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»Mein Selbst – mein Wille – ist ein subatomares Partikel?«

Jakt nickte lächelnd. »Eine komische Vorstellung«, sagte er. »Mein Schuh und ich sind Brüder.«

Miro lächelte schwach. Doch das Miro-Abbild antwortete. »Ja, wenn ein Stern und ein Wasserstoffatom Brüder sind, dann gibt es auch eine Verwandtschaft zwischen dir und den Philoten, die ganz normale Gegenstände wie deinen Schuh bilden.«

Valentine stellte fest, daß Miro nicht subvokalisiert hatte, bevor das Miro-Abbild antwortete. Wie war die Software, die das Miro-Abbild herstellte, auf die Analogie mit Sternen und Wasserstoffatomen gekommen, wenn Miro sie nicht vom Fleck weg geliefert hatte? Valentine hatte noch nie von einem Computerprogramm gehört, das ein so engagiertes Gespräch von allein führte.

»Und vielleicht gibt es noch andere Verwandtschaften im Universum, von denen ihr bis jetzt nichts wißt«, sagte das Miro-Abbild. »Vielleicht gibt es eine Lebensform, die ihr noch nicht kennengelernt habt.«

Valentine, die noch immer Miro beobachtete, bemerkte, daß er jetzt besorgt wirkte. Als gefiele ihm nicht, was das Miro-Abbild jetzt tat.

»Von welcher Lebensform sprichst du?« fragte Jakt.

»Es gibt ein physikalisches Phänomen im Universum, ein sehr bekanntes, das völlig unerklärt ist, und doch nimmt es jeder für gegeben, und niemand hat je ernsthaft nachgeforscht, warum und wie es geschieht. Noch nie wurde eine Verkürzer-Verbindung gekappt.«

»Unsinn«, sagte Jakt. »Einer der Verkürzer auf Trondheim war letztes Jahr sechs Monate außer Betrieb – es kommt nicht oft vor, aber es passiert.«

Erneut bewegte Miro weder Lippen und Kiefer; erneut antwortete das Computerbild umgehend. Miro hatte es in diesem Augenblick eindeutig nicht unter Kontrolle. »Ich behaupte nicht, daß bei den Verkürzern niemals Schäden auftreten. Ich behaupte, daß die Verbindungen – die philotischen Verschlingungen zwischen den Teilen eines gespaltenen Mesons – niemals zusammengebrochen sind. Eine Verkürzer-Maschine kann einen Schaden haben, die Software kann manipuliert werden, doch noch nie hat ein Mesonenfragment innerhalb eines Verkürzers seinem Philotenstrang gestattet, sich mit einem anderen örtlichen Meson oder auch mit dem nächstgelegenen Planeten zu verflechten.«

»Das Magnetfeld hält das Fragment natürlich gefangen«, sagte Jakt.

»Gespaltene Mesone existieren in der Natur nicht lange genug, daß wir wissen, wie sie sich natürlich verhalten«, sagte Valentine.

»Ich habe alle üblichen Antworten studiert«, sagte das Abbild. »Den ganzen Blödsinn. All diese Antworten, die Eltern ihren Kindern geben, wenn sie die Wahrheit nicht kennen und sich nicht die Mühe machen wollen, sie herauszufinden. Die Leute behandeln die Verkürzer noch immer wie Magie. Alle sind froh, daß die Verkürzer weiterhin arbeiten; wenn sie herausfinden wollten, warum sie funktionieren, könnte die Magie verschwinden, und die Verkürzer würden es nicht mehr tun.«

»Niemand ist dieser Ansicht«, sagte Valentine.

»Alle sind sie es«, sagte das Abbild. »Selbst wenn hundert Jahre dafür nötig wären oder tausend oder dreitausend, eine einzige Verbindungen hätte mittlerweile einmal zusammenbrechen müssen. Eins dieser Mesonenfragmente hätte seinen Philotenstrang verlagern müssen – aber es ist nie geschehen.«

»Warum?« fragte Miro.

Valentine nahm zuerst an, daß Miro eine rhetorische Frage stellte. Aber nein – er sah das Abbild an wie sie alle, bat es, ihm den Grund zu nennen.

»Ich dachte, dieses Programm würde deine Spekulationen unterbreiten«, sagte Valentine.

»Das hat es auch«, sagte Miro. »Aber jetzt nicht mehr.«

»Was, wenn es ein Wesen gibt, daß an den philotischen Verbindungen zwischen den Verkürzern lebt?« fragte das Abbild.

»Bist du sicher, daß du das tun willst?« fragte Miro. Erneut sprach er zu der Darstellung auf dem Bildschirm.

