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Wegen der zentralamerikanischen Landbrücke wurden die Meeresströmungen in eine Nord-Süd-Richtung gezwängt. Damit begann ein neuer Wärmeaustausch zwischen den Tropen und der Arktis. Er brachte Wetter mit sich, wie es schon sehr lange nicht mehr auf der Erde geherrscht hatte.

Die erste Folge war offenbar ein massives Waldsterben, weil der Kohlendioxidgehalt in der Luft beträchtlich abnahm. Nach einer Million Jahre betrug er nur noch die Hälfte und sank weiter. Das bedeutete, dass die Atmosphäre entsprechend weniger Wärme speichern konnte. Zugleich bedingte die Umleitung der Ozeanströmungen ein heftigeres und wechselhafteres Klima. Die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten wurden dramatisch, und die riesigen Laubwälder, die sich bis in die Arktis erstreckten, wichen einer Taiga mit deren charakteristischen Nadelbäumen.

Die Winter wurden länger. Nord- und Südpol waren nun ganzjährig von Schnee bedeckt. Im Norden kroch das Eis südwärts voran und begrub die letzten Reste des alten Laubwaldes unter sich. Den Tieren wurde damit der Zugang zu ihrer Nahrung abgeschnitten, ein Kampf ums nackte Überleben brach aus. Vor dem Eis erstreckte sich über Tausende von Quadratkilometern die Taiga. Dort erwiesen sich Bären, die groß genug waren, um Menschen zu zerfetzen, als die vorherrschende Raubtierart.

Blizzards und Hurrikane wurden zu etwas Alltäglichem, und auch Tornados dürften über den Ebenen gewütet haben. In dieser Zeit ist wohl kein Supersturm von der Art aufgetreten, die den Übergang von einer Eiszeit zu einer Wärmeperiode markiert. Der blieb einer nicht allzu fernen Zukunft vorbehalten, und zwar unserer Zeit, in der er selten, aber mit verheerenden Folgen toben sollte.

Seit drei Millionen Jahren schmilzt und schrumpft die Eisdecke wieder, aber sobald dieser Vorgang unterbrochen wird und das Eis zurückkehrt, schnellt die Aussterbequote in die Höhe. Für den Südpol gilt das allerdings nicht. Auf dem antarktischen Kontinent kann sich das Eis nicht nach Norden hin ausdehnen, denn dort ist es von Meer umgeben. Das ändert freilich nichts daran, dass auch in der südlichen Hemisphäre die Gletscher in Neuseeland und Südamerika in Kälteperioden dramatisch anwachsen.

Die Welt befindet sich gegenwärtig in einer Phase, in der sich lange Eiszeiten und kurze Wärmeperioden abwechseln. Seit deren Beginn stehen sämtliche Lebewesen unter enormem Überlebensdruck. Vor etwa 50000 Jahren begannen alte Gattungen schneller auszusterben, als neue nachfolgen konnten.

Von schwierigen und sich ständig wandelnden Bedingungen bedroht, haben die Hominiden einen schnellen Evolutionsprozess durchlaufen. In dieser geologisch gesehen kurzen Zeitspanne hat es eine Serie von mindestens sechs Hominidengattungen gegeben, und jede hat sich besser auf den Umgang mit Werkzeugen verstanden als die vor ihr. Insbesondere Homo erectus, der Vorgänger des Homo sapiens, stellte, was Intelligenz betrifft, einen gewaltigen Sprung nach vorne dar. Wie wir bereits erörtert haben, belegen kürzlich gemachte Funde in Deutschland, dass der Homo erectus nicht nur Werkzeuge benutzte, sondern es beim Schnitzen von Lanzen zu wahrer Meisterschaft brachte. Darüber hinaus – Funde in Indonesien legen das nahe – war er in der Lage, über die Meere zu segeln.

Seit unseren Anfängen benutzen wir unsere Denkfähigkeit, um auf den Druck durch die Umwelt zu reagieren. Um überleben zu können, haben wir alle möglichen handwerklichen Fertigkeiten erlernt, vom Funkenschlagen mit Flintsteinen bis hin zum Nähen von Fellen, der Herstellung von Benzin oder der Isolierung mit Baustoffen. Wir sind Gelehrte, Architekten und Ingenieure geworden und haben komplexe Gesellschaften aufgebaut. Das alles haben wir als Reaktion auf die verschiedensten Formen des Drucks durch unsere Umwelt getan.

