. Es gab Rudel aus dem eisigen Norden, die einander die Frauen stahlen, hieß es auf den Festen, aber unter den Rudeln, die südlich der Rentiersteppe lebten, von dem großen Salzmeer im Westen bis zum großen Salzmeer im Süden bis so weit nach Osten, wie je ein Mensch gekommen war, waren sie alle miteinander verwandt, weshalb es sehr wenige solche Diebstähle gab.
Als Eistaucher sich wieder hinsetzte, über seiner kleinen Trommel einzunicken begann und die Tänzer und Flammen vor seinen Augen miteinander verschwammen, sodass er schon in sein Nachtlager kriechen oder einfach an Ort und Stelle vornüberkippen und einschlafen wollte, packte ihn Salbei am Arm und zog ihn hinter den Hügel in die Dunkelheit. Er war gerade weit genug entfernt vom Feuer gewesen, um sich unbemerkt davonzustehlen. Sie breiteten Salbeis Fellrock auf den harten Boden und begannen einander wild zu küssen, und obwohl Salbei ihn nicht in sich hineinließ, was ihn auch ziemlich aus der Fassung gebracht hätte, rieben sie einander, während sie sich küssten, und Eistaucher flüsterte ihr — Ich liebe dich ins Ohr, und sie quietschte, und sie kamen gleichzeitig und lachten danach etwas, zutiefst zufrieden mit sich selbst. Salbei zwickte ihn noch einmal und gab ihm eine sanfte Ohrfeige, ehe sie ihren Rock unter ihm wegzog und sich in die Nacht auf und davon machte. Eistaucher ging zu seiner eigenen Schlafstatt und sah, dass sie wieder zum Tanzen ans Feuer gegangen war, noch voller Tatendurst, und tatsächlich kam es ihm nicht unwahrscheinlich vor, dass sie sich gleich noch einen weiteren Jungen holen und ihn in die Nacht hinausziehen würde. Der Gedanke gefiel und missfiel Eistaucher zugleich. Es war erregend, doch andererseits war er zu müde, um sich deshalb Sorgen zu machen. Also legte er sich hin und schlief ein — leer und erfüllt zugleich, ein herrliches Gefühl.
Sie brauchten viele Tage, um ihre Rentiere zu zerlegen und das Fleisch zu räuchern. Sie arbeiteten hart, weil der Acht-Acht bald kommen würde, und wenn es so weit war, mussten sie hier fertig sein und die Wanderung Richtung Osten zum Festgebiet geschafft haben. Deshalb beschäftigten die Rentiere sie Tag und Nacht.