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Am Nachmittag macht sich die Gruppe so leise wie möglich daran, die Barrikade zu errichten. Insgesamt wollen sie eine Spanne von gut fünfzig Metern überbrücken, um die Vorgärten ihres Hauses und der beiden angrenzenden Gebäude zu sichern und dann noch mal zwanzig Meter an jeder Seite. Nick und Bobby lässt schon die geplante Länge zurückschrecken. Aber als sie drei Meter lange, vorgefertigte Zaunelemente unter der Veranda eines Nachbarn entdecken, geht die Arbeit überraschend schnell voran. Um es sich noch einfacher zu machen, reißen sie den gegenüberliegenden Zaun ab und bauen die Elemente in ihre Barrikade ein.

Bei Sonnenuntergang stellen Philip und Nick das letzte Teilstück am nördlichen Ende auf.

»Ich habe sie den ganzen Tag über nicht aus den Augen gelassen«, erklärt Philip und presst die Nagelpistole gegen ein Eckteil. Er meint damit den Schwarm aus Zombies, der sich weiterhin auf dem Golfplatz tummelt. Nick nickt, während er die beiden Querträger dicht aneinanderdrückt.

Philip drückt ab, und die Nagelmaschine gibt ein gedämpft klingendes Geräusch von sich – wie das Schnalzen einer Peitsche –, und bohrt einen fünfzehn Zentimeter langen Nagel ins Holz. Die Nagelpistole ist mit Teilen einer Decke umhüllt, die wiederum mit Isolierband angeklebt wurde, um den Geräuschpegel der Maschine zu dämpfen.

»Keiner von ihnen hat sich in unsere Richtung bewegt«, flüstert Philip und wischt sich den Schweiß von der Stirn, ehe er sich an das nächste Verbindungsstück macht. Nick hält es waagerecht, und Philip setzt die Maschine erneut an.

FFFFFFUMP!

»Ich bin mir da nicht so sicher«, meint Nick, ehe er sich die nächste Strebe schnappt. Der Schweiß lässt seine Roadie-Jacke an seinem Körper kleben. »Ich glaube, dass es nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann ist.«

FFFFFFUMP!

»Du machst dir zu viele Sorgen, Junge«, versucht Philip ihn zu beruhigen, rückt zum nächsten Teil des Zauns und zieht ruckartig am Verlängerungskabel, an das die Nagelpistole angeschlossen ist. Es schlängelt sich bis zum Nachbarhaus. Philip hat sechs Kabel à zehn Meter aneinanderschließen müssen, damit sie die Maschine hier benutzen können. Er hält inne und wirft einen Blick über seine Schulter.

Etwa fünfzehn Meter von ihnen entfernt spielt Brian mit Penny im Garten. Sie sitzt auf einer Schaukel, die er immer wieder anstößt. Es dauerte etwas, bis sich Philip mit der Tatsache abgefunden hatte, dass er seine Tochter seinem unglückseligen Bruder anvertrauen musste. Aber momentan war er einfach das beste Kindermädchen, das Philip auftreiben konnte.

Die Spielplatzanlage samt Schaukel ist natürlich eine Luxusausgabe. Wohlhabende Leute lieben es offenbar, ihre Kinder mit solchen Sachen zu verwöhnen. Und diese – sie muss wohl dem verschwundenen Jungen gehört haben – hat alles, was ein Kinderherz begehrt: ein Rutsche, ein Spielhaus, vier Schaukeln, eine Kletterwand, ein Klettergerüst und einen Sandkasten.

»Das hier ist unsere Oase«, fährt Philip fort, während er sich wieder an die Arbeit macht. »Solange wir aufpassen, kann uns hier nichts passieren.«

Sie sind so sehr in die Arbeit vertieft, dass sie das verräterische Schlurfen zuerst nicht hören.

Die Schritte kommen von der gegenüberliegenden Straßenseite. Philip nimmt sie nicht wahr, bis der Zombie nahe genug ist, um ihn zu riechen.

Nick steigt der Gestank zuerst in die Nase: Dieser schwarze, ölige Mief von verrottendem Protein – als ob man menschliche Überreste in Schweinefett anbraten würde. Nick wird sofort aufmerksam. »Augenblick mal«, unterbricht er Philip bei der Arbeit, in der Hand eine Planke. »Riechst du das auch?«

»Ja. Riecht wie …«

Ein glitschig schmieriger Arm taucht auf einmal durch das Loch in der Barrikade und fasst nach Philips Jeanshemd.

