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„Was hast du vor, Al?“ fragte Zeemeister, der sich wieder dem anderen zuwandte.

Aber er bekam keine Antwort; sein Gegenüber schritt nur langsam weiter, lächelte, schwang die Keule.

Im letzten Augenblick, bevor er in Reichweite des Knüppels kam, sprang Zeemeister. Er schnellte auf die Plattform hoch und rannte los, so schnell er konnte. Aber durch die Rotation kollidierte er mit der zentralen Einheit, von der die Hand ausging, die aussah, als würde sie ihn kratzen.

Durch seine Geschwindigkeit und den Aufprallwinkel wurde er auf den Gürtel geschleudert. Das Messer und der schillernde Sternstein fielen ihm aus der Hand, als er versuchte, seinen Sturz abzufangen. Sie kullerten in dem Augenblick auf den Boden, als er in den Tunnel getragen wurde. Sein Schrei wurde merkwürdig abrupt abgebrochen. Ich sah weg, aber nicht schnell genug.

Die Maschine kehrte sein Innerstes nach außen.

Natürlich klatschte der Inhalt seines Kreislauf- und Verdauungssystems auf den Boden.

Zudem hatte sie alle inneren Organe nach außen geschafft, man konnte sie deutlich sehen.

Der Inhalt meines eigenen Magens kam ebenfalls hoch, ich würgte noch immer, als die anderen bereits wieder alle durcheinander sprachen. Wie gesagt, ich hatte nicht schnell genug weggeblickt.

Charv war schließlich der erste, dessen Magen gefestigt genug war, daß er zu den Überresten gehen und sie mit einem Mantel unseren Blicken entziehen konnte. Sie alle waren am Ausgang der Rhenniusmaschine auf den Boden gefallen. Dann, erst dann, kam Ragma wieder näher, er rief immer wieder hysterisch: „Der Stein! Der Stein! Wo ist der Stein?“

Aus wäßrigen Augen suchte ich danach, da sah ich die blutverschmierte Gestalt Paul Bylers, der mit dem Handtuch unter dem Arm zum Ausgang rannte.

„Einmal Monarchist“, rief er dabei, „immer Monarchist!“ Und schon war er draußen.

Soweit zu den Ehrlichen und den fast Ehrlichen. Aus und vorbei.

Die Halluzination ließ ihre Keule ein letztes Mal kreisen, wandte sich um, nickte mir zu und näherte sich dann unserer Gruppe. Ich erhob mich, nickte zurück, nahm allen Mumm zusammen und schaffte auf diese Weise sogar ein Lächeln.

„Fred, mein Junge, wie groß du geworden bist“, sagte er. „Wie ich hörte, hast du einen hohen Titel und eine gutdotierte Stelle. Gratuliere.“

„Vielen Dank“, entgegnete ich.

„Wie geht es dir?“

„Durchwachsen“, versicherte ich ihm. „Ich habe nie gewußt, wie dein Export-Import-Geschäft tatsächlich aussieht.“

Er kicherte. Dann schloß er mich in die Arme.

„Gemach, Junge, gemach“, sagte er, wobei er mich wieder auf Armeslänge von sich stieß. „Laß mich dich anschaun. So. Das also ist aus dir geworden. Könnte schlechter sein, könnte wirklich schlechter sein.“

„Byler hat den Stein!“ kreischte Charv.

„Der Mann, der gerade getürmt ist …“ begann ich.

„… wird nicht weit kommen, Junge. Frenchy ist draußen und sieht zu, daß keiner von hier entkommen kann. Wenn du genau hinhörst, kannst du vielleicht sogar das Klappern von Hufen auf Marmor hören.“

Ich hörte und ich konnte. Ich hörte auch Flüche und die Geräusche eines Kampfes.

„Wer, Sir, sind Sie?“ fragte Ragma, der sich auf die Hinterbeine stellte und näher kam.

„Das ist mein Onkel Albert“, sagte ich. „Der Mann, der mir den Schulbesuch ermöglichte: Albert Cassidy.“

Onkel Albert sah Ragma aus zusammengekniffenen Augen an, bis ich ihm erklärte: „Das ist Ragma. Er ist ein verkleideter Polizist. Sein Partner heißt Charv, das Känguruh.“

Onkel Al nickte.

„Die Verkleidung scheint mir recht perfekt“, kommentierte er. „Wie gelingt euch dieser Effekt?“

„Wir sind Extraterrestrier“, erklärte Ragma.

