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Jav beobachtete ihn lächelnd, während er aß.

»Ist das nicht sehr zufriedenstellend?« fragte er.

»Ich gebe zu, daß es eine ausgezeichnete und sättigende Mahlzeit ist«, antwortete Carthoris. »Aber sag mir doch, wie leben Tario und die anderen Ätheralisten, die der Überzeugung sind, Nahrung sei überflüssig?«

Jav kratzte sich nachdenklich den Kopf.

»Über diese Frage diskutieren wir recht häufig«, gab er zu.

»Sie ist praktisch unser stärkster Beweis gegen die Ätheralisten: aber wer soll das sonst wissen als Komal?«

Jav beugte sich tief hinunter zum Ohr des sitzenden Prinzen, schaute sich aber vorher noch ängstlich um.

Jav beugte sich tief hinunter zum Ohr des sitzenden Prinzen, schaute sich aber vorher noch ängstlich um.

»Komal ist die Essenz«, flüsterte er. »Selbst die Ätheralisten müssen zugeben, daß der Geist Substanz braucht, um der Vorstellungskraft die Erscheinung der Substanz zu vermitteln.

Gäbe es nämlich keine Substanz, so könnte sie ja auch nicht suggeriert werden. Was nie war, kann man sich auch nicht vorstellen. Kannst du mir folgen?«

»Oh, ich komme mit«, erwiderte Carthoris trocken.

»Also muß die Essenz eine Substanz sein«, fuhr Jav fort. »

Komal ist die Essenz des All, so wie es ist. Er wird von der Substanz erhalten. Er ißt. Er ißt die Wirklichkeit. Um genau zu sein – er ißt die Realisten. Und das ist Tarios Werk.

Er sagt nämlich, wenn wir schon behaupten, daß wir allein Wirklichkeit seien, dann müßten wir konsequent bleiben und zugeben, daß wir auch die einzig wahre Nahrung für Komal wären. Manchmal, so wie heute, finden wir andere Nahrung für ihn Torquasianer sind seine Leibspeise.«

»Und Komal ist ein Mensch?« wollte Carthoris wissen.

»Er ist das All, das sagte ich dir doch«, entgegnete Jav »Ich weiß nicht, wie ich es dir mit Worten begreiflich machen soll.

Er ist der Anfang und das Ende. Alles Leben entströmt Komal, denn die Substanz, die das Gehirn mit Vorstellungskraft ernährt, strahlt vom Leib Komals aus.

Sollte Komal einmal zu essen aufhören, dann würde alles Leben auf Barsoom aufhören. Er kann nicht sterben, aber er könnte zu essen aufhören. Tut er das, dann könnte er auch nicht mehr strahlen.«

»Und er nährt sich von Menschen? Von Männern und Frauen eures Glaubens?«

»Frauen?« tat Jav erstaunt. »Frauen? Es gibt keine Frauen in Lothar. Das letzte weibliche Wesen ist schon seit unendlich langer Zeit auf einer grausamen, schrecklichen Reise über die sumpfigen Ebenen an der austrocknenden See verschwunden. Damals jagten uns die grünen Horden quer über diese Welt zu unserem letzten Versteck, unserer uneinnehmbaren Festung Lothar.

Wir waren eine Rasse von unzähligen Millionen. Kaum zwanzigtausend Männer erreichten lebend Lothar. Es gab keine Frauen und Kinder mehr. Alle waren unterwegs umgekommen.

Die Zeit ging weiter, und einer nach dem anderen starb.

Unsere Rasse ging immer mehr dem Auslöschen entgegen.

Da wurde uns die Große Wahrheit enthüllt, daß der Geist das All ist. Noch viele starben, ehe wir unsere Kraft entwickelten, aber schließlich gelang es uns, den Tod zu besiegen, als wir ganz begriffen hatten, daß der Tod nur ein Zustand des Geistes ist.

Dann kam die Erschaffung der Geist-Leute, oder besser gesagt: die Materialisierung der Vorstellungen. Zum erstenmal benützten wir diese Erkenntnis praktisch, als die Torquasianer unser Versteck entdeckten, und zum Glück für uns brauchten sie für ihre Suche Jahrhunderte, bevor sie den einzigen winzigen Zugang zum Tal Lothar entdeckten.

An jenem Tag warfen wir ihnen unsern ersten Bogenschützen entgegen. Wir hatten damals eigentlich nur die Absicht, sie abzuschrecken durch die zahllosen Bogenschützen, die wir auf unsere Mauern und Dächern materialisierten. Ganz Lothar floß über von Pfeilen und Bogen.

Aber die Torquasianer ließen sich nicht erschrecken. Sie stehen unter den Tieren, denn sie kennen keine Angst. Sie erstürmten unsere Mauern, und einer stellte sich auf die Schultern eines anderen, um über eine menschliche Leiter die Mauerkrone zu erreichen. Es hätte nicht mehr lange gedauert, dann wären sie in die Stadt eingefallen und hätten uns überwältigt.