Im Augenblick liegt unser Problem darin, dass wir zu erfolgreich sind. Das führt dazu, dass unser Erfolg nun ebenfalls ein Bedrohungsfaktor geworden ist. Unsere Intelligenz hat es uns ermöglicht, uns bis über das natürliche Gleichgewicht hinaus zu vermehren, und ein Ungleichgewicht bleibt in der Natur nicht lange bestehen. Sofern das gegenwärtige Bevölkerungswachstum unverändert anhält, wird unser Planet in der Mitte dieses Jahrhunderts doppelt so vielen Menschen Nahrung, Kleidung und Schutz bieten müssen wie heute.

Auch wenn gesellschaftliche Einflüsse die Vermehrung leicht bremsen, haben sich die Menschen bereits jetzt in derart gigantischem Ausmaß verbreitet, dass selbst ein Wachstum von nur einem Prozent unweigerlich zu einer Katastrophe führt. Schlimmer noch, je wohlhabender wir werden, desto mehr verbraucht der Einzelne. Wir werden also nicht nur mehr, sondern nehmen uns auch mehr von der Erde. Und während unsere Zahl zunimmt, gehen wir weit über die Zerstörung anderer Arten durch maßloses Jagen hinaus: Wir vernichten sie, weil wir immer mehr Raum für uns in Anspruch nehmen.

Die neuen Zentren der Menschen wirken sich ähnlich aus wie die Lavaströme in der Zeit der Saurier – sie decken fruchtbare Erde mit einer harten, steinigen Schicht zu. Und wie die in der Vorzeit weltweit lodernden Brände nach dem Einschlag des Kometen, der das Ende der Saurier bedeutete, jagen heute wir riesige Mengen an Abgasen in die Atmosphäre.

Daraus ergibt sich logischerweise die Frage: Was können wir tun, um eine Naturkatastrophe noch zu verhindern? So wie nichts mehr die Auswirkungen des Kometeneinschlags auf die Saurier aufhalten konnte, haben wir es nicht in der Hand, die Folgen unseres Tuns für unsere Mit-Kreaturen und uns selbst gänzlich rückgängig zu machen. Doch wir können Strategien entwickeln, die das Desaster lange genug hinauszögern, um es uns zu ermöglichen, effektive Maßnahmen zu ergreifen, die die – noch – über unsere Welt herrschenden natürlichen Prozesse überlagern.

Trotz alledem bleiben wir freilich zusammen mit sämtlichen übrigen Lebewesen dem gewaltigen Zyklus unterworfen, der diesen Planeten beherrscht. Menschliches Tun allein hat den sich anbahnenden Klimawandel nicht herbeigeführt. Die gleiche Form der Veränderung hat sich bisher am Ende jeder Erwärmungsperiode ereignet, seit mit dem Entstehen der zentralamerikanischen Landbrücke die Meeresströmungen umgeleitet wurden und der Zyklus von Überhitzung und Unterkühlung entstand, in dem wir heute gefangen sind.

Aber wie ist es möglich, dass die Erde sich in nur drei Millionen Jahren so radikal verändern konnte – von blühender Artenvielfalt und stabiler Umwelt zu der jetzt herrschenden aberwitzigen Situation, in der ein tödlicher natürlicher Zyklus Milliarden von Lebensformen einschließlich der intelligentesten seiner Geschöpfe in eisigem Griff hält?

Um das zu klären, müssen wir noch etwas tiefer in die jüngsten Klimaveränderungen eintauchen, in die plötzliche Rückkehr der Kälte, die sich als roter Faden durch dieses Buch zieht, die Katastrophe, die sich vor ungefähr 8000 Jahren ereignete. Wenn es so etwas wie Superstürme gibt, dann könnte damals sehr wohl einer zugeschlagen haben. Er war vielleicht nicht mächtig genug, um das Eis zurückzubringen, aber beim nächsten Mal kommen wir womöglich nicht mehr so leicht davon.

18.

Kommt er?

Plötzlicher Klimawandel ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache. Der Supersturm dagegen ist etwas ganz anderes. Bisher war niemand in der Lage zu erforschen, was in einer Periode plötzlicher Veränderungen abläuft, denn wir können nur die Auswirkungen beobachten, aber nicht das Ereignis selbst.

Wie wir jedoch in Kapitel 7 gesehen haben, erzählen uns die Fossilien eine Geschichte von plötzlichen verheerenden Umwälzungen und ebenso rätselhaftem wie schrecklichem Massensterben.