Выбрать главу

»Allerdings.« Er grinst.

Amüsiert schüttle ich den Kopf und verdrehe unwillkürlich die Augen.

»Hast du etwa gerade die Augen verdreht, Anastasia?«, stößt er hervor.

Verdammt.

»Könnte sein. Das hängt von deiner Reaktion ab.«

»Es ist dieselbe wie sonst auch.« Er schüttelt den Kopf, und ich sehe bereits die Vorfreude in seinen Augen funkeln.

Ich schlucke. Ein Schauder der Erregung überläuft mich. »Also …« Mist. Was mache ich jetzt bloß?

»Ja?« Er befeuchtet seine Unterlippe mit der Zunge.

»Also willst du mich jetzt versohlen.«

»Ja. Und ich werde es auch tun.«

»Tatsächlich, Mr. Grey?«, necke ich grinsend. Dieses Spielchen kann ich auch.

»Willst du mich etwa daran hindern?«

»Dafür musst du mich aber erst mal kriegen.«

Seine Augen weiten sich, dann breitet sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus, und ganz langsam steht er auf.

»Ach ja, Miss Steele?«

Die Frühstückstheke befindet sich zwischen uns. Noch nie war ich dankbarer für ihre Existenz als in diesem Moment.

»Und du kaust auf deiner Unterlippe.« Langsam geht er nach links.

Ich tue dasselbe.

»Vergiss es«, foppe ich ihn. »Außerdem verdrehst du ständig die Augen.« Ich versuche es mit der Beschwichtigungstaktik.

Er macht noch einen Schritt. Ich ebenfalls.

»Das stimmt, aber du hast die Latte gerade selber höher gelegt. Damit wird das Spiel erst richtig interessant.« Seine Augen funkeln vor unverhohlener Vorfreude.

»Ich bin ziemlich flink, musst du wissen«, warne ich mit gespielter Lässigkeit.

»Ich auch.«

Er jagt mich. In seiner eigenen Küche.

»Kommst du freiwillig?«

»Hm. Tue ich das überhaupt jemals?«

»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, Miss Steele.« Er grinst. »Wenn ich Sie erst fangen muss, wird es umso schlimmer.«

»Aber nur, wenn du mich erwischst, Christian. Und ich habe ganz bestimmt nicht die Absicht, mich erwischen zu lassen.«

»Du könntest hinfallen und dir wehtun. Was einen klaren Verstoß gegen Regel Nummer sieben, jetzt Nummer sechs, darstellen würde.«

»Ich schwebe schon in Gefahr, seit ich dir das erste Mal begegnet bin, Mr. Grey, ob mit deinen Regeln oder ohne.«

»Das ist wahr.« Er bleibt stehen und runzelt die Stirn.

Ohne Vorwarnung macht er einen Satz nach vorn. Kreischend weiche ich zurück und stürze zum Esszimmertisch. Es gelingt mir, ihn zu umrunden, so dass er sich zwischen uns befindet. Mein Herz hämmert, und das Adrenalin pulsiert durch meinen Körper … Wahnsinn … Mit einem Mal bin ich wieder Kind. Aber, nein, das stimmt nicht. Misstrauisch verfolge ich, wie er sich Zentimeter um Zentimeter nähert, und weiche weiter zurück.

»Du verstehst es, einem Mann Zerstreuung zu schenken, Anastasia.«

»Wir wollen doch, dass Sie zufrieden sind, Mr. Grey. Zerstreuung wovon?«

»Vom Leben. Vom Universum.« Er winkt mit einer vagen Geste ab.

»Vorhin, am Klavier, hatte ich das Gefühl, dich beschäftigt etwas.«

Er bleibt stehen und verschränkt amüsiert die Arme vor der Brust. »Von mir aus können wir dieses Spielchen den ganzen Tag spielen, Baby. Am Ende kriege ich dich sowieso. Und dann wird es nur umso schlimmer für dich.«

»Nein, wirst du nicht.« Nicht zu siegesgewiss, sage ich mir immer wieder. Mittlerweile hat mein Unterbewusstsein die Nike-Turnschuhe herausgekramt und steht in den Startlöchern.

»Man könnte glatt glauben, du willst gar nicht, dass ich dich schnappe.«

»Tue ich auch nicht. Genau das ist der springende Punkt. Ich will genauso wenig bestraft werden, wie du dich von mir anfassen lassen willst.«

Innerhalb von Sekundenbruchteilen ist der ausgelassene Christian verschwunden; stattdessen steht ein Mann vor mir, der aussieht, als hätte ich ihm eine schallende Ohrfeige verpasst. Sein Gesicht ist aschfahl.

