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Woran waren die Schneckenwesen verendet? Warum war der Überfall auf die Venus gescheitert? In Marys Gehirn hatten der Alte und Dr. Steelton nach Anhaltspunkten gesucht, um diese Fragen zu beantworten.

»Ist das alles?« meinte ich.

»Genügt es dir nicht?« entgegnete er.

»Die Geschichte gibt ebenso viele Rätsel auf, wie sie löst«, murrte ich.

»Wir wissen noch ein Gutteil mehr«, sagte er, »aber du bist weder Fachmann für Venusbiologie noch Psychologe. Soweit ich durfte, habe ich dir den Sachverhalt mitgeteilt, damit du weißt, warum wir Mary plagen müssen, und du sie nicht danach fragst. Sei gut zu ihr, mein Junge; sie hat wahrlich Kummer genug.«

Seinen Rat überhörte ich geflissentlich. Gott sei Dank konnte ich mit meiner eigenen Frau ohne fremde Hilfe zurechtkommen. »Eines sehe ich nicht ein«, erwiderte ich. »Wieso hast du Mary von Anfang an mit den fliegenden Untertassen in Zusammenhang gebracht? Jetzt verstehe ich, daß du sie schon auf unserem ersten Ausflug absichtlich mitgenommen hast. Du hattest damit recht. Aber wie bist du darauf gekommen? Bitte, ohne faule Ausreden.«

Der Alte sah verblüfft drein. »Mein Sohn, hast du manchmal Ahnungen?«

»Mein Gott, ja.«

»Und was ist eine Ahnung?«

»Hm? Man glaubt, daß sich etwas so oder so verhält, ohne dafür Beweise zu besitzen.«

»Ich möchte es lieber das Ergebnis einer automatischen Arbeit des Unterbewußtseins nennen, die sich auf Daten stützt, deren Vorhandensein dir nicht deutlich bekannt war.«

»Das klingt wie die Geschichte von der schwarzen Katze, die um Mitternacht durch einen Kohlenkeller schleicht. Du hattest keinerlei Daten. Erzähle mir bloß nicht, daß dein Unterbewußtsein mit Tatsachen arbeitet, die du nächste Woche erhältst.«

»Aber ich wußte Verschiedenes.«

»Woher?«

»Was geschieht mit einem Bewerber, ehe er als Agent angenommen wird?«

»Du horchst ihn persönlich aus.«

»Nein, nein!«

»Oh - die Analyse in Trance. Die Psychoanalyse in Hypnose hatte ich aus dem einfachen Grund vergessen, weil der Betroffene sich niemals daran erinnert. Damals erhieltest du also diese Angaben über Mary. Von einer Ahnung kann also keine Rede sein.«

»Wiederum muß ich >nein< sagen. Ich hatte nur sehr wenig Hinweise. Marys Abwehr ist stark. Und das wenige, das ich erfuhr, hatte ich vergessen. Aber ich war überzeugt, daß Mary für diese Aufgabe die richtige Agentin sei. Später ließ ich die Aufnahme ihrer Aussagen in Hypnose ablaufen. Da erkannte ich, daß noch mehr dahinter stecken mußte. Wir versuchten, sie auszuholen, aber es glückte nicht. Doch ich war nun sicher, daß sie noch mehr erlebt hatte.«

Ich überlegte. »Um das zu erreichen, hast du sie wahrlich nicht geschont.«

»Leider war es notwendig.«

»Schon gut, schon gut.« Ich zögerte einen Augenblick, dann erkundigte ich mich: »Was enthielt denn mein Hypnosebericht?«

»Die Frage gehört nicht hierher.«

»Wieso nicht?«

»Selbst wenn ich wollte, könnte ich dir das nicht sagen. Deine Analyse, mein Sohn, habe ich mir niemals angehört.«

»Wie kam das?«

»Ich ließ sie von meinem Stellvertreter prüfen. Er versicherte mir, sie enthalte nichts, was ich wissen müsse, so habe ich sie mir niemals vorführen lassen.«

»So? Nun, ich danke.«

Er knurrte nur. Vater und ich haben immer die eigene Gabe, uns gegenseitig in Verlegenheit zu bringen.

29

Die Schneckenwesen waren an etwas verendet, das sie sich auf der Venus zugezogen hatten; soviel glaubten wir zu wissen. Eine andere Gelegenheit, schnell und unmittelbar Genaueres darüber zu erfahren, würden wir wahrscheinlich nicht erhalten. Denn während der Alte und ich miteinander sprachen, traf eine Depesche ein, die meldete, daß die fliegende Untertasse von Pass Christian bombardiert worden sei, damit der Feind sie nicht zurückerobern konnte. Der Alte hatte vergeblich gehofft, die menschlichen Gefangenen in jenem Schiff wieder zum Leben zu erwecken und sie zu befragen.

