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»Lang genug, Liebes. Wir sind wie füreinander geschaffen. Ich bin ja so glücklich.«

»Hat er einen Job?«, fragte Dana.

»Führ dich nicht auf wie mein Vater. Selbstverständlich hat er einen Job. Er ist ein sehr erfolgreicher Versicherungsvertreter. Peter Tomkins heißt er. Er hat ein wunderschönes Haus in Westport, und ich kann’s kaum erwarten, dass du und Kimbal raufkommt und ihn kennen lernt. Ihr kommt doch?«

»Natürlich.«

»Peter möchte dich unbedingt kennen lernen. Er hat jedem erzählt, wie berühmt du bist. Bist du sicher, dass ihr es schafft?«

»Ja.« Dana hatte am Wochenende keine Sendung, daher konnte sie jederzeit weg. »Kemal und ich freuen uns schon darauf.«

»Du wirst deine Großmutter kennen lernen«, sagte Dana, als sie Kemal von der Schule abholte. »Wir werden noch eine richtige Familie, mein Schatz.«

»Mega.«

Dana lächelte. »Ganz recht, mega.«

Am frühen Samstagmorgen fuhren Dana und Kemal nach Connecticut. Dana freute sich auf den Abstecher nach Westport.

»Es wird bestimmt ganz wunderbar«, versicherte sie Ke-mal. »Großeltern brauchen ihre Enkel, damit sie jemanden haben, den sie verwöhnen können. Das ist ja das Gute daran, wenn man Kinder hat. Und du wirst eine Zeit lang bei ihnen bleiben können.«

»Bist du auch dabei?«, fragte Kemal nervös.

Dana drückte seine Hand. »Ich bin auch da.«

Peter Tomkins’ Haus war ein entzückendes altes Cottage an der Blind Brook Road, an dem ein schmaler Bachlauf vorüberfloss.

»Hey, das ist cool«, sagte Kemal.

Dana zerzauste Kemals Haare. »Freut mich, dass es dir gefällt. Wir werden noch öfter hierher kommen.«

Die Haustür ging auf, und Eileen Evans stand vor ihnen. Wenn man genau hinsah, konnte man noch ein paar Hinweise darauf erkennen, wie schön sie einst gewesen sein musste, doch die Verbitterung hatte tiefe Spuren hinterlassen. Ihre ganze Schönheit war auf Dana übergegangen. Neben Eileen stand ein älterer Mann mit freundlichem Gesicht, der sie mit einem breiten Lächeln empfing.

Eileen stürzte auf sie zu und schloss Dana in die Arme.

»Dana, mein Schatz! Und da ist ja auch Kimbal!«

»Mutter .«

»Das ist also die berühmte Dana Evans, was? Ich hab schon meinen sämtlichen Kunden von Ihnen erzählt.« Er wandte sich an Kemal. »Und das ist der Junge.« Er bemerkte, dass Kemal nur einen Arm hatte. »Hey, ihr habt mir ja gar nicht erzählt, dass er ein Krüppel ist.«

Dana stockte das Blut. Sie sah Kemals verstörte Miene.

Peter Tomkins schüttelte den Kopf. »Wenn er bei uns versichert gewesen wäre, bevor das passiert ist, wär’ er jetzt stinkreich.« Er wandte sich zur Tür. »Kommt rein, ihr seid bestimmt hungrig.«

»Nicht mehr«, versetzte Dana gepresst. Sie wandte sich an Eileen. »Entschuldige, Mutter, aber Kemal und ich fahren zurück nach Washington.«

»Tut mir Leid, Dana. Ich -«

»Mir auch. Ich hoffe nur, du machst keinen Fehler. Ich wünsche dir eine schöne Hochzeit.«

»Dana -«

Bestürzt sah Danas Mutter zu, wie Dana und Kemal in den Wagen stiegen und wegfuhren.

Peter Tomkins schaute ihnen verdutzt hinterher. »Hey, was hab ich denn gesagt?«

Eileen Evans seufzte. »Nichts, Peter. Gar nichts.«

Auf der Heimfahrt schwieg Kemal. Dana warf ihm von Zeit zu Zeit einen Blick zu.

»Tut mir Leid, mein Schatz. Manche Menschen haben einfach keine Ahnung.«

»Er hat Recht«, sagte Kemal verbittert. »Ich bin ein Krüppel.«

»Du bist kein Krüppel«, versetzte Dana scharf. »Man beurteilt Menschen nicht danach, wie viele Arme oder Beine sie haben. Man darf sie nur danach beurteilen, was sie sind.« »Aha? Und was bin ich?«

»Du bist ein Überlebender. Und ich bin stolz auf dich. Weißt du, in einer Hinsicht hatte der reizende Bräutigam Recht - ich bin hungrig. Vermutlich interessiert es dich nicht, aber ich sehe ein McDonald’s vor uns.«

Kemal lächelte. »Stark.«

Nachdem Kemal zu Bett gegangen war, begab sich Dana ins Wohnzimmer und setzte sich hin, um nachzudenken. Sie schaltete den Fernseher ein und zappte durch sämtliche Nachrichtenkanäle. Alle brachten Hintergrundberichte über den Mord an Gary Winthrop.

