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»Ist das eine Forderung des Zählers?« Danilow sah Karel an.

»Das ist meine Forderung«, intervenierte mein Großvater. »Mascha wird uns gute Dienste leisten.«

»Nach unserer Flucht wird deine Familie ernste Schwierigkeiten bekommen, Mädchen.« Auf Danilows Gesicht stand deutlich geschrieben, was er von dieser Idee hielt.

»Ich habe keine Familie. Ich bin Waise«, nahm ihm Mascha den Wind aus den Segeln.

Unwillkürlich huschte mein Blick zu ihr. Sie also auch ... Auch sie war ohne Eltern aufgewachsen ... obendrein noch ohne Großvater, ganz allein. Dennoch hatte sie die Spur, auf die alle Waisenkinder stillschweigend gesetzt werden, gewechselt ... indem sie ein Studium abgeschlossen und nicht auf einem Bauernhof oder in einer Raketenfabrik geschuftet hatte ... Hut ab, Mascha ...

Erneut schrie etwas schwach und alarmierend in meiner Brust auf. Ich hatte den Eindruck, ich würde mich von etwas abwenden, würde einer unangenehmen, bösen, ekelhaften Wahrheit nicht ins Auge sehen wollen.

»Gut. Wenn Sie darauf bestehen, Andrej Valentinowitsch ...«

Mein Großvater nickte.

»Ich kriege euch schon ins Schiff«, erklärte Danilow. »Petja und ich übernehmen das.«

Er schaute auf die Uhr.

»Sieben. In einer Stunde ruft jemand aus dem Sternenstädtchen Petja an. Sie schicken einen Wagen. Halte dich also zum Rapport bereit, Junge.«

Ich nickte.

»Den ganzen Vormittag werden sie dich quälen. Dann musst du bei jemandem aus dem Direktorenrat von Transaero und bei jemandem von Roskosmos vorsprechen ...«, sinnierte Danilow laut. »Sie alle werden dir über den Kopf streichen und dich loben. Irgendwann strecken sie dann ihre Fühler aus und wollen wissen, ob du bereit für neue Flüge bist. Sie werden dir einen Platz als Co-Pilot auf der Wolchw vorschlagen.«

Mein Herzschlag beschleunigte sich. Als Pilot auf dem legendären Schiff Danilows zu fliegen - damit ging mein Traum in Erfüllung!

»Du erklärst dich einverstanden ... Zwei Stunden gehen danach noch für die Bürokraten drauf ... Am Abend musst du wahrscheinlich nach Chabarowsk. Ich denke, wir werden im gleichen Flugzeug sitzen.«

»Mascha und ich werden eine andere Maschine nehmen«, schaltete sich mein Großvater ein. »Ich nehme an, ins Kosmodrom kommen wir problemlos? In den Besucherbereich?«

»Ja«, sagte Danilow. »Der Chef des Kosmodroms, General Kisseljow, hält übrigens einiges von Chrumows Postulaten.«

»Man kann nie wissen, auf welchen Boden die eigenen Worte fallen«, bemerkte mein Großvater nachdenklich. »Petja, geh dich waschen - wenn du schon mal ins Sternenstädtchen fährst.«

Ich erhob mich. Ich schnappte mir vom Teller ein Stück eingetrockneten Lachs.

»Tritt ernsthaft und konzentriert auf!«, rief mir Danilow hinterher. »Lass dir nicht anmerken, dass du schon alles weißt.«

»Zu Befehl, Genosse Schiffskommandant«, entgegnete ich.

Also echt, die Welt musste verrückt geworden sein. Also musste auch ich überschnappen - um mit der Mode zu gehen.

Warum ist Großpapa nur so von meinen Fähigkeiten überzeugt?, überlegte ich, während mich der Wagen der Fluglinie gegen Abend nach Hause zurückbrachte. Wenn er unbedingt aus mir den Retter der Menschheit hatte machen wollen, dann hätte ich doch einfallsreich und trickreich wie er selbst sein müssen. Und mich nicht immer nur allen Entscheidungen fügen dürfen.

Mit mir setzte er aufs falsche Pferd - falls er denn auf mich setzte. Auf das ganz falsche.

Das Auto hielt vorm Zaun.

»In drei Stunden holen wir Sie wieder ab«, informierte mich der Fahrer. »Reicht das, um Ihre Sachen zu packen, Pjotr Danilowitsch?«

»Ja, absolut. Vielen Dank.«

Kaum dass ich aus dem Auto gestiegen war, bemerkte ich Aljoschka. Der Junge drückte sich an der Pforte zu seiner Datscha herum, blickte mürrisch und unzufrieden drein.

