Ich bereitete mich also vor, den anderen Weg einzuschlagen. Die Sprachen, die ich benötigte, frischte ich in Hypnose auf, wobei besonders die neuesten Schlagworte berücksichtigt wurden. Ich erhielt Papiere auf einen anderen Namen und viel Geld. Die Funkausrüstung, über die ich meine Berichte durchgeben sollte, war ein neues Modell, und es machte Spaß, sie zu benützen; das Ultrakurzwellengerät war kaum größer als eine Schnitte Brot, und die Batterie so gut abgeschirmt, daß sie einen Geigerzähler nicht einmal leise zum Ticken brachte.
Ich mußte den Abwehrschirm der Russen durchstoßen, aber es sollte unter dem Schutz eines >Anti-Radar-Fensters< geschehen, um den Technikern ihrer Suchkommandos ein Schnippchen zu schlagen. War ich einmal im Lande, hatte ich festzustellen, ob das russische Einflußgebiet von Parasiten verseucht war oder nicht. Dann hieß es, irgendeiner Weltraumstation, die in Sicht war, Nachricht zu geben. Oder besser gesagt: einer Station, die in der Visierlinie lag, denn mit freiem Auge vermochte ich sie nicht auszumachen, und ich mißtraute jenen Leuten, die angeblich dazu imstande waren. Hatte ich den Bericht erstattet, stand es mir frei, zu Fuß oder zu Pferd, auf allen vieren, mit oder ohne Bestechung mich wieder heimlich außer Landes zu schleichen.
Aber ich bekam nie Gelegenheit, diese Vorbereitungen in die Tat umzusetzen. Denn die fliegende Untertasse von Pass Christian landete.
Es war erst die dritte, deren Landung man tatsächlich beobachtete. Bei der in der Nähe von Grinnell war es den Schmarotzern gelungen, sie versteckt zu halten, und von der zweiten bei Burlingame waren nur mehr die radioaktiven Überreste vorhanden. Doch die fliegende Untertasse von Pass Christian wurde angepeilt und auf dem Boden gesichtet.
Aufgespürt hatte sie die Raumstation Alpha und sie als außerordentlich großen Meteoriten< gemeldet. Der Irrtum wurde durch ihre übermäßig hohe Geschwindigkeit verursacht. Das primitive Radargerät, das man vor etwa sechzig Jahren besaß, hatte oft fliegende Untertassen wahrgenommen, besonders wenn sie mit Geschwindigkeiten kreuzten, die ihnen erlaubten, unseren Planeten aus der Luft zu erkunden. Aber unsere modernen Apparate waren so weit >ver-bessert< worden, daß man mit ihnen fliegende Untertassen nicht mehr feststellen konnte; die Instrumente waren zu stark spezialisiert. Die Blockkontrollen für den Verkehr beobachteten nur die Luftfahrt. Der Abwehrschirm und die Radarmelder für Feuer bemerkten auch nur das, wofür sie besonders ausgerüstet waren. Das hochempfindliche Suchgerät >sah< nur Flugbahnen innerhalb eines Bereichs von atmosphärischen Geschwindigkeiten bis zu Geschossen, die mit acht Kilometern pro Sekunde im Raum flogen. Der grobe Schirm überschnitt sich mit dem feinen, er begann bei der niedrigsten Raketengeschwindigkeit und reichte bis zur Verfolgung von Objekten, die sich mit sechzehn Kilometer pro Sekunde fortbewegten.
Es gab noch Radarinstrumente mit bestimmter Trennschärfe, aber keines von ihnen war für Raumschiffe geeignet, die schneller als sechzehn Kilometer in der Sekunde flogen. Eine einzige Ausnahme bildeten der Radar, den die Raumstationen zur Bestimmung von Meteoren besaßen und der nicht für militärische Zwecke diente. Daher wurde der >Riesenme-teor< erst später als fliegende Untertasse erkannt.
Dagegen hatte man das Raumschiff von Pass Christian landen sehen. Der Unterwasserkreuzer U.N.S. Robert Fulton, der von Mobile zu einer Seekontrolle der roten Zone ausgelaufen war, lag sechzehn Kilometer vor Gulfport, als seine Empfangsgeräte anzeigten, daß die fliegende Untertasse niedergegangen war. Als das Raumschiff nach der Geschwindigkeit im All, die laut Meldung der Station Alpha sechsundfünfzig Kilometer pro Sekunde betrug, die Fahrt so weit verlangsamte, daß die Radargeräte des Kreuzers es wahrnehmen konnten, erschien sein Bild auf dem Schirm.
