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Deswegen haben wir die Rakete dort landen lassen, Barlennan, denn an den Polen eurer Welt herrscht die höchste Schwerkraft aller uns bisher bekannten Planeten. Der Wert der Meßinstrumente an Bord der Rakete läßt sich nicht in Zahlen ausdrücken, die du von mir gelernt hast, und als die Rakete nicht wieder startete, wurde sofort ein Bergungsprogramm entworfen. Wir müssen diese Meßwerte haben – und wenn wir einen Kanal graben, damit die Bree das andere Meer erreicht.«

»Welche Instrumente befinden sich an Bord der Rakete?« fragte Barlennan. Er bedauerte diese Frage im gleichen Augenblick, denn Lackland konnte mißtrauisch werden und erraten, was der Komma ndant wirklich im Sinn hatte. Der Flieger lächelte jedoch nur.

»Tut mir leid, aber das kann ich dir nicht erklären, Barl. Dir fehlt einfach das technische Wissen, das in diesem Fall Voraussetzung wäre.« Obwohl der Flieger nicht mißtrauisch zu sein schien, gab Barlennan sich mit dieser Auskunft zufrieden.

»Wäre es nicht besser«, sagte er nach einer kurzen Pause, »jetzt Bilder zu suchen, die das Gebiet östlich von hier zeigen?«

Lackland nickte zustimmend, sortierte den Stapel vor sich und zog ein Foto heraus, das die Bucht zeigte, in der die Bree lag. Dann legte er weitere Aufnahmen daneben, und der Mesklinit sah gespannt zu, wie eine Karte des Landes entstand, das er noch nie gesehen hatte. Aber Lacklands Erwartungen wurden bald enttäuscht, denn die Küste bog schon achthundert Kilometer weiter nordöstlich wieder nach Westen ab. An diesem Punkt mündete ein gewaltiger Strom ins Meer, und Lackland verfolgte seinen Lauf in der Hoffnung, hier eine Passage entdeckt zu haben. Dreihundert Kilometer flußaufwärts zeigten sich jedoch unzählige Stromschnellen – der Traum von einer Meeresstraße war also ausgeträumt, bevor er recht begonnen hatte.

Der große Strom hatte über fünfzig Nebenflüsse und sein Einzugsgebiet erstreckte sich vor allem in südöstlicher Richtung. Lackland folgte ihm weiter und stellte fest, daß er am Fuß einer Gebirgskette entsprang. Er schüttelte trübselig den Kopf, denn nun schien festzustehen, daß auch hier kein Übergang in den anderen Ozean möglich war. Barlennan war entschieden hartnäckiger.

»Du darfst nicht einfach aufgeben!« drängte er.

»In meiner Heimat gibt es einen ähnlichen Höhenzug, von dessen beiden Seiten Flüsse ins Meer strömen.« Lackland hielt nicht viel von diesem Vorschlag, denn er erinnerte sich deutlich genug an Südamerika, legte aber weiter Fotos aneinander.

Das Gebirge verlief entlang eines schmalen Streifens von Ostnordost nach Westsüdwest, und Lackland sah zu seiner Überraschung, daß die unzähligen kleinen Flüsse der anderen Seite bald zu einem beachtlichen Strom zusammenflossen. Der Höhepunkt war erreicht, als dieser Strom achthundert Kilometer weiter in den östlichen Ozean mündete.

Lackland arbeitete fieberhaft weiter und stellte eine neue Karte zusammen, die im Westen den Liegeplatz der Bree und im Osten das andere Meer zeigte. Dazwischen lag das Festland.

Die Landbarriere war nur schmal; an einem Punkt achthundert Kilometer nördlich des Äquators betrug die Entfernung von Küste zu Küste kaum zwölfhundert Kilometer, und diese Strecke verringerte sich erheblich, wenn man berücksichtigte, daß die großen Flüsse teilweise weit über den Unterlauf hinaus schiffbar waren. Lackland stellte fest, daß nicht mehr als fünfhundert Kilometer Land zwischen der Bree und einem verhältnismäßig leichten Weg zum Ziel lagen. Fünfhundert Kilometer – im Vergleich zu anderen Entfernungen auf Mesklin nur ein kleiner Schritt.

Unglücklicherweise war diese Strecke jedoch für die Besatzung der Bree wesentlich mehr als nur ein Schritt, denn ihr Schiff befand sich noch immer im falschen Ozean. Lackland studierte lange seine Karte und teilte Barlennan das Ergebnis seiner Überlegungen mit. Er hatte keine Antwort oder z umindest nur lauen Widerspruch erwartet, weil seine Feststellung nur die Wahrheit ausdrückte – aber der Eingeborene verblüffte ihn.