»Hallo!« Ich winkte ihm zu. In aller Seelenruhe machte sich Aljoschka daran, die Straße zu überqueren. Er blieb kurz stehen, um das abfahrende Auto vorbeizulassen.

»Guten Tag ...« Er erwiderte meinen Gruß erst, als er mich fast erreicht hatte, dann auch noch grummelnd.

»Hast du auf mich gewartet?«

»Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte!«

»Komm mit, deine Steine warten auf dich.«

Wie kam Großpapa bloß darauf, Kinder würden mich mögen? Sie nehmen sich bei mir alles heraus - so wurde schon eher ein Schuh draus.

»Ich habe heute mal angerufen«, erzählte Aljoschka, der jetzt etwas auftaute. »Ihr Großvater hat gesagt, dass Sie weggefahren sind, nur kurz wiederkommen und dann gleich wieder wegfahren ... für sehr lange.«

»Das stimmt«, sagte ich. »Aber die fünf Minuten werde ich schon Zeit haben.«

Tyrann war Gott sei Dank nicht im Garten. Ich glaubte zwar, der Hund würde sich nie auf ein Kind stürzen, legte es aber nicht darauf an, meine Hypothese zu verifizieren.

»Zieh dir bitte die Schuhe aus«, bat ich den Jungen, nachdem ich ihn ins Haus gelassen hatte.

Inzwischen ging ich vor in mein Zimmer. Der Reptiloid war nicht da.

»Komm rein«, rief ich, während ich in meinem Aktenkoffer kramte.

Ein wenig schüchtern kam Aljoschka herein. Abschätzig musterte er meinen Computer, mit wesentlich größerem Interesse beäugte er das zweihändig geführte Schwert, das über meinem Bett hing.

»Ist das außerirdisch?«, fragte er.

»Nein, warum sollte es? Das ist ein Espadon, aus England.«

»Ein echtes?«

»Nein, eine Kopie«, gab ich zu.

»Ah ja ...« Aljoschka verlor das Interesse an dem Schwert. »Haben Sie auch eine echte Waffe ... Och!«

Der Effekt war schon toll. In der letzten Zeit war in den Raumhäfen im kleinen Rahmen ein richtig professioneller Handel mit Souvenirs entstanden. Hier hatte man eine durchsichtige Plastikschachtel in neun Fächer unterteilt, in jedem lag ein kleiner bunter Stein. Außerdem enthielt die Schachtel ein beeindruckend aufgemachtes Dokument, das besagte, bei den vorliegenden Steinen handle es sich tatsächlich um einen Teil des Planeten Sirius-8, auch bekannt als Hyxi-43.

»Sind die echt?«, brachte Aljoschka leise heraus.

»Also ... da ist doch ein Zertifikat dabei«, antwortete ich ausweichend.

»Ein Zertifikat! Pah!«, entgegnete der Junge verächtlich. Vage Zweifel am Geschäft seines Vaters keimten in mir auf. »Ein Zertifikat zu fälschen ist ja wohl das reinste Kinderspiel!«

»Ich habe diese Steine beim Sirius gekauft«, stellte ich klar.

Mein Ehrenwort reichte ihm anscheinend völlig. Aljoschka nickte und balancierte die Schachtel auf der Hand.

»Vielen Dank, Onkel Petja. Was meinen Sie, was ich damit für eine Sammlung habe ...«

»Freut mich für dich.« Seufzend setzte ich mich aufs Bett. Ich lauschte. Von oben kam anscheinend niemand herunter. Bestimmt hatten mein Großvater und der Reptiloid mitbekommen, dass ich nicht allein war.

»Ich gehe dann mal wieder«, verkündete Aljoschka großherzig. »Schließlich müssen Sie noch packen ... Wohin fliegen Sie denn?«

»Ich weiß es nicht.«

»Falls ...«

»Klar«, versprach ich, »ich bringe dir einen neuen Stein mit. Falls es da welche gibt ...«

Aljoschka nickte und zog sich zur Tür zurück, seinen kostbaren Beutel fest an sich gepresst. Mit einem Mal blieb er jedoch stehen. »Haben Sie Ärger, Onkel Petja?«

»Wie kommst du denn darauf?«

»Es ... es sieht halt so aus.«

»Sag mal, Aljoschka«, erwiderte ich seufzend, »musstest du schon mal was machen, wozu du keine Lust hattest? Was dir absolut falsch vorkam?«

Der Junge nickte.

»Also ... jetzt muss ich so was machen«, teilte ich ihm mit.

»Aber Sie sind doch schon erwachsen!«, meinte Aljoschka verwundert.