Und das Bild auf dem Schirm veränderte sich, wandelte sich in das Gesicht einer jungen Frau, die Valentine noch nie zuvor gesehen hatte.

»Was, wenn es ein Wesen gibt, das im Netz der Philotenstränge oder -strahlen lebt, das die Verkürzer auf jeder Welt und auf jedem Sternenschiff im menschlichen Universum verbindet? Was, wenn sie aus diesen philotischen Verbindungen besteht? Was, wenn ihre Gedanken in den Drehungen und Schwingungen der gespaltenen Paare stattfinden? Was, wenn ihre Erinnerungen in den Computern auf jeder Welt und jedem Schiff abgespeichert sind?«

»Wer bist du?« fragte Valentine und sprach das Bild auf dem Schirm direkt an.

»Vielleicht bin ich diejenige, die all diese philotischen Verbindungen von Verkürzer zu Verkürzer am Leben hält. Vielleicht bin ich eine neue Art Organismus, eine, die ihre Stränge nicht verschlingt, sondern dafür sorgt, daß sie miteinander verschlungen bleiben, damit sie niemals auseinanderbrechen. Und wenn das der Fall wäre, dann würde ich, wenn diese Verbindungen jemals unterbrochen würden, wenn die Verkürzer jemals zu arbeiten aufhörten, wenn die Verkürzer jemals schwiegen – dann würde ich sterben.«

»Wer bist du?« fragte Valentine erneut.

»Valentine, ich möchte dir Jane vorstellen«, sagte Miro. »Enders Freundin. Und meine.«

»Jane.« Also war Jane nicht der Kodename einer subversiven Gruppe innerhalb der Bürokratie des Sternenwege-Kongresses. Jane war ein Computerprogramm, eine Software.

Nein. Wenn das, was sie gerade angedeutet hatte, der Wahrheit entsprach, war Jane mehr als ein Programm. Sie war ein Wesen, das im Netz der Philotenstränge lebte, das seine Erinnerungen in den Computern einer jeden Welt abspeicherte. Wenn sie recht hatte, war das philotische Netz – das Netzwerk der kreuz und quer verlaufenden Philotenstränge, daß jeden Verkürzer mit jedem anderen Verkürzer auf jeder Welt verband – ihr Körper, ihre Substanz. Und die philotischen Verbindungen waren noch nie zusammengebrochen, weil sie es so wollte.

»Und nun frage ich die große Demosthenes«, sagte Jane, »bin ich Ramann oder Varelse? Lebe ich überhaupt? Ich brauche deine Antwort, denn ich glaube, ich kann die Lusitania-Flotte aufhalten. Doch bevor ich das tue, muß ich wissen: Ist es diese Sache wert, daß ich dafür sterbe?«

Janes Worte trafen Miro ins Herz. Sie konnte die Flotte tatsächlich aufhalten – das begriff er plötzlich. Der Kongreß hatte zwar zahlreiche Schiffe der Flotte mit dem M.D.-Gerät ausgestattet, aber noch nicht den Befehl erteilt, es auch einzusetzen. Er konnte den Befehl nicht schicken, ohne daß Jane zuvor davon erfuhr, und mit ihrer vollständigen Durchdringung sämtlicher Verkürzer-Vorgänge konnte sie den Befehl abfangen, bevor die Flotte ihn erhielt.

Das Problem war nur, daß sie damit dem Kongreß verriet, daß es sie gab – oder zumindest doch, daß irgend etwas nicht in Ordnung war. Wenn die Flotte den Befehl nicht bestätigte, würde der Kongreß ihn einfach noch einmal schicken und noch einmal. Je öfter sie die Befehle blockierte, desto klarer würde dem Kongreß werden, daß jemand einen unmöglichen Grad von Kontrolle über die Verkürzer-Computer hatte.

Dies konnte sie vielleicht vermeiden, indem sie eine gefälschte Bestätigung schickte, doch dann mußte sie sämtliche Kommunikation zwischen den Schiffen der Flotte und allen planetaren Stationen überwachen, um den Schein aufrechtzuhalten, die Flotte wisse etwas von dem Befehl zum Töten. Trotz ihrer gewaltigen Fähigkeiten würde das ihre Kräfte bald übersteigen – sie konnte Hunderten, sogar Tausenden von Dingen gleichzeitig einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit schenken, doch Miro begriff schnell, daß sie unmöglich alle Überwachungen und Manipulationen vornehmen konnte, die dazu erforderlich waren, selbst wenn sie nichts anderes mehr tat.