Nicht ein einziger Pfeil war von unsere Bogenschützen abgeschossen worden. Wir hatten nur dafür gesorgt, daß sie auf der Mauerkrone hin und her liefen, schrille Schreie ausstießen und dem Feind Drohungen zuschrien.

Später dachte ich daran, die Sache ein wenig auszubauen und das große Ding zu vollbringen. Ich konzentrierte also meinen mächtigen Intellekt auf die Bogenschützen meiner eigenen Schöpfung, denn jeder von uns produziert und leitet so viele Bogenschützen, wie seine geistige Kraft und Vorstellungswelt zulassen.

Ich veranlagte sie, Pfeile auf ihre Bogen zu legen, und das taten sie dann auch zum erstenmal. Ich ließ sie auf die Herzen der grünen Krieger zielen. Das alles ließ ich die grünen Männer auch sehen, und dann sahen sie, wie die Pfeile flogen, und ich ließ sie schließlich denken, daß diese Pfeile ihre Herzen durchbohrten.

Mehr war nicht nötig. Zu Hunderten stürzten sie von unserer Mauer, und als meine Gefährten sahen, was mir gelungen war, folgten sie sehr schnell meinem Beispiel, so daß sich die grünen Horden der Torquasianer blitzartig der Reichweite unserer Pfeile entzogen.

Natürlich hätten wir sie auf jede Entfernung hin töten können, aber wir hielten von Anfang an eine Regel ein – die des Realismus.

Wir tun nichts und lassen unsere Bogenschützen nichts tun – wenigstens nicht im Angesicht unserer Feinde – was diese nicht verstehen können. Sonst könnten sie ja die Wahrheit ahnen, und das wäre unser Ende.

Nachdem sich die Torquasianer aus der Reichweite unserer Bogenschützen zurückgezogen hatten, griffen sie uns mit ihren schrecklichen Flinten und Kanonen an, und diese ununterbrochenen Angriffe machten uns das Leben innerhalb unserer Mauern zur Hölle.

Deshalb kam ich auf den Plan, unsere Bogenschützen durch die Tore auf sie zu hetzen. Du hast doch heute gesehen, wie das wirkt!

Seit undenkbaren Zeiten greifen sie uns immer wieder an, und immer ist das Ergebnis das gleiche.«

»Und das ist alles nur ein Produkt deines Intellekts?« fragte Carthoris verwundert. »Dann müßtest du doch im Rat deines Volkes eine sehr geachtete Stellung einnehmen.«

»Ich bin auch«, erwiderte Jav mit einigem Stolz, »nach Tario der nächste.«

»Aber weshalb kriechst du dann auf dem Bauch zu seinem Thron?«

»Das verlangt Tario. Er ist sehr eifersüchtig auf mich. Ihm würde die geringste Entschuldigung genügen, mich an Komal zu verfüttern. Er fürchtet, ich könnte eines Tages seine Macht untergraben, verstehst du?«

Carthoris sprang plötzlich auf.

»Jav!« rief er. »Ich bin doch ein gieriges Tier! Hier sitze ich und fülle meinen Magen mit diesen Köstlichkeiten, während die Prinzessin von Ptarth wahrscheinlich noch gräßlichen Hunger leidet. Wir wollen deshalb in den Saal zurückkehren und ihr einiges Essen bringen.«

Der Lotharianer schüttelte den Kopf. »Das würde Tario nie erlauben! Er wird ohne Zweifel eine Ätheralistin aus ihr machen.«

»Aber ich muß zu ihr!« beharrte Carthoris. »Du sagst, in Lothar gibt es keine Frauen. Dann ist sie ja nur unter Männern, und wenn das so ist, muß ich in ihrer Nähe bleiben, um sie notfalls verteidigen zu können.«

»Tario setzt seinen Willen durch«, erklärte ihm Jav. »Er hat dich weggeschickt, und du darfst nicht zurückkommen, ehe er nach dir verlangt.«

»Dann gehe ich selbst und warte nicht auf seine Aufforderung, daß ich kommen soll.«

»Aber vergiß die Bogenschützen nicht«, warnte Jav.

»Nein, die vergesse ich schon nicht«, erwiderte Carthoris, doch er deutete Jav gegenüber nicht an, daß ihm noch etwas eingefallen war, das der Lotharianer hatte fallen lassen.

Carthoris ging zur Tür. Jav trat vor ihn und versperrte ihm den Weg.

»Roter Mann, ich mag dich gern«, sagte er. »Vergiß aber nicht, daß Tario noch immer mein Jeddak ist und daß Tario befohlen hat, daß du hier bleiben sollst.«