Es tauchte aus dem Nichts auf, die Schnelligkeit sank auf Null, dann verschwand es, aber der Mann am Radar hielt den Punkt fest, an dem der letzte Schimmer ein paar Meilen vor der Mississippiküste aufgefangen worden war. Der Kapitän des Kreuzers stand vor einem Rätsel. Ein Schiff konnte es nicht gewesen sein, denn Schiffe bremsten nicht mit fünfzig Schwerkrafteinheiten! Es kam ihm nicht in den Sinn, daß derlei für Parasiten keine Rolle spielen könnte. Er änderte den Kurs des Kreuzers und untersuchte den Fall. Seine erste Meldung lautete: >Raumschiff an der Küste westlich von Pass Christian in Mississippi gelandete Der zweite Funkspruch verkündete: >Lande-truppen nähern sich der Küste, um es zu umzingeln.<
Wäre ich nicht in den Räumen der Abteilung gewesen, um meine Fahrt vorzubereiten, hätte ich nicht mit von der Partie sein können. Doch nun schrillte mein Funktelefon. Ich stieß mit dem Kopf gegen die Maschine, an der ich gerade studierte, und fluchte. »Komme sofort. Eile!«
Wie vor vielen Wochen - oder waren es Jahre? -hatten sich wieder dieselben Leute zusammengefunden: der Alte, Mary und ich. Wir machten uns mit halsbrecherischer Hast auf den Weg nach Süden, ehe uns der Alte noch erklärt hatte, was uns bevorstand.
Als wir es erfuhren, fragte ich: »Warum reisen wir bloß als kleine Familie? Dazu würdest du eine voll ausgerüstete Luftflotte brauchen.«
»Die wird bereits dort sein«, antwortete er grimmig. Dann grinste er boshaft nach alter Weise. »Was kümmert’s dich? Die >Cavanaughs< sind wieder unterwegs. Nicht wahr, Mary?«
Ich schnaubte: »Wenn du willst, daß wir uns wieder wie Bruder und Schwester verhalten, hättest du dir lieber jemand anders mitnehmen sollen.«
»Vor Hunden und fremden Männern mußt du sie auch jetzt beschützen, das gilt noch«, entgegnete er ernst. »Und wenn ich das sage, meine ich es wörtlich. Heute können wir es ihnen vielleicht heimzahlen, mein Sohn.«
27
Beinahe hätten uns unsere eigenen Leute abgeschossen, dann aber nahm uns ein Geleit von zwei > schwarzen Engeln< unter seine Fittiche; sie lieferten uns am Kommandoschiff ab, von dem aus Marschall Rexton das Unternehmen beobachtete.
Das Kommandoschiff ging auf gleiche Geschwindigkeit und hievte uns mit einer Ankertrosse an Bord. Ich fand das Manöver aufregend.
Rexton hätte uns am liebsten eine Tracht Prügel verabreicht und uns wieder heimgeschickt, aber den Alten zu verprügeln war kein Kinderspiel. Schließlich durften wir wieder starten, und ich brachte unser Fahrzeug auf den Fahrdamm der Kaimauer westlich von Pass Christian. Ich muß gestehen, daß ich blödsinnige Angst hatte, denn beim Niedergehen bekamen wir von der Luftabwehr etwas ab. Um uns und über uns tobte ein wilder Kampf, während in der Nähe der fliegenden Untertasse selbst eine merkwürdige Stille herrschte.
Das seltsame Schiff ragte keine fünfzig Meter entfernt vor uns auf. Es war so überzeugend und gefahrdrohend, wie das von Iowa unecht gewesen war. In Form eines mächtigen Diskus lag es leicht gegen uns zu geneigt. Ein Teil ruhte auf einem der alten
Häuser, die auf Pfählen gebaut waren und die Küste säumten. Die fliegende Untertasse wurde von dem zerstörten Gebäude und von dem dicken Stamm eines Baums gestützt, der das Haus beschattet hatte.
Die schräge Lage des Schiffes ließ uns in der Mitte der Oberseite einen Vorsprung erkennen, der sicher eine Luftschleuse war. Diese metallische Halbkugel von etwa dreieinhalb Meter Durchmesser erhob sich zwei bis zweieinhalb Meter über den Rumpf des Schiffes, vielleicht war sie auch nach der Landung erst herausgeschoben worden. Wovon sie hochgehalten wurde, konnte ich nicht ausmachen, vermutlich war aber ein Mittelschaft oder Kolben vorhanden. Die Gestalt erinnerte an ein Tellerventil. Warum die fliegende Untertasse die Schleuse nicht wieder zugeklappt und sich aus dem Staub gemacht hatte, war leicht festzustellen; sie war unbrauchbar geworden, weil eine >Schlammschildkröte<, ein kleiner Amphibientank, der zu den Landetruppen der Fulton gehörte, sie offenhielt.