». hoffen, dass der gestohlene Kleinbus ein paar Hinweise auf die Mörder liefert ...«

»... zwei Kugeln aus einer Beretta. Die Polizei überprüft sämtliche Waffengeschäfte, um .«

». und der brutale Mord an Gary Winthrop im vornehmen Nordwesten der Stadt ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass niemand .«

Irgendetwas ließ Dana keine Ruhe. Es dauerte stundenlang, bis sie endlich einschlief. Als Dana am nächsten Morgen aufwachte, wurde ihr mit einem Mal bewusst, was ihr so zu schaffen gemacht hatte: Das Geld und der Schmuck lagen offen herum. Wieso haben die Mörder nichts davon mitgenommen?

Dana stand auf und kochte sich eine Kanne Kaffee, während sie noch einmal die Aussagen von Polizeichef Burnett durchging.

Haben Sie eine Auflistung der gestohlenen Bilder?

Jawohl. Es sind lauter bekannte Werke. Wir haben die Liste an sämtliche Museen, Kunsthändler und Sammler weitergegeben. Sobald eines dieser Bilder irgendwo auftaucht, können wir den Fall lösen.

Die Einbrecher müssen doch gewusst haben, dass sie die Bilder nicht so leicht verkaufen können, dachte Dana. Was nur bedeuten kann, dass der Diebstahl von einem reichen Sammler in Auftrag gegeben wurde, der die Bilder für sich behalten will. Aber warum sollte sich so ein Mann mit zwei mörderischen Gaunern einlassen?

Als Kemal am Montagmorgen aufwachte, bereitete ihm Dana das Frühstück zu und setzte ihn an der Schule ab.

»Ich wünsche dir einen schönen Tag, mein Schatz.«

»Bis später, Dana.«

Dana blickte Kemal hinterher, bis er durch die Tür des Schulhauses verschwunden war, und fuhr dann zum Polizeipräsidium an der Indiana Avenue.

Es schneite wieder und ein scharfer Wind pfiff durch die Straßen.

Detective Phoenix Wilson, der die Ermittlungen im Mordfall Gary Winthrop leitete, war ein ausgefuchster Menschenfeind, dessen Narben verrieten, weshalb er so geworden war. Er blickte auf, als Dana in sein Büro kam.

»Keine Interviews«, knurrte er. »Wenn wir im Mordfall Winthrop irgendwelche neuen Erkenntnisse haben, erfahren Sie das wie alle anderen in der Pressekonferenz.«

»Danach wollte ich Sie gar nicht fragen«, sagte Dana.

Er musterte sie skeptisch. »Ach, wirklich?«

»Wirklich. Mich interessieren die gestohlenen Bilder. Sie haben doch eine Auflistung, nehme ich an.«

»Na und?«

»Könnten Sie mir eine Kopie überlassen?«

»Warum?«, fragte Detective Wilson misstrauisch. »Was haben Sie damit vor?«

»Ich möchte mir mal ansehen, was die Mörder mitgenommen haben. Möglicherweise bringe ich einen Bericht darüber.«

Detective Wilson musterte Dana einen Moment lang. »Keine schlechte Idee. Je bekannter die Bilder sind, desto schwerer wird es für die Mörder, sie zu verkaufen.« Er stand auf. »Sie haben zwölf Bilder mitgenommen und einen ganzen Haufen weiterer zurückgelassen. Ich nehme an, sie waren zu faul, sie alle rauszuschleppen. Gutes Personal ist heutzutage schwer zu kriegen. Ich besorg Ihnen eine Kopie von dem Bericht.«

Ein paar Minuten später kam er mit zwei Fotokopien zurück. Er reichte sie Dana. »Hier ist die Liste mit denen, die sie mitgenommen haben. Hier ist die andere Liste.«

Dana blickte ihn fragend an. »Was für eine andere Liste?«

»Mit sämtlichen Bildern, die Gary Winthrop besessen hat, darunter auch diejenigen, die die Mörder zurückgelassen haben.«

»Oh. Vielen Dank. Sehr zuvorkommend.«

Draußen auf dem Korridor ging Dana die beiden Listen durch. Verdutzt blickte sie auf. Dann trat sie hinaus in die eisige Luft und steuerte Christie’s an, das weltberühmte Auktionshaus. Es schneite inzwischen heftiger, und die Menschen hasteten die Straßen entlang, um rasch ihre Besorgungen zu erledigen und wieder in ihre warmen Häuser und Büros zurückzukehren.