Damit war es nun vorbei. Also wäre es höchst erwünscht gewesen, in Marys Erinnerungen die Antwort zu finden. Wenn eine ansteckende Krankheit, die auf der Venus zu Hause war, die Parasiten, aber nicht die Menschen tötete, wie Marys Fall bewies, blieb uns nichts übrig, als alle Seuchen zu prüfen und herauszubekommen, um welche es sich handelte. Ein erhebender Gedanke! Es war, als solle man an einem Strand jedes einzelne Sandkorn untersuchen.

Man mußte auf die Quelle zurückgreifen, von der man sich Hilfe erhoffte - auf Marys Gehirn. Mir gefiel das nicht, aber ich konnte es nicht verhindern. Sie

selbst schien nicht zu wissen, warum man von ihr immer wieder verlangte, sie solle sich einer Hypnose unterziehen. Obwohl sie einen heiteren, gelassenen Eindruck machte, deuteten Ringe unter den Augen und ähnliche Anzeichen darauf hin, wie sehr sie das anstrengte. Schließlich erklärte ich dem Alten, daß er damit aufhören müsse. »Ich hätte dich für vernünftiger gehalten«, erklärte er sanft.

»Hol's der Teufel! Wenn du jetzt noch nicht gefunden hast, was du suchst, wirst du es nie herausbekommen.«

»Weißt du, wie lange es dauert, bis man die gesamten Erinnerungen eines Menschen erforscht hat, selbst wenn man sich nur mit einem bestimmten Zeitabschnitt befaßt? Genauso lange, wie dieser Zeitraum währte. Falls das, was wir suchen, überhaupt vorhanden ist, mag es nur eine winzige Kleinigkeit sein.«

Ich kaute an meiner Unterlippe. »Warum hast du mich nicht nach Rußland geschickt, anstatt mich hierzubehalten?«

»Ich wollte, daß du bei Mary bliebest, damit sie den Mut nicht verliert. Zweitens ist deine Fahrt nicht mehr nötig.«

»Wieso? Was ist vorgefallen?«

»Wenn du dich einmal wie ein erwachsener Mensch für die Nachrichten interessiertest, würdest du nicht so dumm fragen.«

Ich eilte hinaus und holte mir Bescheid über die neuesten Vorkommnisse. Diesmal hatte ich sogar die ersten Berichte über die Pest in Asien versäumt, das zweite aufsehenerregende Ereignis des Jahrhunderts. Seit dem siebzehnten Jahrhundert war es die einzige Epidemie des Schwarzen Todes, die sich über einen ganzen Kontinent ausbreitete.

Ich konnte es nicht fassen. Was war geschehen?

Ich gewann aus den einzelnen Tatsachen einen Überblick und suchte erneut den Alten auf. »Chef, in Rußland gab es tatsächlich Parasiten.«

»Ja.«

»Du weißt es? Nun, um Himmels willen, wir sollten schleunigst etwas unternehmen, oder das ganze Mississippital wird sich bald in dem gleichen Zustand befinden wie jetzt Asien.«

Ich faßte einen Entschluß, den ich schon zuvor erwogen hatte: ich wollte meine Teilnahme an den Sitzungen erzwingen, in denen man Marys Seele erforschte. Wenn es in ihren verschütteten Erinnerungen einen Hinweis gab, der uns half, die Parasiten zu töten, könnte vielleicht ich etwas entdecken, das die anderen übersehen hatten. Auf jeden Fall wollte ich dabei sein, ob es Steelton und dem Alten paßte oder nicht.

30

Mary und ich hausten in einem Kämmerchen, das für einen einzelnen Offizier bestimmt war; wir hatten so wenig Platz wie in einer Heringsdose, aber das kümmerte uns nicht. Am nächsten Morgen erwachte ich zuerst und vergewisserte mich wie gewohnt, daß sich kein Parasit an Mary herangemacht hatte. Während ich das tat, öffnete sie die Augen und lächelte schlaftrunken.

»Mary, kennst du die Inkubationszeit der Beulenpest?«

»Muß das sein? Eines deiner Augen ist ein wenig dunkler als das andere.« Ich rüttelte sie. »Gib acht, Mädel. Letzte Nacht war ich in der Bibliothek des Laboratoriums und habe mir einiges ausgerechnet. Danach müssen die Parasiten die Russen mindestens drei Monate früher als uns überfallen haben.«