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Biene legt sich neben mich.

»Ich find’s sch?n, dass du da bist. Soll ich dir mal unseren Garten zeigen ? Die sind hier doch bestimmt noch besch?ftigt.«

Ich bin unschl?ssig. Biene scheint nett zu sein, doch irgendwie auch ein bisschen aufdringlich. Und sie ist zwar h?bsch, aber bestimmt blasiert.Von der Harkortsh?he. Oder ich bin heute nicht so in Stimmung f?r Konversation.

Sie scheint zu merken, dass ich z?gere.

»Ach, nun komm schon. Ist doch spannender, als hier auf dein Frauchen zu warten.«

Stimmt. Ich seufze und raffe mich auf. Sie l?uft zur?ck in Richtung der Treppe, ?ber die wir eben gekommen sind, ich folge ihr. Wieder in der grossen Halle traben wir zu einem kleinen Flur, von dem wiederum ein Zimmer abgeht. Hier steht eine Terrassent?r offen, durch die Biene verschwindet. Okay, ist wahrscheinlich wirklich besser, als bei dem sch?nen Wetter weiter hier drinnen rumzuh?ngen. Also hinterher.

Wuff ! Sagte ich vorhin, dass diesem Haus zum Schloss der Park fehlt ? Na, da kannte ich seine R?ckseite noch nicht !Garten ist die Untertreibung des Jahres. Eine riesige Rasenfl?che, eingefasst von haushohen Eichen und ges?umt von akkurat angelegten Beeten, f?ngt direkt hinter der Terrasse an und erstreckt sich bis hinunter zur Elbe. Uns trennt kein einziges anderes Haus von dem gewaltigen Fluss – fast sieht es so aus, als ob das grosse Schiff, das dort gerade entlangf?hrt, direkt durch den Garten kommt.

Ich bin wirklich beeindruckt, und das merkt man mir wohl auch deutlich an, denn Biene gibt mir einen kurzen Stups in die Seite.

»Hey, vergiss das Atmen nicht. Ich hab doch gleich gesagt, dass es im Garten spannender ist.«

»Gibt es hier auch Kaninchen ?«

»Klar. Kaninchen. Amseln. Maulw?rfe. Du kannst hier alles jagen, was du willst. Du bist auch ein Jagdhund, oder ?«

Ich nicke.

»Und ob. Ich stamme aus einer ganz ber?hmten Dackelzucht. Alle meine Vorfahren sind zur Jagd gegangen. Das haben wir im Blut, wir von Eschersbachs.«

Stolz hebe ich die Nase. Ich mag einBetriebsunfall gewesen sein, wie es irgendein Mensch mal bezeichnet hat. An meinen hervorragenden Instinkten?ndert das ?berhaupt nichts !

Biene ist Gott sei Dank zu h?flich, um weitere Fragen zu diesem Thema zu stellen, stattdessen h?pft sie munter vor mir die Stufen der Terrasse zum Rasen hinunter.

»Komm, Herkules, ich zeige dir mal, wie blendend man sich hier am?sieren kann.«

Die n?chste Stunde verbringen wir damit, um die Wette zu wetzen, Kaninchen einzusch?chtern und Eichh?rnchen die B?ume hochzujagen. Wir legen uns mit einer Elster an und m?ssen mehrmals ihrem Schnabel ausweichen, aber das st?rt Biene ?berhaupt nicht, sie ist beeindruckend mutig und hart im Nehmen.Dackel eben. Dann rollen wir uns im Sandstrand auf der anderen Seite des Zaunes, der das Grundst?ck von der Elbe trennt, und bekommen sogar einmal nasse Pfoten, als ein besonders grosses Schiff vorbeikommt. Es ist herrlich !

Als pl?tzlich Caro und Bienes Frauchen auf der Terrasse auftauchen und nach uns rufen, w?rde ich mich am liebsten taub stellen. Aber Frau Hohwenser pfeift nur einmal hoch und schrill, schon l?uft Biene zu ihr. So ein gut erzogener Hund ! Wenn Herr Beck hier w?re, es w?rde all seine Vorurteile ?ber uns best?tigen. Langsam trotte ich auf Caro zu.

»Meine G?te, wie siehst du denn aus, Herkules ? Du bist ja v?llig verdreckt und sandig !« Carolin sch?ttelt tadelnd den Kopf. »Wie soll ich dich denn nach Hause transportieren, ohne dass Marc einen Schlag kriegt, wenn er das Auto sieht ? Am besten, du nimmst im Kofferraum Platz.«

Ich, im Kofferraum ? Was f?r eine bodenlose Unversch?mtheit ! Emp?rt jaule ich auf.

Frau Hohwenser lacht.