„Oh, das erklärt natürlich alles. Sie werden meine diesbezügliche Ignoranz entschuldigen müssen. Ich mußte leider einige Jahre lang tiefgefroren im Kühlschrank verbringen. Sind Sie Freunde von Fred?“

„Wir versuchen es“, antwortete Ragma.

„Schön, das zu wissen“, sagte er lächelnd. „Denn wenn Sie ihm etwas zuleide tun wollten, dann würde ich mich auf sie stürzen wie eine Katze auf die Maus. Was ist mit den anderen, Fred?“

Aber ich antwortete ihm nicht, denn ich hatte in diesem Augenblick nach oben gesehen, und nun explodierte mir ein ganzes Feuerwerk gleichzeitig im Kopf. Alle Zusammenhänge wurden mir klar.

„Das Lächeln!“ schrie ich und stapfte auf das hintere Ende der Halle zu.

Ich war noch nie hinter der Tür an dieser Seite gewesen, aber ich war vertraut mit der inversen Oberfläche des Daches, und mehr brauchte ich augenblicklich nicht zu wissen.

Ich öffnete die Tür und folgte dem dahinter liegenden Korridor. Bei der ersten Gabelung wandte ich mich nach links. Zehn rasche Schritte, eine weitere Biegung, dann stand ich vor der Treppe, die nach oben führte. Ich umklammerte das Geländer und rannte hoch, zwei Stufen auf einmal nehmend, mit keuchendem Atem.

Wie das alles zusammenpaßte, wußte ich nicht, aber daß es zusammenpaßte, daran zweifelte ich nicht.

Ich erreichte einen Treppenabsatz, wandte mich um, erreichte einen zweiten, wandte mich ein zweites Mal um. Das Ende war nahe.

Schließlich befand ich mich auf dem letzten Absatz am Ende der Treppe. Dort war eine Tür, die zu einem geschlossenen Pavillon mit milchigen Fenstern führte. Ich hoffte, daß die Tür sich auch ohne Schlüssel öffnen ließ, denn es würde sicher eine Weile dauern, ein Fenster mit dem davor befindlichen Gitter einzuschlagen, wenn es mir überhaupt gelang. Trotzdem suchte ich im Weitereilen nach geeigneten Werkzeugen für diesen Zweck.

Ich erspähte einigen Plunder, der mir hilfreich sein konnte, da anscheinend niemand mit Ein- oder Ausbrechern hier oben gerechnet hatte. Aber alles erwies sich als unnötig, denn die Tür öffnete sich knarrend, als ich die Klinke niederdrückte und mich dagegenwarf.

Die Tür gehörte der schweren, sich nur langsam öffnenden Sorte an, aber als ich sie schließlich ganz offen hatte und hinaustrat, wußte ich, ich stand etwas sehr Wichtigem gegenüber. Ich blinzelte in die Dunkelheit, um Konturen ausmachen zu können, die mir meine Erinnerung an die Beschaffenheit des Daches einflüsterte. Irgendwo dort draußen, zwischen den Sternen, dem Mond, dem nächtlichen Himmelszelt und dem Panorama Manhattens war eine ganz spezielle Lücke, die ich aufspüren mußte. Die Umstände mochten gegen mich sprechen, aber trotzdem mußte ich es schnellstmöglich versuchen. Wenn meine Ahnungen sich bewahrheiteten, dann hatte ich eine Chance …

Nach Atem ringend, studierte ich das Panorama. Mit dem Rücken zum Pavillon umrundete ich diesen langsam und starrte in die Dunkelheit, wobei ich jeden Schatten und jede Unebenheit des Daches genau untersuchte. Es war eine fast klassische, buchstäblich unheimliche Situation, nur befand ich mich eben nicht in einem Kohlenkeller, und die Mitternachtsstunde war auch schon lange vorüber.

Das Objekt meiner Suche konnte einen beachtlichen Vorsprung haben. Aber in mir wuchs das Gefühl, daß ich recht hatte, und das gab mir Sicherheit und Beharrlichkeit. Ich würde nicht wieder gehen. Wenn er wartete, würde ich auch warten. Sollte ich ihn fliehen sehen, würde ich mich an seine Fährte heften.

„Du bist hier irgendwo, ich weiß es genau“, sagte ich. „Und ich weiß, du kannst mich verstehen. Die Zeit der Abrechnung ist gekommen, du bist zu weit gegangen. Deswegen bin ich hier. Willst du dich ergeben und mir einige Fragen beantworten? Oder möchtest du die Situation noch verschlimmern?“

Keine Antwort. Ich mußte unbedingt finden, was ich zu finden gehofft hatte.