Der Angreifer ist eine tote Frau mittleren Alters in einem Designer-Jogginganzug, der mittlerweile nur noch in Fetzen an ihr hängt. Sie ist abgemagert und hat schwarze Stummelzähne. Ihre Augen stechen wie die eines Fischs hervor, während ihre hakenförmige Hand Philips Hemdzipfel mit stählerner Entschlossenheit festhält. Sie stößt ein Ächzen wie eine kaputte Orgelpfeife aus, als sich Philip zur Axt wendet, die etwa fünf Meter von ihm entfernt an einer Schubkarre lehnt.

Das sind fünf Meter zu weit.

Die tote Lady arbeitet sich mit dem gierigen Hunger einer großen Schnappschildkröte zu Philips Genick empor. Nick sucht verzweifelt nach einer brauchbaren Waffe. Doch alles geschieht viel zu schnell. Knurrend dreht sich Philip um. Erst jetzt wird ihm klar, dass er ja noch die Nagelpistole in der Hand hält. Er weicht den nach ihm schnappenden Zähnen aus und hebt die Pistole hoch.

Ohne innezuhalten presst er sie an die Stirn des Zombies.

FFFFFFUMP!

Die Zombie-Lady erstarrt.

Ihre eiskalten Finger lösen sich.

Philip befreit sich hastig und starrt schnaufend auf das Monster.

Die noch immer aufrechte Untote wankt. Einen Moment lang wirkt sie wie betrunken. Sie zuckt in ihrem Jogginganzug von Pierre Cardin zusammen, fällt aber nicht zu Boden. Der Kopf des fünfzehn Zentimeter langen verzinkten Nagels ragt direkt über der Nase aus der Stirn der Frau und sieht wie eine kleine Münze aus, die man dort festgeklebt hat.

Das Wesen hält sich eine halbe Ewigkeit lang aufrecht. Seine Augen, die an einen Haifisch erinnern, blicken zum Himmel, bis es schließlich langsam rückwärtszutaumeln beginnt. Das zerstörte Gesicht nimmt einen merkwürdigen, beinahe verträumt wirkenden Ausdruck an.

Einen Augenblick lang hat es den Anschein, als ob sich die Frau an etwas erinnern würde. Dann bricht sie endgültig auf dem Rasen zusammen.

»Ich glaube, die Nägel richten genug Schaden an, um die Monster zumindest aufzuhalten«, sagt Philip nach dem Abendessen, während er vor dem abgedunkelten Fenster im Wohnzimmer auf und ab tigert. In den Händen hält er die Nagelmaschine, die er zur besseren Anschauung in die Höhe hebt.

Die anderen sitzen um den großen glänzenden Eichentisch, auf dem noch Geschirr und die Überreste des Essens stehen. Brian hat das Kochen übernommen und einen Braten in der Mikrowelle aufgetaut. Für die Soße rührt er etwas Sahne in einen nicht üblen Cabernet Sauvignon. Penny befindet sich nebenan im Familienzimmer und schaut eine DVD der Kinderserie Dora an.

»Kann sein. Aber hast du auch gesehen, wie diese Frau zu Boden gegangen ist?«, fragt Nick und spielt mit einem Stückchen Fleisch, das noch auf seinem Teller liegt. »Nachdem du den Nagel versenkt hast … Hat ganz den Anschein gehabt, als ob sie einen Moment lang bekifft gewesen wäre.«

Philip läuft weiterhin durchs Wohnzimmer, wobei er mehrmals auf den Auslöser der Nagelpistole drückt. »Ja, aber was zählt, ist, dass sie letztlich zu Boden gegangen ist.«

»Das Ding ist auf jeden Fall leiser als eine Pistole oder ein Gewehr.«

»Und es ist einfacher, als den Schädel mit einer Axt aufzuspalten.«

Bobby, der gerade mit seiner zweiten Portion Braten mit Soße angefangen hat, gibt mit vollem Mund zu bedenken: »Nur schade, dass wir kein Verlängerungskabel haben, das zehn Kilometer lang ist.«

Philip drückt noch einige Male ab. »Vielleicht könnten wir das Ding mit Batterien betreiben.«

Nick blickt vom Tisch auf. »Vielleicht mit einer Autobatterie?«

»Ich habe eher an etwas gedacht, das einfacher zu handhaben ist. Vielleicht eine von diesen Laternenbatterien, oder wir nehmen eine aus einem der Rasenmäher.«

Nick zuckt mit den Achseln.

Bobby isst weiter.