»Da ist aber jemand gar nicht einverstanden mit Ihrem Plan. Warten Sie, ich gebe Ihnen eine alte Decke mit, da kann das Kerlchen drauf Platz nehmen. Es freut mich ja, dass die beiden anscheinend so viel Spass hatten. Das n?chste Mal, wenn ich in Ihre Werkstatt komme, nehme ich Biene einfach mit.«

Als ich das h?re, wedele ich mit dem Schwanz. Das ist eine ausgezeichnete Idee ! Biene ist ein richtig klasse Kumpel, auf so jemanden trifft man wirklich nicht alle Tage. Ich werfe ihr einen kurzen Blick zu – sie scheint das Gleiche zu denken wie ich. Jedenfalls wirkt auch sie sehr gl?cklich. Wer h?tte gedacht, dass mein Ausflug ins Theater so ein Erfolg wird ?

NEUNZEHN

Aber was ist denn so schlimm daran, wenn Mama zur Hochzeit kommt ? Ihr habt gesagt, dass ihr nur Familie einladen wollt. Und Mama ist eindeutig Familie.«

Luisa klingt entt?uscht und w?tend. Marc seufzt.

»Luisa, ich habe doch schon versucht, es dir zu erkl?ren: Wenn Mama zur Hochzeit kommt, f?hlen sich Caro und ich nicht wirklich wohl. Und das w?re bei der eigenen Hochzeit schade, meinst du nicht auch ?«

»Ach, und ob ich mich wohlf?hle, ist anscheinend v?llig egal. Das interessiert euch ?berhaupt nicht.« Okay, jetzt klingt das Kind nur noch w?tend. »Du hast mal zu mir gesagt, dass es manchmal besser ist, wenn sich Eltern trennen, weil sie sich sonst nur noch streiten w?rden, und sie sich besser verstehen, wenn sie nicht mehr ein Paar sein m?ssen.«

»Ja, das habe ich gesagt. Und das stimmt auch.«

»Nee, das stimmt offensichtlich nicht. Denn wenn ihr euch jetzt besser verstehen w?rdet, dann k?nntest du Mama ruhig einladen. Das war also gelogen.«

Marc holt tief Luft und will anscheinend etwas sagen, l?sst es dann aber. Irgendwie habe ich schon sch?nere Abende im Hause Wagner-Neumann erlebt. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, seit es wieder um das Thema Hochzeit geht. Dabei ist Hedwig nicht mal da, um sich mit kreativen Vorschl?gen in die weitere Planung einzubringen. Es war Luisa, die noch einmal mit Fragen zur Einladungspolitik um die Ecke kam. Ohne dabei freilich zu erw?hnen, dass sie mit Oma bereits an einer kleinen Erweiterung der G?steliste arbeitet. Ungefragt Sabine einzuladen hat sie sich aber offenbar nicht getraut.

Luisa funkelt Marc angriffslustig an. Ich ahne das Schlimmste, und bevor sie noch zur n?chsten Attacke ausholen kann, h?pfe ich kurz entschlossen auf ihren Schoss. Vielleicht kann sie eine Runde Dackelkuscheln wieder gn?diger stimmen. Tats?chlich r?ckt sie ihren Stuhl noch weiter vom K?chentisch weg und beginnt, mich zu kraulen.

»Braver Herkules, lieber Herkules. Manchmal glaube ich, du bist der Einzige, der mich hier versteht. Ausser Oma. Und Henri. Aber der z?hlt noch nicht. Papa ist jedenfalls richtig ?tzend.«

Marc tut so, als ob er das alles nicht h?rt, und f?ngt an, betont fr?hlich zu pfeifen, w?hrend er irgendetwas in einem der K?chenschr?nke sucht.

»M?chtest du auch einen Tee, Engelchen ?«

»Nein. Ich m?chte, dass du Mama einl?dst.«

»Dar?ber m?chte ich jetzt nicht mehr mit dir sprechen.«

Marc gibt sich alle M?he, gelassen zu klingen. Aber dass er mittlerweile ziemlich gereizt ist, h?re ich als ge?bter Zweibeinerversteher sofort.

»Okay, aber dann m?sst ihr wenigstens den Willi einladen.«

Oh, gute Idee ! Willi ist ein sehr alter Freund, den ich gleich in meinen ersten Tagen bei Carolin kennengelernt habe. Er wohnte damals praktischerweise auf einer Parkbank, so habe ich ihn bei einem meiner ersten Spazierg?nge dort entdeckt. In der Zwischenzeit ist er in eine kleine Wohnung umgezogen, aber ich treffe ihn immer noch, wenn ich in unserem Viertel unterwegs bin. Er verkauft n?mlich mittlerweile Zeitungen vor unserem Supermarkt, und dort bindet mich Caro oft neben Willi an, und er passt dann auf mich auf.

Marc scheint von der Idee allerdings nicht ganz so begeistert zu sein wie ich.

»Willi ? Wie kommst du denn auf den ?«

»Ganz einfach: Ich finde, der geh?rt zur Familie.«

»Findest du.«

»Ja. Und er ist einrichtig guter Freund.«

»Hm, ich weiss nicht. Das ist vielleicht nicht so passend.«

»Wieso nicht ?«

»Na, Willi ist schon reichlich speziell.«

»Ach, f?hlt ihr euch da wieder nicht wohl, oder wie ? Weil der Willi nicht so viel Geld hat wie alle anderen. Und nicht so tolle Klamotten, oder was ?«