»Das spielt keine Rolle, wenn ihr noch mehr Metall der gleichen Art habt, auf dem wir dich und das Fleisch zurückgebracht haben!« antwortete Barlennan sofort.

6

Lackland starrte den Meskliniten sprachlos an und wollte zunächst seinen Ohren nicht trauen. Dann fragte er zögernd: »Soll das heißen, daß ihr bereit wärt, die Bree auf einem Schlitten über Land zu ziehen, wie ihr mich gezogen habt?«

»Nicht ganz. Das Schiff ist viel schwerer als wir, und wir brächten es kaum von der Stelle. Ich dachte eher daran, daß du uns ziehen würdest – mit einem anderen Schlepper.«

»Hmm, das wäre möglich, solange wir nicht auf Gelände stoßen, in dem der Schlepper nicht mehr vorankommt. Aber die Fahrt ist vielleicht gefährlich – wir müßten Bergrücken überqueren und in ein unbekanntes Land vorstoßen, das keiner von uns kennt. Glaubst du nicht, daß die Besatzung davor zurückschrecken würde?«

»Wir leben schon immer gefährlich«, versicherte Barlennan ihm. »Ich habe mich gut an Höhen g ewöhnt – selbst ans Dach deines Schleppers. Gefahren schrecken uns nicht, denn die Bree ist mit Feuer bewaffnet, und Landtiere sind notwendigerweise kleiner als Seeungeheuer.«

»Du hast natürlich recht, Barl«, stimmte Lackland zu. »Ich wollte dich nicht entmutigen, sondern mich nur vergewissern, daß du dir die Sache gründlich überlegt hast. Wenn wir einmal unterwegs sind, können wir schlecht umkehren.«

»Das weiß ich, Charles. Du brauchst dir deswegen keine Sorgen zu machen.« Der Kommandant sah zum Himmel auf. »Ich muß zum Schiff zurück; überall ziehen schwere Wolken auf. Ich werde meinen Leuten erklären, was uns bevorsteht, und sie daran erinnern, daß jeder von ihnen am Gewinn dieser Reise seinem Rang entsprechend beteiligt wird. In meiner Besatzung gibt es keinen, der seine Angst nicht überwinden könnte, wenn er dabei reich wird.«

»Und du, Barl?« fragte Lackland.

»Oh, ich habe keine Angst«, erwiderte der Mesklinit und verschwand in der Nacht. Als Rosten von dem neuen Plan hörte, machte er einige bissige Bemerkungen darüber, daß Lackland sich wieder einen Trick habe einfallen lassen, um zu einem Schlepper zu kommen.

»Vielleicht läßt sich die Sache wirklich so durchführen«, gab er dann widerwillig zu. »Wie soll der Schlitten für Barlennans Ozeandampfer aussehen?

Wie groß ist das Ding?«

»Die Bree ist etwa zwölf Meter lang und knapp vier Meter breit; ihr Tiefgang beträgt nicht mehr als fünfzehn Zentimeter. Sie besteht aus einzelnen Flößen, die sich unabhängig voneinander bewegen können – der Grund dafür dürfte klar sein.«

»Allerdings«, knurrte Rosten. »Jedes Schiff mit starrem Rumpf, das dort unten in die Nähe eines Pols kommt, besteht bald aus einzelnen Stücken – ob es so abgefahren ist oder nicht. Wie wird es angetrieben?«

»Auf zwanzig oder fünfundzwanzig Flößen stehen Masten mit Segeln. Ich vermute, daß die Bree auch Kielschwerter hat, die eingeholt werden, wenn die Besatzung das Schiff a n Land zieht. Ich kann nicht beurteilen, ob die Eingeborenen gute Seeleute sind, aber da der Kommandant mir von unglaublich langen Reisen erzählt hat, nehme ich an, daß sie gut mit Wind und Wetter zurechtkommen.«

»Das glaube ich auch. Gut, wir bauen eine Art Schlitten aus Leichtmetall.«

»Wann bekomme ich den Schlepper?« fragte Lackland.

»Sobald Sie ihn brauchen können, das heißt im Frühjahr«, antwortete Rosten. »Und wenn Sie den zweiten auch in die Luft jagen, können Sie sich die Mühe sparen, einen dritten anzufordern. Der dritte steht nämlich auf der Erde…«

Als Barlennan einige hundert Tage später hörte, daß der Schlitten bereits gebaut wurde, zeigte er sich hochbefriedigt. Auch die Besatzung konnte es kaum noch erwarten, zu dieser Fahrt ins Ungewisse aufbrechen zu dürfen; Lackland schloß daraus, daß der Kommandant und seine Leute dort nicht nur reinen Gewinn, sondern auch Abenteuer zu finden hofften.

»Wir brechen auf, sobald die Stürme nachlassen«, sagte Barlennan. »Hast du dir schon die beste Route überlegt?«