»So empfindest du also?«, stößt er kaum hörbar hervor. Diese vier Worte – die Art, wie er sie sagt – sprechen Bände. O nein. Sie verraten mir viel mehr über ihn und darüber, wie er empfindet. Über seine Ängste. Ich runzle die Stirn. Na ja, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Oder? Empfinde ich es als so schlimm?

»Nein, so tragisch ist es nicht, aber es gibt dir zumindest einen Anhaltspunkt, wie es mir dabei geht.« Ich sehe ihn beklommen an.

»Oh.«

Mist. Er scheint wie vor den Kopf geschlagen. Es ist, als hätte ich ihm mit meiner Erklärung den Boden unter den Füßen weggerissen.

Ich hole tief Luft, gehe um den Tisch herum und trete vor ihn.

»So sehr hasst du das alles?«, fragt er. Das blanke Entsetzen spiegelt sich in seinen Augen wider.

»Na ja … nein«, wiegle ich beschwichtigend ab. O Gott – so empfindet er also, wenn ihn jemand berührt. »Nein, ich bin hin-und hergerissen. Es gefällt mir nicht, aber hassen tue ich es nun auch wieder nicht.«

»Aber gestern Abend, im Spielzimmer, hast du doch …«

»Ich tue all das für dich, Christian. Weil du es brauchst. Ich nicht. Du hast mir gestern Abend nicht wehgetan. Die Umstände waren völlig anders. Damit komme ich klar. Und ich vertraue dir. Aber wenn du mich bestrafst, habe ich Angst, dass du mir wehtust.«

Seine Augen verdüstern sich, als ziehe ein regelrechter Sturm in ihnen auf. Eine scheinbare Ewigkeit stehen wir einander schweigend gegenüber.

»Ich will dir auch wehtun«, sagt er schließlich leise. »Aber nicht mehr, als du ertragen kannst.«

Scheiße!

»Wieso?«

Er fährt sich mit der Hand durchs Haar und zuckt mit den Achseln. »Ich brauche es eben.« Er wirft mir einen gequälten Blick zu, dann schließt er die Augen und schüttelt den Kopf. »Warum, kann ich dir nicht sagen.«

»Du kannst nicht oder willst nicht?«

»Ich will nicht.«

»Also kennst du den Grund.«

»Ja.«

»Aber du willst ihn mir nicht verraten.«

»Wenn ich es täte, würdest du schreiend davonlaufen und nie wieder zurückkehren.« Er sieht mich argwöhnisch an. »Das kann ich nicht riskieren, Anastasia.«

»Du wünschst dir also, dass ich bleibe.«

»Mehr als du ahnst. Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren.«

Junge, Junge.

Er sieht mich an. Unvermittelt zieht er mich an sich und küsst mich, innig, hingebungsvoll. Seine Leidenschaft trifft mich völlig unvorbereitet. Ich spüre die Panik und die Verzweiflung, die in seinem Kuss mitschwingen.

»Verlass mich nicht. Du hast gesagt, dass du mich nicht verlässt, und du hast mich angefleht, dich nicht zu verlassen. Im Schlaf«, murmelt er, ohne den Mund von meinen Lippen zu lösen.

O Gott … meine nächtlichen Bekenntnisse.

»Ich will ja gar nicht weg.« Mein Herz zieht sich zusammen. Vor mir steht ein Mann, der dringend Hilfe braucht. Was aus ihm spricht, ist die nackte Angst, doch er ist verloren … irgendwo in der Dunkelheit, die in seinem Innersten herrscht. Er sieht mich aus weit aufgerissenen Augen an, in denen die blanke Qual steht. Aber kann ich ihm helfen, kann ich zu ihm hinabsteigen, in seine Dunkelheit, und ihn ins Licht holen.

»Zeig es mir«, flüstere ich.

»Dir zeigen?«

»Zeig mir, wie sehr es wehtun kann.«

»Was?«

»Bestraf mich. Und zeig mir, wie schlimm es werden kann.«

Christian löst sich von mir und sieht mich völlig perplex an. »Du würdest es tatsächlich probieren?«

»Ja. Das habe ich doch gerade gesagt.« Aber meine Bereitschaft, es zu versuchen, hat noch einen anderen Grund: Wenn ich das hier für ihn tue, erlaubt er mir vielleicht, ihn anzufassen.

Er blinzelt ungläubig. »Du verwirrst mich, Ana.«

»Ich bin auch verwirrt. Ich bemühe mich darum, eine Lösung für uns zu finden. Damit du und ich ein für alle Mal wissen, ob ich es schaffen kann. Wenn ich damit klarkomme, kannst du vielleicht …« Ich halte inne.